Besen-Eishockey-Spiel in Fellbach Die Locken polieren die Glatzen

Von  

Die Locken polieren die Glatzen mit 2:1 – und die Freunde sammeln bei dem traditionellen Besen-Eishockey-Spiel 12 500 Euro für gute Zwecke.

Für den guten Zweck kommen 12 500 Euro zusammen. Foto: Eva Herschmann 9 Bilder
Für den guten Zweck kommen 12 500 Euro zusammen.Foto: Eva Herschmann

Fellbach - Vor dem Anstoß skandierten die Glatzen selbstbewusst und mehrstimmig: „Ha, Ha, Hattrick.“ Nach zwei Siegen in Folge beim Beseneishockey wollten sie den Locken zum dritten Mal das Fell bürsten. Doch die Haarigen polierten ihnen die Platten. Mit 2:1 gewann der SC Locke am Neujahrstag die 15. Auflage des Prestigeduells. Damit steht die Gesamtbilanz nun bei zehn Erfolgen für die Locken, vier für die Glatzen und einem Unentschieden. Die wahren Sieger sind aber alle die, die vom gesammelten Geld profitieren. 12 500 Euro sind bei der Benefizaktion zusammengekommen, davon gehen 500 Euro an die „Clowns mit Herzen“ und je 4000 Euro an die Aktion 6666 unserer Zeitung, den Freundeskreis für Flüchtlinge in Fellbach sowie den Verein der Freunde und Förderer der Fröbelschule.

Allein 1300 Euro werden als Münzen und Scheine in den Drittelpausen aufs Eis geworfen

„Ich glaube, dass ist das drittbeste Ergebnis, das wir jemals eingespielt haben“, sagte Siegfried Fleischmann, der Mannschaftssprecher der Locken und meinte damit nicht den haarscharfen Sieg seines Teams mit gerade mal einem Tor Vorsprung. Allein 1300 Euro seien als Münzen und Scheine in den Drittelpausen aufs Eis geworfen worden, und der Glühwein habe reißenden Absatz gefunden. „Die Besucher haben sagenhafte 340 Liter konsumiert.“ Der ebenfalls stattliche Restbetrag kam dank Spenden der Beteiligten und Sponsoren zusammen.

La-Ola-Wellen wogen durch die Zuschauermenge

La-Ola-Wellen wogten durch die Zuschauermenge als die Gladiatoren auf Straßenschuhen mit ihren Besen die eisige Arena betraten. Nach dem gemeinsam gesungenen Fellbach-Lied war es erst mal vorbei mit der Harmonie. Gleich im ersten Drittel zeigten beide Mannschaften, dass sie kein gutes Haar am anderen lassen wollten. Am Ende ärgerten sich die Glatzen, weil sie die Gelegenheit zum dritten Sieg in Folge nicht beim Schopf ergriffen hatten, und stattdessen wieder einmal die Locken jubelten.

„Unser Sieg ist eine Familienangelegenheit, der Freitag war für uns ein richtiger Frey-Tag“, sagte Fleischmann, der jahrelang als „Katze“ das Tor der Locken sauber gehalten hatte. Zum einen hat sein Team mit Lukas Frey, Spitzname LP, seinen würdigen Nachfolger zwischen den Pfosten gefunden, zum anderen erzielte dessen Vater, der Locken-Kapitän Klaus „Killer“ Frey, und sein Bruder Tim „Timlock“ Frey die Treffer für die mit Schopf.

„Den Hattrick wollten wir unbedingt verhindern, sonst hätten die die Nase dermaßen hoch getragen, das wäre arg gewesen. Jetzt ist alles wieder in der Reihe“, sagte Siegfried Fleischmann mit einem Augenzwinkern in Richtung der Männer mit breitem Scheitel.

Die Glatzen raufen sich die ohnehin nur spärlich vorhandenen Haare

Die Glatzen hingegen rauften sich derweil die ohnehin nur spärlich vorhandenen Haare. Denn beim Stand von 1:1 zu Beginn des dritten Drittels hatten sie den Führungstreffer auf dem Besen. „Es waren Kleinigkeiten, die uns den Sieg gekostet haben“, sagte Thomas „Tomba la Bomba“ Seibold, der Teamsprecher der Kahlköpfe. Torwart Frey habe sensationell gehoben. „Wie der da noch den Fuß hoch bekommen hat, das war ein Schlüsselerlebnis.“ Bei der gemeinsamen Nachfeier im Parkrestaurant des SV Fellbach hätten sie aber entschieden, die Niederlage mit Fassung zu tragen. Mehr Haare könnten sie deswegen nicht verlieren, Grau werden auch nicht. „Wenn ich im Bett gewesen, hätte ich vielleicht ins Kissen geheult, aber wir haben einfach so lange gefeiert, bis der Frust weg war“, sagte Seibold.