Stuttgart - Noch bis vor wenigen Wochen haben die Gegner von Stuttgart 21 die Meinungsbeiträge im Internet klar dominiert. Wer für den geplanten Tiefbahnhof war, der strandete meist auf der
Seite des Kommunikationsbüros » von Wolfgang Drexler. Von einer virtuellen Community, die sich für das Projekt einsetzte, war kaum etwas zu spüren. Spontan im Netz geplante Aktionen? Kampagnen für den Ingenhoven-Bahnhof? Es herrschte meist Stille in den Weiten des Internets.
Das hat sich inzwischen geändert. Im sozialen Netzwerk Facebook gewinnt die Gruppe
Für Stuttgart 21! » immer mehr Mitglieder. Mehr als 5.500 Teilnehmer bekennen sich unter diesem Slogan zum Bahnhofsneubau. In den Diskussionsforen kommentieren die Befürworter die Fortschritte an der Baustelle und debattieren über die städtebaulichen Perspektiven auf dem A1-Gelände. Die Seite zeigt exemplarisch den "Sponti-Charakter" von politischen Aktionen im Netz. So setzen die Befürworter den frechen Signets, mit denen die Gegner bisher das Stadtbild geprägt haben, eigene Zeichen entgegen: Auf einem "Ortsschild" ist der Name "Stocker" genauso mit einem roten Querbalken durchgestrichen, wie das "Stuttgart 21" bei den Aufklebern der Gegner. Aus dem bekannten "Oben bleiben" wird bei den Freunden des künftigen Tiefbahnhofs ein grüner "Oben ohne!"-Button. Die Facebook-Initiative verdeutlicht die Chancen und die Risiken, die in diesen Kampagnen zur politischen Meinungsbildung im Internet liegen: Unbürokratisch und ohne großen organisatorischen Aufwand finden per Facebook schnell Tausende von vermeintlich Gleichgesinnten zusammen.
FDP-Stadtrat schreibt regelmäßig auf die Facebook-Seite
Andererseits gibt es kaum eine regelnde Autorität, die der Debatte klare Grenzen setzt. So müssen sich die Bahn und ihr Kommunikationsbüro auf der Seite ihrer Sympathisanten auch harsche Kritik gefallen lassen. Einer der User schreibt: "Ich denke, es ist vor allem nötig, dass die Projektleitung nicht dauernd neue Steilvorlagen für die Projektgegner liefert."
Auf der Facebook-Seite der Befürworter schreibt auch regelmäßig der FDP-Stadtrat Michael Conz, ein glühender Verfechter des Projekts. Seit zwei Wochen hat Conz zudem eine eigene Website freigeschaltet:
Stuttgart21 kommt » nennt sich der Auftritt. "Die Gegner waren bis vor kurzem wesentlich aktiver im Netz", sagt Conz. "Ich wollte dem etwas entgegensetzen." Die bisherige Resonanz auf seine Aktion wertet der Liberale als Erfolg. "Täglich bekomme ich rund 20 Mails, die sich auf die Seite beziehen. Ich habe heute schon mehr Treffer auf der Seite, als ich es in meinem gesamten Bundestagswahlkampf hatte."
Während die Protestbewegung jüngst bei Großdemonstrationen auf der Straße Flagge gezeigt hat, suchen die Unterstützer des Projekts verstärkt im Netz nach Wegen, um dem etwas entgegenzuhalten. Der Pfarrer Johannes Bräuchle hat die Seite
Prosit 21 » angestoßen, in deren Gästebuch ein gewisser Klaus seine Meinung sagt: "Endlich eine Möglichkeit, sich als Befürworter auch zu artikulieren."