Sägen, feilen, bohren. Wenn die Berufe-Weltmeisterschaften stattfinden, geht es hoch her. So wie zuletzt in London, wo im Oktober die 41. Worldskills stattfanden. Erfolgreichster Deutscher ist in diesem Jahr Richard Schauer. Er hat die Goldmedaille gewonnen. Der 22-jährige Schreiner siegte in der Kategorie Möbelbauer. Mit seiner an den vier Wettkampftagen nach Vorgaben geschreinerten Vitrine holte der Rohrdorfer (Bayern) das einzige Gold für das Nationalteam. Jeweils Silber erkämpften sich Nils Michalik in der Kategorie Polymechanik und Johannes Fleischmann als Fliesenleger. Bronze ging an den Zimmerer Philipp Stich. Bei den Weltmeisterschaften wurden in 46 Berufen aus Industrie und Handwerk die Besten gekürt. 950 junge Talente aus mehr als 50 Ländern stritten um die Platzierungen. Deutschland war in London mit 26 Teilnehmern in 23 Disziplinen vertreten. Allerdings nur mit einer weiblichen Teilnehmerin: Restaurant-Fachfrau Regina Rager.
Wie alle Starter bekamen auch die sieben Teilnehmer aus Baden-Württemberg eine Aufgabe gestellt, die innerhalb der WM gelöst werden musste. Zimmerer Philipp Stich etwa baute eine Gartenlaube. Pläne, Material und Werkzeug wurden gestellt. Bis zur WM-Teilnahme durchliefen die Mitglieder der jeweiligen Nationalteams unterschiedlichste Regional- und Landesausscheidungen. Gerungen wurde unter anderem in Disziplinen wie Mechatronik, mobile Robotik, Industrieelektronik, Landschaftsgartenbau und Stuckateur-Arbeiten.
Rund 200 000 Besucher verfolgten die Worldskills-Wettbewerbe, deren Ursprung im Jahr 1950 liegt. Damals traten erstmals Spanier und Portugiesen in zwölf Berufen wie Maurer, Maler oder Floristin in Madrid gegeneinander an. 1953 kamen Deutschland, England, Marokko und die Schweiz hinzu. Heute findet der Wettbewerb alle zwei Jahre im olympischen Stil mit Fahneneinzug und Event-Charakter auf großen Messegeländen irgendwo auf der Welt statt. 2013 wird er in Leipzig ausgetragen.
Die Nase vorn haben in den zurückliegenden Wettkämpfen vor allem die Mannschaften aus Asien. Fast immer unter den Top Ten zu finden sind Teams aus Taiwan, Japan und Korea. Letztere bereiten ihre Teilnehmer allerdings auch zwei Jahre lang gezielt auf die Wettkämpfe vor. Ihre Stärke liege in technisch perfekt ausgearbeitetem Arbeitsablauf sowie in der Routine, erklärt Hubert Romer, Sprecher des Worldskills-Presseteams. Europäische Mannschaften seien hingegen in der Problemlösung besser, wenn es gelte, nicht nach Lehrbuch zu handeln. Hier sei die Schweiz oft unter den ersten drei Teams zu finden und daher besonders vorbildlich. Deutschland belegt einen Platz im vorderen Viertel. Obwohl das Team bei der vorangegangenen Meisterschaft in Calgary mehr Medaillen abräumen konnte, sind die Handwerker zufrieden. „Das Ergebnis ist für uns Ansporn für die Worldskills 2013 in Leipzig”, sagt Teamchefin Elfi Klumpp.
Wurde die Berufe-WM vor 50 Jahren aus Idealismus heraus ins Leben gerufen, damit sich Berufsstarter sportlich messen konnten, „so sind die Worldskills heute eine Talentschmiede, deren Teilnehmer im weiteren Berufsleben oft in Führungspositionen zu finden sind”, sagt Romer. Gesponsert werden die Wettkämpfe von Unternehmen wie Balluff, Festo, Lapp-Kabel, Schuler oder der Mediengruppe Konradin.


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>