Beki Probst auf der Berlinale Die beste Besetzung

Katja Bauer, 07.02.2013 21:01 Uhr

Berlin - Beki Probst hat so viel Eleganz, dass es nicht ganz einfach ist, sie sich als junges Mädchen vorzustellen. Aber sie war mal eines, das ist sicher. Damals, im Istanbul der 40er oder 50er Jahre, bestand die größte Freude dieses Mädchens in den Samstagnachmittagen. Denn Samstag, das bedeutete Kino. Jede Woche ein neuer Film, eine neue Geschichte, ein neuer Held. Anschließend gab’s Profiteroles in der Konditorei auf der anderen Straßenseite.

Ich war an der Kasse, meine Schwiegermutter putzte das Kino und mein Mann stand im Vorführraum. Beki Probst über die schwierigen Anfänge in Bern

Das waren großartige Nachmittage. Mit einem kleinen Haken: „Ich habe dabei immer mehr Geld ausgegeben, als ich hatte“, sagt Beki Probst und hebt dabei in einer Andeutung von Resignation ihre geschwungenen Augenbrauen. Sie macht eine kurze Kunstpause und grinst ein bisschen, und man sieht ihr an, dass sie diese Geschichte gern erzählt – samt Pointe: „Da hat meine Mutter gesagt: Du musst später entweder einen Bäcker heiraten oder einen Kinobesitzer. Sie hatte eben Weitblick.“

Probst lacht ein tiefes, kehliges Lachen, und dabei streift sie die sechs schweren Diamantarmbänder an ihrem rechten Handgelenk zurück, als wären es Kinderperlenkettchen vom Souvenirladen am Strand. Aus dem kleinen Mädchen ist eine Grande Dame geworden – und die ist nicht nur Besitzerin einer Kinokette, sondern vor allem in den Tagen der Berlinale Herrin über mehr als 1000 Filme, die in 40 Kinos gezeigt werden. Seit 24 Jahren leitet Beki Probst den European Film Market der Berliner Filmfestspiele.

Das Museum wird Backoffice der großen Show

Sie hat aus einer unbedeutenden Messe eine der drei weltweit wichtigsten Filmbörsen gemacht – hinter dem American Film Market und dem Marché du film in Cannes nennen die Verleiher, Rechtehändler, Weltvertriebe mittlerweile Berlin. Und wer von ihnen Berlin sagt, der meint immer auch Beki Probst. 6000 Fachbesucher kommen aus der ganzen Welt hierher, 400 Firmen stellen aus und präsentieren dem Weltmarkt ihre neuen Produktionen. Vorne vor dem Berlinalepalast auf dem Potsdamer Platz gehen die Stars über den roten Teppich. Der ehrwürdige Martin-Gropius-Bau dahinter verwandelt sich in derselben Zeit vom Museum zum Backoffice der großen Show: Hier werden die Millionen verdient, hier entscheidet sich, ob ein Film einen Verleih findet, welche Streifen auf DVD laufen, und welche Nation wann bei welcher Fernsehserie mitfiebert.

Es ist einer dieser steingrauen Nachmittage im Berliner Winter, auf den Straßen splittert das Eis, und Probst ist aus ihrem Büro in ein Café nebenan geflüchtet. So habe sie mal ein bisschen Ruhe, sagt sie. Die Chefin des Marktes hat gerade das hinter sich, was sie in dem ihr eigenen Beki-Kosmo-Sprachgemisch als big challenge bezeichnet. Von dem andere aucune idée haben: das Programmieren der Marktvorführungen. Viele Stunden sitzt sie dann da, zusammen mit ein paar ihrer inzwischen 35 Mitarbeiter und entscheidet darüber, wann welche Weltpremiere für die Händler in welchem der inzwischen 40 über die ganze Hauptstadt verteilten Kinos zu sehen ist. Für jedes Kino gibt es einen großen Bogen Papier. Und darauf notiert Probst von Hand, wann wo welcher Film laufen soll. Sie kümmere sich um die großen Firmen, sagt Probst. „Es ist ein bisschen wahnsinnig. Alle wollen am Anfang, alle wollen um 11, und alle wollen um 15 Uhr.“

Sie versucht also, Prioritäten zu setzen und Wünsche zu berücksichtigen. „Die Leute realisieren nicht, dass es für sie selbst kontraproduktiv ist, alles auf die ersten drei Tage zu konzentrieren.“ Dann verschickt sie den Plan – und dann kommen ungefähr eine Million Mails mit Änderungswünschen. In dieser Phase steckt sie an diesem Nachmittag. Und atmet hörbar aus. „Es ist ja unmöglich, alles zu sehen. Die Leute haben noch Meetings zwischendurch. Alles muss schnell gehen, dazwischen kommen Telefonate, Mails, SMS, I don’t know how they do it.“