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Beim Bierholen kurz mal Pellets nachlegen HOLZ-PELLETS TRAGEN HALB SO VIEL ENERGIE IN SICH WIE ÖL Energiewende

Leonberg "Global denken - lokal handeln", diesen Grundgedanken der Lokalen Agenda 21 haben viele Menschen in der Region Leonberg verinnerlicht. Die Gebersheimer Familie Fahrner gehört zu den Holzpelletheizungs-Pionieren im Land. Von Barbara Bross-Winkler

Eine Holzpelletheizung kann für vieles gut sein: für den Geldbeutel, fürs Klima, für den Bizeps und sogar für die Tomaten im Garten. Im Jahr 2000 haben Karin und Markus Fahrner eine Entscheidung getroffen. Sie haben ein 1958 gebautes Haus gekauft, von dem beim Renovieren bald nicht viel mehr als der Rohbau stand. Das Haus brauchte nicht nur neue Wände und Wasserleitungen, sondern auch eine neue Elektrik und eine neue Heizung. Was Letztere anging hatte Karin Fahrner klare Vorstellungen: Das Haus sollte weder mit Öl, noch mit Gas oder Strom geheizt werden.

Gas fand Karin Fahrner beängstigend, Öl stinke und Strom sei nicht zum Heizen da. "Da blieb bis auf das Heizen mit Holz und Sonne nicht mehr viel übrig", fasst Markus Fahrner ihre damalige Entscheidung für einen Holzpelletofen plus Solar-Flachkollektoren auf dem Dach zusammen. Ihren Entschluss hat die vierköpfige Familie nicht bereut, auch wenn er bedeutet, dass alle einmal im Jahr mit anpacken müssen, wenn es heißt den Pellet-Lagerraum zu füllen, der früher einmal die Abortgrube des alten Hauses war.

Viereinhalb Tonnen Pelletsäcke lagern in dem Raum, der neben dem Brenner liegt. Rund dreieinhalb Tonnen Pellets, überschlägt Markus Fahrner, braucht die Familie im Durchschnitt pro Jahr. Das entspricht in etwa dem Brennwert von 1700 Litern Heizöl. Und weil er sich gegen eine automatische Beschickung des Ofens mit dem Brennmaterial durch eine Förderschnecke entschieden hat, muss Fahrner den 500 Liter fassenden Vorratsbehälter immer wieder mit dem einen oder anderen 15-Kilo-Sack befüllen. Das könne man aber prima zwischendurch erledigen, etwa wenn man sich ein Bier aus dem Keller hole, erzählt der Verfahrenstechniker.

Heute sind Holzpelletöfen zwar immer noch nicht weit verbreitet - bundesweit gibt es 155 000 Öfen - doch 2000 waren die Fahrners in Gebersheim gewissermaßen Pellet-Pioniere. Selbst Fachbetriebe, erzählt Fahrner, hätten sich damals kaum ausgekannt mit dieser Heiztechnologie. Glücklicherweise seien die Österreicher den Deutschen hier gut zehn Jahre voraus und Fahrner verfügt als Verfahrenstechniker über genügend Ahnung wenn es um Fachbegriffe wie Kilowattstunden oder Energiedichte geht.

"Wir sind in das Thema mit der Zeit reingewachsen", sagt der 45-Jährige, der gerne Werbung für diese Art des Heizens macht. Und der deswegen auch gern jedes Jahr sein Haus für eine Besichtigung mit dem Energiekreis zur Verfügung stellt. Besucher stellen als erstes häufig die Frage nach den Kosten. Die Investitionskosten seien zunächst deutlich höher als bei Gas- oder Ölbrennwertkesseln, doch diese Mehrkosten amortisierten sich innerhalb weniger Jahre durch die geringeren Brennstoffkosten. Und das, obwohl sich der Preis für Pellets in den vergangenen Jahren fast verdoppelt hat und der Familienvater derzeit mit 48,5 Cent für zwei Kilo Pellets rechnet.

Der Brennwert der zwei Kilo entspricht in etwa einem Liter Öl, das derzeit auf rund 85 Cent und mehr kommt. Die Einsparung je nach Verbrauch kann man leicht errechnen. Doch die Fahrners haben es nicht bei dem 14,9-Kilowatt-Pelletbrenner belassen. Von Mai bis Oktober bleibt der Ofen kalt, denn dann reichen die 12 Quadratmeter Solarkollektoren auf dem optimal geneigten und Richtung Süden liegenden Dach, um den 1280 Liter fassenden Pufferspeicher mit ausreichend Wärme zu versorgen. "Es ist unfassbar, was die Sonne schafft", wundert sich selbst der Verfahrensingenieur noch manchmal.

Dazu kommt schließlich noch der 2004 angeschaffte wasserführende Kaminofen im Wohnzimmer, der mit Stückholz beheizt wird und überschüssige Wärme ebenfalls in dem Puffer speichern kann. Nur etwa ein Viertelder Wärme des 8-Kilowatt-Ofens bleibt im Wohnzimmer und das ist mehr als ausreichend. So springt der Pelletofen nur dann an, wenn das Wasser im Speicher mal unter die gewünschten 60 bis 65 Grad rutscht.

Brennstoff Holzpellets fallen als Hobel- und Sägeabfälle in der Forstwirtschaft oder bei holzverarbeitenden Betrieben an. Es sind in Form gepresste, zwischen 6 und 30 Millimeter große Holzspäne, die zum Heizen bestens geeignet sind. Ihr Heizwert beträgt pro Kilogramm etwa 4,9 Kilowattstunden (kWh) - so viel wie ein halber Liter Heizöl hat.

Verbreitung Der Anteil Erneuerbarer Energien beim Wärmeverbrauch liegt derzeit bei etwa 10 Prozent. Mehr als 80 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energiequellen stammt aus Holzfeuerungen. Hier wiederum werden zu 94 Prozent Scheitholz verbrannt, während der Anteil an Pellets nur 4 Prozent und der an Holzhackschnitzeln etwa 2 Prozent beträgt.

Bewertung Prinzipiell ist das Verbrennen von Biomasse, also auch Holz, umweltfreundlich, weil das verbrannte Holz nur so viel Kohlendioxid an die Umwelt abgibt, wie es zuvor beim Wachsen aufgenommen hat. Nicht vergessen werden darf aber das bei der Gewinnung, Aufbereitung und beim Transport an die Luft abgegebene Kohlendioxid.

Förderung Derzeit fördert die Bundesregierung die Umrüstung auf Pelletöfen mit bis zu 2500 Euro - allerdings jeweils nur bei einem Einbau in Gebäude, die bereits eine Heizungsanlage haben, nicht also bei Neubauten. bär

 
 
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