Benzinpreise An der Zapfsäule wird es billiger

dpa/kdo, 24.02.2012 18:28 Uhr

Stuttgart - Nach den Rekordwerten vom Mittwoch fallen die Spritpreise wieder. Superbenzin kostete am Freitag beim Marktführer Aral fünf Cent weniger als zwei Tage zuvor, Diesel gab sogar um 5,5 Cent nach. Für E10 wurden dem Unternehmen zufolge um 12.00 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 1,586 Euro fällig, für E5 1,616 und für Diesel 1,473 Euro. Der Spritpreis hatte bereits am Donnerstag nachgegeben, nun ging es weiter nach unten. Die Einkaufspreise hätten sich nicht verändert, sagte ein Aral-Sprecher. Hintergrund des Preisverfalls sei der „scharfe Preiswettbewerb.“ Dessen Existenz war in der Vergangenheit von Kritikern immer wieder angezweifelt worden.

Ob der Preistrend nach unten allerdings anhält, ist ungewiss. Schwankungen um mehrere Cent je Liter an einem einzigen Tag sind mittlerweile an den Tankstellen völlig normal. Und die Rahmenbedingungen für die Benzinpreise zeigen keinen Anlass zur Entwarnung. Die Ölpreise haben am Freitag ihren Aufwärtstrend der vergangenen Wochen fortgesetzt. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent knapp 124 Dollar und damit 15 Cent mehr als am Donnerstag. Am Donnerstag hatten die Ölpreise abermals stark zugelegt. In Euro gerechnet hatte der Brent-Preis sogar ein Rekordhoch von rund 93,5 Euro erreicht. Allein seit Anfang Februar sind die Ölpreise um über zehn Prozent gestiegen. Beim Heizöl schlug sich der hohe Rohölpreis zusammen mit der bitteren Kälte der vergangenen Wochen in Rekordhöhen ebenfalls nieder. Nach Angaben des Hamburger Fachdienstes EID kostete ein Liter Heizöl diese Woche im Bundesdurchschnitt rund 95 Cent. „So viel wie seit über dreieinhalb Jahren nicht mehr“, sagte EID-Chefredakteur Rainer Wiek.

„Es gibt einen gewissen Trend zu höheren Preisen.“

Die Benzinpreise hatten bereits in der vergangenen Woche Rekordwerte erreicht. Sie standen fast wie festgenagelt auf dem Rekordstand von 1,64 Euro für einen Liter E10 und 1,67 Euro für Superbenzin E5 mit fünf Prozent Ethanol. Wirtschaft und Verbraucher ächzten unter der Belastung. Und die Erdölerzeuger schlossen neue Kostensteigerungen nicht aus. „Es gibt einen gewissen Trend zu höheren Preisen“, sagte etwa der Vorsitzende des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), Gernot Kalkoffen mit Blick auf die weltweiten Rohölmärkte.

Das Preishoch ist nach Einschätzung des Hamburger Experten Steffen Bukold auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Bukold ist Leiter des Energie-Forschungsinstitutes Energy-Comment. „Die Versorgung der Märkte ist nicht so gut, wie es scheint“, sagte er. Trotz gestiegener Vorräte in den USA sei die Lage angespannt. Zudem habe sich die Spekulation an den Finanzmärkten verstärkt. Die Notenbanken in den USA und Europa fluten die Finanzmärkte mit Liquidität, die nach Anlage sucht. Das Geld gehe in Aktien, aber auch in Rohstoffe.

Spekulanten verstärkten den Trend

Allerlei Negativ-Nachrichten aus dem Iran, Libyen, Syrien, Nigeria und dem Sudan hätten die Attraktivität erhöht, auf steigende Preise zu setzen, meint Josef Auer, Branchenspezialist der Deutschen Bank Research im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung. „Sicherlich sind auch einige Spekulanten auf den steigenden Preistrend aufgesprungen, verstärken ihn somit“, sagt er. Aber diese Marktteilnehmer seien nicht der tiefere Grund für die aktuelle Preisexplosion, diese sei fundamental begründet. Auch die Euroschwäche verteure das ohnehin schon kostspielige Rohöl zusätzlich.

Der Analyst glaubt, dass die Zeit des billigen Öl und Benzins vorbei ist. „Unsere Kauf- und Investitionsentscheidungen in Bezug auf ein Auto oder eine Heizung sollten dies stärker gewichten als in den letzten Jahren“, sagt er. Wenn die Preise jetzt schon so stark steigen, gibt er zu bedenken, was werde dann passieren, wenn die Feriensaison in den USA mit einer weltweiten Konjunkturbesserung und einer möglichen Zuspitzung rund um den Krisenherd Iran zusammentreffen würde.