Beratung für Erfinder
Vom Erfolg überrollt
Helmut Merschmann,
05.09.2010 09:47 Uhr
Auf Ideensuche: die Berater Marijan Jordan (links) und Gerhard Muthenthaler. Foto: Erfinderladen
Berlin - Wem wäre dieses Schlüsselerlebnis nicht bekannt? Man eilt frühmorgens aus der Wohnung, hastet das Treppenhaus hinunter, steht an der Haustür und fragt sich, ob die Wohnungstür auch verriegelt wurde? Vergesslichkeit hin, Zerstreutheit her - die Ungewissheit verschwindet erst, wenn man sich auf den Weg zurück zur Wohnung macht und nachsieht. Was aber wäre, fragte sich Ingenieur Peter Petrkowsky, wenn einem der Schlüssel verriete, ob abgeschlossen wurde? Der Salzburger Tüftler entwickelte daraufhin eine auf einem Kugelmechanismus basierende Schlüsselkappe, die den Sperrzustand der Tür farblich anzeigt: bei Blau ist sie zu, bei Gelb nicht verriegelt.
Die Idee aus dem Jahr 2001 war clever und erfolgreich zugleich. 300.000-mal verkaufte sich die Schlüsselkappe in Baumärkten und Heimwerkerläden zum Stückpreis von 2,50 Euro. Vermarktet wurde das nützliche Utensil jedoch nicht vom Erfinder, sondern von der österreichischen Agentur Erfinder.at, die sich damals die Rechte gesichert und später weiterverkauft hat. "Erfindungsmarketing" nennt Marijan Jordan, einer der beiden Gründer, seinen Berufszweig. Die Palette an Aufgaben reicht von Ideenschutz und Patentanmeldung über Marktanalyse und Marketingkonzeption bis zum Businessplan und Lizenzverkauf.
Seit 13 Jahren beschäftigt sich Jordan mit den Geistesblitzen anderer. Zuerst in Salzburg, seit ein paar Jahren auch in Berlin. Unter der Webadresse Erfinderhaus.de sind alle Erfindungen versammelt, die das Vermarktungsportal für zündende Ideen anzubieten hat. 3.000 Mitglieder zählt das Portal, gegenwärtig sind dort über 700 Produkte vertreten. Die Mitglieder können ihre Erfindungen selbst einstellen und Fotos, Videos oder Patentschriften hochladen. Auf Knopfdruck kann man Marketing auf sozialen Netzwerken wie Facebook betreiben und alle dortigen Kontakte über die Erfindung informieren. Auf Wunsch kümmern sich die Betreiber vom Erfinderhaus auch um Lizenzverkäufe.
Oder sie stellen die Produkte zum Verkauf im eigenen Ladengeschäft, dem Erfinderladen im Prenzlauer Berg in Berlin aus, der Weihnachten vergangenen Jahres eröffnet hat. "Der Laden fungiert als ein Testmarkt", sagt Marijan Jordan, "wir sehen hier sehr schnell, für welche Produkte die Kunden ein Interesse entwickeln." So müsste etwa die absturzsichere Wickelkommode Juka-9 in der kinderreichen Gegend ein Verkaufsschlager werden. Sie ist neu im Sortiment, und der Clou daran sind die hochstellbaren Seitenwände, die es dem Baby unmöglich machen herunterzufallen. Später kann der gesamte Aufsatz demontiert werden - übrig bleibt eine schlichte weiße Kommode.
Eine weitere pfiffige Idee: der Schlafphasenwecker Axbo. Mittels einer Handmanschette misst das Gerät die Bewegungen des Schlafenden per RFID-Funk. Stellt man den Wecker auf 7.30 Uhr, klingelt er in einem Zeitraum von dreißig Minuten vor der eingestellten Weckzeit, wann immer die letzte Traumphase anhand der Bewegungen erkannt worden ist. Theoretisch soll man auf diese Weise besonders entspannt aufstehen können. Und falls man sich nicht genügend im Bett herumwälzt hat, ertönt die Klingel spätestens zur eingegebenen Zeit.
Der Erfinderladen will Erfinder beim Eintritt in den Massenmarkt unterstützen. Gelungen ist das bereits mit einigen Produkten. So kann man den Schlafphasenwecker auch in gängigen Online-Shops kaufen. Erfindungsmakler Marijan Jordan sagt, dass viele Produzenten die notwendigen Stückzahlen gar nicht liefern können und manchmal förmlich vom eigenen Erfolg überrollt werden. Aber dann besteht immer noch die Möglichkeit eines Lizenzverkaufs an einen professionellen Hersteller, der die Nachfrage am neuen Produkt bedienen kann.
Im Erfinderladen warten viele Überraschungen - manche praktikabel, manche verspielt. So lässt ein Zollstock mit einem magnetischen Klappscharnier jedes Handwerkerherz höher schlagen. Nun ist es möglich, den Zollstock an einer Wandecke festzukrallen und auf diese Weise exakter messen zu können. Steht man dabei auf einer Leiter, lassen sich heruntergefallene Schrauben dank Magneten leicht vom Boden aufsammeln. Ebenso praktisch: ein Zollstock mit integrierter Wasserwaage.
Verspielter dagegen sind die Minitrikots für die Tischkickermannschaft, die das Emblem des Lieblingsvereins oder der Nationalmannschaft tragen und während der letzten Fußball-Weltmeisterschaft ein Renner waren. Oder "Tea to go" - ein Teebeutel, der sich nach fünfminütigem Ziehen am Faden hochziehen und im Plastikdeckel verstauen lässt. Ebenfalls im Sortiment: clevere Verstecke. Wer etwas zu verheimlichen hat und Dinge vor den Augen anderer verstecken möchte, kann eigens präparierte aufschraubbare Schrauben oder Getränkedosen benutzen - Behältnisse, denen man nicht ansieht, dass sie ein geheimes Innenleben führen. Damit auch misstrauische Naturen nicht auf die Idee kommen, an ihnen herumzuschrauben, stimmt ihr Leergewicht mit dem Original überein.
www.erfinderladen-berlin.de »
Die Idee aus dem Jahr 2001 war clever und erfolgreich zugleich. 300.000-mal verkaufte sich die Schlüsselkappe in Baumärkten und Heimwerkerläden zum Stückpreis von 2,50 Euro. Vermarktet wurde das nützliche Utensil jedoch nicht vom Erfinder, sondern von der österreichischen Agentur Erfinder.at, die sich damals die Rechte gesichert und später weiterverkauft hat. "Erfindungsmarketing" nennt Marijan Jordan, einer der beiden Gründer, seinen Berufszweig. Die Palette an Aufgaben reicht von Ideenschutz und Patentanmeldung über Marktanalyse und Marketingkonzeption bis zum Businessplan und Lizenzverkauf.
"Der Laden fungiert als ein Testmarkt"
Seit 13 Jahren beschäftigt sich Jordan mit den Geistesblitzen anderer. Zuerst in Salzburg, seit ein paar Jahren auch in Berlin. Unter der Webadresse Erfinderhaus.de sind alle Erfindungen versammelt, die das Vermarktungsportal für zündende Ideen anzubieten hat. 3.000 Mitglieder zählt das Portal, gegenwärtig sind dort über 700 Produkte vertreten. Die Mitglieder können ihre Erfindungen selbst einstellen und Fotos, Videos oder Patentschriften hochladen. Auf Knopfdruck kann man Marketing auf sozialen Netzwerken wie Facebook betreiben und alle dortigen Kontakte über die Erfindung informieren. Auf Wunsch kümmern sich die Betreiber vom Erfinderhaus auch um Lizenzverkäufe.
Oder sie stellen die Produkte zum Verkauf im eigenen Ladengeschäft, dem Erfinderladen im Prenzlauer Berg in Berlin aus, der Weihnachten vergangenen Jahres eröffnet hat. "Der Laden fungiert als ein Testmarkt", sagt Marijan Jordan, "wir sehen hier sehr schnell, für welche Produkte die Kunden ein Interesse entwickeln." So müsste etwa die absturzsichere Wickelkommode Juka-9 in der kinderreichen Gegend ein Verkaufsschlager werden. Sie ist neu im Sortiment, und der Clou daran sind die hochstellbaren Seitenwände, die es dem Baby unmöglich machen herunterzufallen. Später kann der gesamte Aufsatz demontiert werden - übrig bleibt eine schlichte weiße Kommode.
Erfinder beim Eintritt in den Massenmarkt unterstützen
Eine weitere pfiffige Idee: der Schlafphasenwecker Axbo. Mittels einer Handmanschette misst das Gerät die Bewegungen des Schlafenden per RFID-Funk. Stellt man den Wecker auf 7.30 Uhr, klingelt er in einem Zeitraum von dreißig Minuten vor der eingestellten Weckzeit, wann immer die letzte Traumphase anhand der Bewegungen erkannt worden ist. Theoretisch soll man auf diese Weise besonders entspannt aufstehen können. Und falls man sich nicht genügend im Bett herumwälzt hat, ertönt die Klingel spätestens zur eingegebenen Zeit.
Der Erfinderladen will Erfinder beim Eintritt in den Massenmarkt unterstützen. Gelungen ist das bereits mit einigen Produkten. So kann man den Schlafphasenwecker auch in gängigen Online-Shops kaufen. Erfindungsmakler Marijan Jordan sagt, dass viele Produzenten die notwendigen Stückzahlen gar nicht liefern können und manchmal förmlich vom eigenen Erfolg überrollt werden. Aber dann besteht immer noch die Möglichkeit eines Lizenzverkaufs an einen professionellen Hersteller, der die Nachfrage am neuen Produkt bedienen kann.
Trikots für Tischkickerfiguren waren bei WM der Renner
Im Erfinderladen warten viele Überraschungen - manche praktikabel, manche verspielt. So lässt ein Zollstock mit einem magnetischen Klappscharnier jedes Handwerkerherz höher schlagen. Nun ist es möglich, den Zollstock an einer Wandecke festzukrallen und auf diese Weise exakter messen zu können. Steht man dabei auf einer Leiter, lassen sich heruntergefallene Schrauben dank Magneten leicht vom Boden aufsammeln. Ebenso praktisch: ein Zollstock mit integrierter Wasserwaage.
Verspielter dagegen sind die Minitrikots für die Tischkickermannschaft, die das Emblem des Lieblingsvereins oder der Nationalmannschaft tragen und während der letzten Fußball-Weltmeisterschaft ein Renner waren. Oder "Tea to go" - ein Teebeutel, der sich nach fünfminütigem Ziehen am Faden hochziehen und im Plastikdeckel verstauen lässt. Ebenfalls im Sortiment: clevere Verstecke. Wer etwas zu verheimlichen hat und Dinge vor den Augen anderer verstecken möchte, kann eigens präparierte aufschraubbare Schrauben oder Getränkedosen benutzen - Behältnisse, denen man nicht ansieht, dass sie ein geheimes Innenleben führen. Damit auch misstrauische Naturen nicht auf die Idee kommen, an ihnen herumzuschrauben, stimmt ihr Leergewicht mit dem Original überein.
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Ein einmalig informativer Artikel für das schwäbische Erfinderherz.