Behr-Areal in Feuerbach Fabrikhallen sollen zum Künstlerdorf werden

Von Torsten Ströbele 

Das Konzept für das ehemalige Behr-Areal kommt bei Kommunalpolitikern und Stadtverwaltung gut an. Auf 10.000 Quadratmeter sind Werkstätten, Büros, Ausstellungs- und Proberäume sowie eine Bio-Gastronomie und Ateliers geplant.

Zwei große Gebäude an der Siemensstraße stehen derzeit leer. Ab 15. September ziehen die ersten Mieter auf das rund 13.500Quadratmeter Foto: FTGRF Fotodesign (z)
Zwei große Gebäude an der Siemensstraße stehen derzeit leer. Ab 15. September ziehen die ersten Mieter auf das rund 13.500Quadratmeter Foto: FTGRF Fotodesign (z)

Stuttgart-Feuerbach - Die Idee eines Künstlerdorfes auf dem ehemaligen Gelände der Firma Behr in Feuerbach nimmt immer konkretere Formen an. An diesem Mittwoch gründen Sevil Özlük von der Agentur pdt und Deniz Keser von der Büro Südwind GmbH die „ImWerk 8“ GmbH. Im Auftrag von zwei Investoren, die noch nicht öffentlich genannt werden wollen, versuchen Sevil Özlük und Deniz Keser nun, die rund 13.500 Quadratmeter an der Siemensstraße 136 und 140 mit Leben zu füllen.

Auf 10.000 Quadratmeter sind Werkstätten, Büros, Ausstellungs- und Proberäume sowie eine Bio-Gastronomie und Ateliers geplant. Zudem könnten sich die Investoren vorstellen, Räume für Veranstaltungen für bis zu 5000 Personen und eine Kreativ-Kita auf dem Gelände unterzubringen. „Die ersten Mieter können definitiv ab 15. September einziehen“, sagt Özlük. Für Büroräume, Werkstätten und Lagerhallen lägen die planungsrechtlichen Genehmigungen schon vor. „Allerdings kann einiges aus dem Konzept noch nicht umgesetzt werden. Das gibt der Bebauungsplan nicht her, der an dieser Stelle ein Industriegebiet vorsieht“, sagt Karl-Theo Maurer vom Amt für Stadtplanung und -erneuerung. Grundlegend finde er die Idee eines Künstlerdorfes sehr spannend, „aber man muss es eben wollen.“

„Das ist eine schwierige Entscheidung“

Ein neuer Bebauungsplan müsste her, und den können nur die Stadträte auf den Weg bringen. Und ob die Kommunalpolitiker das wollen, wissen die meisten von ihnen noch nicht. „Das ist eine schwierige Entscheidung“, sagt Alexander Kotz, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat. „Mein erster Eindruck von dem Konzept ist sehr positiv.“ So ein Künstlerdorf wäre sicher ein Zugewinn für Stuttgart. Aber wenn es darum gehe, Flächen für das produzierende Gewerbe aufzugeben, tue er sich schwer, sagt Kotz.

Ähnlich sieht es Roswitha Blind (SPD): „Ich bin nicht abgeneigt, über eine Änderung des Bebauungsplans nachzudenken. Das Konzept ist gut, aber wir brauchen auch Gewerbeflächen.“ Rose von Stein (Freie Wähler) verweist auf einen Antrag ihrer Fraktion: „Wir wollen einen Bericht im Ausschuss für Umwelt und Technik.“ Man wolle wissen, was auf dem ehemaligen Behr-Gelände denk- und machbar sei, wenn eine industrielle und gewerbliche Nutzung dort nicht mehr in Frage käme.

Die Fraktion SÖS/Die Linke habe sich noch nicht im Detail über das Künstlerdorf unterhalten, sagt Stadtrat Gangolf Stocker. Anders die FDP-Fraktion: „Ich kenne das Konzept und habe eine klare Meinung“, sagt Fraktionsvorsitzender Bernd Klingler. Grundsätzlich sei er zwar dafür, Flächen für produzierendes Gewerbe zu erhalten, aber dieses Areal in Feuerbach sei hervorragend für ein Künstlerdorf geeignet. „Das ist ein Versuch wert.“

Mangel an Flächen für Kreativ- und Kulturschaffende

So weit möchte Silvia Fischer, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, noch nicht gehen. Sie findet das Konzept zwar charmant, „aber wir brauchen weitere Erkenntnisse, um sagen zu können, welche Nutzung auf diesem Areal künftig sinnvoll ist.“ Deshalb soll die Abteilung Wirtschaftsförderung berichten, wie sich die Bedarfe für Produktion, Dienstleistung, Kreativwirtschaft und Kultur darstellen und welche Entwicklungen prognostiziert werden.

Auf Nachfrage kann Ines Aufrecht, die Leiterin der Wirtschaftsförderung, schon einmal so viel sagen: „Wir befinden uns hier in einem Spannungsfeld.“ Einerseits verzeichne man eine Nachfrage nach Indus­trieflächen. Andererseits gebe es einen eklatanten Mangel an Flächen für Kreativ- und Kulturschaffende. „Das vorgestellte Konzept des Künstlerdorfes birgt beachtliches wirtschaftliches Potenzial und kann zur Aufwertung des Areals beitragen“, sagt Aufrecht. Eine konkrete Anfrage für eine industrielle Nutzung des ehemaligen Behr-Geländes liege ihr aktuell nicht vor.

Am Freitag, 6. September, können sich die Stadträte ein genaues Bild vom ehemaligen Behr-Gelände verschaffen. Nach der Sommerpause des Gemeinderats soll das Konzept des Künstlerdorfes dann in einer Sitzung der Kommunalpolitiker im Stuttgarter Rathaus präsentiert werden.

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