Befürworter verstärkt im Netz
Lieber oben ohne als oben bleiben
Erik Raidt,
01.09.2010 13:14 Uhr
Wer für den geplanten Tiefbahnhof war, der strandete meist auf der Seite des Kommunikationsbüros von Wolfgang Drexler. Foto: Repro: StZ
Stuttgart - Noch bis vor wenigen Wochen haben die Gegner von Stuttgart 21 die Meinungsbeiträge im Internet klar dominiert. Wer für den geplanten Tiefbahnhof war, der strandete meist auf der Seite des Kommunikationsbüros » von Wolfgang Drexler. Von einer virtuellen Community, die sich für das Projekt einsetzte, war kaum etwas zu spüren. Spontan im Netz geplante Aktionen? Kampagnen für den Ingenhoven-Bahnhof? Es herrschte meist Stille in den Weiten des Internets.
Das hat sich inzwischen geändert. Im sozialen Netzwerk Facebook gewinnt die Gruppe Für Stuttgart 21! » immer mehr Mitglieder. Mehr als 5.500 Teilnehmer bekennen sich unter diesem Slogan zum Bahnhofsneubau. In den Diskussionsforen kommentieren die Befürworter die Fortschritte an der Baustelle und debattieren über die städtebaulichen Perspektiven auf dem A1-Gelände. Die Seite zeigt exemplarisch den "Sponti-Charakter" von politischen Aktionen im Netz. So setzen die Befürworter den frechen Signets, mit denen die Gegner bisher das Stadtbild geprägt haben, eigene Zeichen entgegen: Auf einem "Ortsschild" ist der Name "Stocker" genauso mit einem roten Querbalken durchgestrichen, wie das "Stuttgart 21" bei den Aufklebern der Gegner. Aus dem bekannten "Oben bleiben" wird bei den Freunden des künftigen Tiefbahnhofs ein grüner "Oben ohne!"-Button. Die Facebook-Initiative verdeutlicht die Chancen und die Risiken, die in diesen Kampagnen zur politischen Meinungsbildung im Internet liegen: Unbürokratisch und ohne großen organisatorischen Aufwand finden per Facebook schnell Tausende von vermeintlich Gleichgesinnten zusammen.
Andererseits gibt es kaum eine regelnde Autorität, die der Debatte klare Grenzen setzt. So müssen sich die Bahn und ihr Kommunikationsbüro auf der Seite ihrer Sympathisanten auch harsche Kritik gefallen lassen. Einer der User schreibt: "Ich denke, es ist vor allem nötig, dass die Projektleitung nicht dauernd neue Steilvorlagen für die Projektgegner liefert."
Auf der Facebook-Seite der Befürworter schreibt auch regelmäßig der FDP-Stadtrat Michael Conz, ein glühender Verfechter des Projekts. Seit zwei Wochen hat Conz zudem eine eigene Website freigeschaltet: Stuttgart21 kommt » nennt sich der Auftritt. "Die Gegner waren bis vor kurzem wesentlich aktiver im Netz", sagt Conz. "Ich wollte dem etwas entgegensetzen." Die bisherige Resonanz auf seine Aktion wertet der Liberale als Erfolg. "Täglich bekomme ich rund 20 Mails, die sich auf die Seite beziehen. Ich habe heute schon mehr Treffer auf der Seite, als ich es in meinem gesamten Bundestagswahlkampf hatte."
Während die Protestbewegung jüngst bei Großdemonstrationen auf der Straße Flagge gezeigt hat, suchen die Unterstützer des Projekts verstärkt im Netz nach Wegen, um dem etwas entgegenzuhalten. Der Pfarrer Johannes Bräuchle hat die Seite Prosit 21 » angestoßen, in deren Gästebuch ein gewisser Klaus seine Meinung sagt: "Endlich eine Möglichkeit, sich als Befürworter auch zu artikulieren."
Das hat sich inzwischen geändert. Im sozialen Netzwerk Facebook gewinnt die Gruppe Für Stuttgart 21! » immer mehr Mitglieder. Mehr als 5.500 Teilnehmer bekennen sich unter diesem Slogan zum Bahnhofsneubau. In den Diskussionsforen kommentieren die Befürworter die Fortschritte an der Baustelle und debattieren über die städtebaulichen Perspektiven auf dem A1-Gelände. Die Seite zeigt exemplarisch den "Sponti-Charakter" von politischen Aktionen im Netz. So setzen die Befürworter den frechen Signets, mit denen die Gegner bisher das Stadtbild geprägt haben, eigene Zeichen entgegen: Auf einem "Ortsschild" ist der Name "Stocker" genauso mit einem roten Querbalken durchgestrichen, wie das "Stuttgart 21" bei den Aufklebern der Gegner. Aus dem bekannten "Oben bleiben" wird bei den Freunden des künftigen Tiefbahnhofs ein grüner "Oben ohne!"-Button. Die Facebook-Initiative verdeutlicht die Chancen und die Risiken, die in diesen Kampagnen zur politischen Meinungsbildung im Internet liegen: Unbürokratisch und ohne großen organisatorischen Aufwand finden per Facebook schnell Tausende von vermeintlich Gleichgesinnten zusammen.
FDP-Stadtrat schreibt regelmäßig auf die Facebook-Seite
Andererseits gibt es kaum eine regelnde Autorität, die der Debatte klare Grenzen setzt. So müssen sich die Bahn und ihr Kommunikationsbüro auf der Seite ihrer Sympathisanten auch harsche Kritik gefallen lassen. Einer der User schreibt: "Ich denke, es ist vor allem nötig, dass die Projektleitung nicht dauernd neue Steilvorlagen für die Projektgegner liefert."
Auf der Facebook-Seite der Befürworter schreibt auch regelmäßig der FDP-Stadtrat Michael Conz, ein glühender Verfechter des Projekts. Seit zwei Wochen hat Conz zudem eine eigene Website freigeschaltet: Stuttgart21 kommt » nennt sich der Auftritt. "Die Gegner waren bis vor kurzem wesentlich aktiver im Netz", sagt Conz. "Ich wollte dem etwas entgegensetzen." Die bisherige Resonanz auf seine Aktion wertet der Liberale als Erfolg. "Täglich bekomme ich rund 20 Mails, die sich auf die Seite beziehen. Ich habe heute schon mehr Treffer auf der Seite, als ich es in meinem gesamten Bundestagswahlkampf hatte."
Während die Protestbewegung jüngst bei Großdemonstrationen auf der Straße Flagge gezeigt hat, suchen die Unterstützer des Projekts verstärkt im Netz nach Wegen, um dem etwas entgegenzuhalten. Der Pfarrer Johannes Bräuchle hat die Seite Prosit 21 » angestoßen, in deren Gästebuch ein gewisser Klaus seine Meinung sagt: "Endlich eine Möglichkeit, sich als Befürworter auch zu artikulieren."
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Stuttgart 21
Ich bin der Meinung, das Stuttgart 21 für Stuttgart und deren zukünftige Bürger eine tolle Sache ist. Wir müssen in die Zukunft investieren - unsere Kinder danken es uns später ! Vor 100 Jahren haben unsere Vorfahren auch mit dem neuen Hauptbahnhof an uns gedacht! Die Bahn ist nun mit das umweltfreundlichste Verkehrsmittel! Genau ein Projekt für die Grünen - oder? Ich frage mich nur, warum der Wiederstand erst jetzt und nicht schon vor 15 Jahren aufkam! Damals war auch ein Herr Fischer dafür. Stuttgart 21 ist gut und muß auch kommen - ohne wenn und aber.
@renate
Da geb ich ihnen recht, allerdings müsste man dann auch schauen wie sich die gesamtsituation auf den taktfahrplan auswirkt...
@Rallos
„Für die S-Bahn-Pendler bring die ganze Aktion keinen Vorteil“ Diese Aussage sollte differenziert betrachtet werden. Natürlich ändert S21 an dem grundsätzlichen Problem der Stuttgarter S-Bahn mit der sternförmigen Verteilung und dem Flaschenhals der Verbindungsbahn zwischen Stuttgart Hbf tief und Schwabstraße bzw. Vaihingen nichts. Dennoch entsteht mit der Mittnachtstr. eine neue Haltestelle. Die Fahrzeit von Feuerbach nach Bad Cannstatt und umgekehrt reduziert sich um ca. 3-4 Minuten je Fahrtrichtung. Die Fahrzeit von und zum Hauptbahnhof verlängert sich erstmal um ca. 1 Minute durch den zusätzlichen Halt. Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Verlängerung aus den folgenden beiden Gründen kompensioert wird: + Entzerrung der Aus- und Umsteiger in Hbf-tief durch die Haltestelle Mittnachtstr., damit kürzerer Halt. + Die S-Bahngleise zwischen Bad Cannstatt und Hbf werden heute häufig wegen der unterdimmensionierten Anbindung des Hbf in dieser Relation durch Regionalzüge mitbenutzt und führen zu Verzögerungen bei der S-Bahn, dies wird bei S21 nicht mehr der Fall sein.