Berliner Fashion Week Start mit Haken und Ösen
Katja Bauer, 21.01.2010 11:31 Uhr
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 Foto: dpa
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Berlin - Berlin im Winter tut weh, das weiß jeder. Um diese Zeit ist die Stadt nicht viel mehr als eine Mischung aus Asphaltgrau und Schneematschbeige. Aber für eine Woche kommt auch ein bisschen Glitzer hinzu: Die Modewoche kommt in die Stadt, der Partykalender füllt sich. Die Zahl der Träger ausgefallener Kopfbedeckungen auf offener Straße wird unübersichtlich. Und selbst in Moabiter Hinterhöfen kann man junge Damen auf Gazellenbeinen eilig über Glatteis zu irgendeinem Modelcasting staksen sehen.

Die Modewoche begann am Dienstagabend in ihrer sechsten Auflage mit einer Wildwestparty, einer haken- und ösenreichen Dessousschau bei Minusgraden - und mit ein wenig Ärger. Eigentlich hat Berlin Grund zur Freude, denn der halbjährliche Modezirkus hat sich etabliert und bringt inzwischen 80.000 Besucher in die Stadt. Marken wie Boss, Lena Hoschek und Rena Lange zeigen sich ebenso wie Berliner Labels von Kaviar Gauche bis Kilian Kerner.

Die internationale Aufmerksamkeit wächst


Seit im vergangenen Sommer die international wichtige Streetwear-Messe Bread&Butter aus Barcelona zurück an die Spree gekommen ist, wächst auch die internationale Aufmerksamkeit. Insgesamt buhlen sechs Messen mit knapp 1000 Ausstellern um die Gunst der Einkäufer. Kern der Veranstaltung ist die Mercedes Benz Fashion Week, auf der 30 Designer ihre Kollektionen für den nächsten Winter präsentieren. Aber um deren Standort auf dem Bebelplatz ist nun ein politischer Streit entbrannt. Der Bebelplatz war 1933 Schauplatz für die Bücherverbrennung im Dritten Reich.

Seit 1994 erinnert ein Kunstwerk von Micha Ullman - eine unterirdische Bibliothek unter Glas - daran. In einem offenen Brief hatten der Ehrenbürger Edzard Reuter, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Lala Süskind, und die Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses, Monika Grütters (CDU), gefordert, der Platz müsse frei von "trivialisierenden Massenveranstaltungen" bleiben. Reuter war bis 1995 Chef beim Stuttgarter Autobauer, der Namensgeber der Fashionweek ist.

Die Suche nach einem neuen Standort


Die Fashionweek war nach ihrer ersten Auflage am Brandenburger Tor auf den Bebelplatz gezogen, und von Anfang an hatte es deshalb Diskussionen gegeben. Die Veranstalter hatten den Zugang zum Denkmal immer frei gehalten - die abgekordelte Fläche inmitten gestylter Models und aufgeregter Zuschauer wirkte allerdings bizarr. Nun suchen offenbar alle Beteiligten nach einem neuen Standort.

Auch in der Branche muss sich die Berliner Modewoche erneut mit Kritik auseinandersetzen. Der Designer Wolfgang Joop, der sein Label Wunderkind lieber in Paris präsentiert, sagte einem Onlinedienst, die Schauen in Berlin seien zu Medienveranstaltungen mit B-Prominenz mutiert, die sich nicht unbedingt für Mode interessierten. Ebenso wird der Zeitplan von manchen Fachleuten kritisiert - am Mittwoch gingen die Männermodenschauen in Mailand zu Ende, am Donnerstag beginnen sie in Paris. Auch wenn Berlin keine Konkurrenz für die etablierten Standorte sein kann, gilt die Stadt als Ort für Talente. Die kann aber nur suchen, wer nicht stattdessen nach Paris fliegen muss.
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