Benjamin von Stuckrad-Barre im Interview Upgrade in die zweite Reihe
Martin Weber, 09.02.2012 09:06 Uhr
Talk unterm Turm: der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre Foto: ZDF
Talk unterm Turm: der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre Foto: ZDF

Berlin - In Benjamin von Stuckrad-Barres Talkshow zeigen sich Würdenträger und Volksvertreter von einer Seite, wie sie es sonst nie tun würden. Am Donnerstag geht er wieder auf Sendung.


Herr Stuckrad-Barre, Sie haben am Drehbuch für den gerade gestarteten Kinofilm „Zettl“ mitgearbeitet, jetzt geht auch noch Ihre Late-Night-Show in eine neue Runde – ganz schön aufregend, oder?
Ja, ich bin immer wahnsinnig aufgeregt, auch wenn nix ist – und jetzt ist ja gerade ganz viel. Ich kann vor lauter Aufregung oder besser gesagt Aufgeregtheit gar nicht mehr papp sagen. Mein Grundzustand, der sowieso ein überspannter ist, steigert sich momentan zu maximaler Nervosität.

Sie schwitzen auch mal vor der Kamera.
Ich finde Schwitzen nicht so schlimm. Es ist zwar wahnsinnig unangenehm, aber wenn sichtbar ist, dass das Ganze anstrengend ist, dass da jemand kämpft, finde ich das eigentlich ganz unterhaltsam. Und überdies auch inhaltlich richtig, also angebracht zumindest. Ich bin halt nicht Kai Pflaume, der auch nach dreihundert Minuten Superquizshow noch aussieht, als käme er gerade mit Pfirsichhaut direkt aus der Garderobe. An so einem hinterlässt ja nichts Spuren, nicht einmal das Leben, geschweige denn so eine Sendung . (lacht) Bei mir ist das genaue Gegenteil der Fall. Die Begegnung mit Leuten löst etwas bei mir aus, und wenn man das auch sieht, finde ich das völlig in Ordnung.

Klingt souverän.
Es geht darum, eine Sendung offen zu gestalten, dafür zu sorgen, dass etwas passiert – beim Gast und beim Moderator. Das ist eine soziale Situation, in der man einander mag oder sich streitet oder lacht oder kurz davor ist, sich eine einzufangen. Darum geht es doch bei so einer Veranstaltung.

In der ersten Staffel hatten Sie meistens Politiker aus der zweiten Reihe zu Gast – bekannte Leute wie Hans-Christian Ströbele oder Wolfgang Bosbach, aber eben nicht die erste Garnitur. . .
Aber zu der zähle ich selbst ja schon gar nicht! Für mich ist doch die zweite Reihe schon ein absolutes Upgrade. (lacht) Es wäre natürlich toll, wenn die Kanzlerin mal käme. Wobei. . . also, ob das mit Frau Merkel unbedingt interessanter wäre, weiß ich gar nicht. Oft sind ja gerade die, die nicht in allererster Reihe stehen, auskunftsfreudiger und auch interessanter als die Schwergewichte, die sowieso überall sitzen und permanent dasselbe reden, egal, was man sie fragt. Vollprofis eben. Die anderen haben einfach nicht dieses ganz enge Korsett aus Vorgaben, was sie sagen dürfen und was nicht, sondern sie dürfen auch mal riskant sprechen und als Mensch sichtbar werden. Die Kanzlerin darf aber jederzeit kommen, vielleicht würde das gerade im Nichtgelingen spektakulär werden. Es wäre ein groteskes Bild, sie in meiner bescheidenen Sendung zu haben, und daran bin ich natürlich immer interessiert. (lacht)

Was würden Sie Frau Merkel denn fragen?
Ich hab sie schon mal was gefragt, als ich sie für eine Zeitungsreportage beim Wahlkampf begleitet habe. Und zwar habe ich sie zu ihrer typischen Handhaltung interviewt, sie bildet ja immer mit ihren Händen in Bauchnabelhöhe diese lustige Raute. Ich habe sie gefragt, warum sie das immer macht, und sie hat geantwortet: „Das bedeutet eigentlich gar nichts“ – eine geniale Antwort, wie ich finde. Dann hat sie es doch spezifiziert und erklärt, dass sie dadurch eine gerade Haltung bekommt, also aus orthopädischer Sicht. Die Merkel-Raute ist eine sinnvolle Stretchingübung, wenn man zum Beispiel lange am Schreibtisch gesessen hat.

Welcher Gast war Ihnen bisher der liebste?
Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber, der im Bademantel aufgetreten ist, war wirklich toll. Ich fand ihn sehr lustig und schlagfertig, und er ist bei aller Albernheit auf so eine wunderbar bayerische Art trotzdem er selber geblieben. Im Publikum saßen lauter junge Leute, die jetzt nicht unbedingt die größten Erwin-Huber-Fans waren, aber nach der Sendung haben sie ihm stehenden Applaus gespendet. Sehr gut fand ich auch Jorgo Chatzimarkakis von der FDP, der mit mir Karaoke gesungen hat.

Also sind Ihnen die, die sich zum Affen machen, am liebsten?
Ich würde überhaupt nicht sagen, dass die sich zum Affen machen, das erledige ich schon selbst. Mir sind die Gäste am liebsten, die wie eben Huber oder Chatzimarkakis mitspielen und sich nicht verweigern.
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