Bevölkerungsentwicklung Die Kinder der Häuslesbauer kehren zurück

Von  

Stuttgart hat im Jahr 2011 um gut 7100 Bürger zugelegt. Die Stadt wird jünger und internationaler. Der Zuzug aus dem Ausland, insbesondere aus Krisenländern Süd- und Südosteuropas, ist stark gestiegen.

Die Vorzüge der Stadt stehen bei der Wohnortwahl wieder höher im Kurs. Foto: Mierendorf
Die Vorzüge der Stadt stehen bei der Wohnortwahl wieder höher im Kurs.Foto: Mierendorf

Stuttgart - Stuttgart wächst wieder, im vergangenen Jahr sogar kräftig. Um 7100 Personen auf 573 000 hat die Zahl der Bewohner 2011 zugenommen – das ist ein Plus wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Der Zuwachs hat verschiedene Gründe: Der Zuzug aus dem Ausland, insbesondere aus Krisenländern Süd- und Südosteuropas, ist stark gestiegen. Und es zeigt sich, dass prosperierende Großstädte wie Stuttgart mit einem großen Arbeitsmarkt und einem breiten Bildungsangebot wieder an Attraktivität gewonnen haben. So hat sich das seit Jahrzehnten geltende Wanderungsmuster, dass die Kernstadt schrumpft und der äußere Speckgürtel des Großraums stark wächst, gedreht. Heute ziehen junge Erwachsene von dort, wo ihre Eltern das Häuschen im Grünen gebaut haben, zurück in die City.

Die Statistiker zeigen sich überrascht

Manchmal gibt es auch für einen erfahrenen Statistiker noch Überraschungen: „Das ist wirklich ein nennenswerter Zuwachs“, sagt Thomas Schwarz über den Anstieg der Einwohnerzahl. Über das Ergebnis einer Wanderungsanalyse innerhalb des Großraums stellt der Leiter des Statistischen Amts sogar fest: „Das ist erstaunlich – so deutlich haben wir das noch nie wahrgenommen.“ Aber der Reihe nach.

Wie jedes Jahr sind auch 2011 wieder Zigtausende nach Stuttgart gekommen oder weggezogen, rund 40 000 sind gegangen, aber 47 100 gekommen.

Zuzüge aus dem Ausland machen die Hälfte des Zuwachses aus

Etwa die Hälfte dieses positiven Saldos geht auf das Konto von Zuzügen aus dem Ausland, die um knapp 3600 über den Abwanderungen lagen. Einen vergleichbar hohen Wanderungsgewinn aus anderen Ländern hat es zuletzt Anfang der 90er Jahre gegeben, als viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, Migranten aus Osteuropa und Spätaussiedler nach Stuttgart gekommen sind.

Jetzt ist es die Schuldenkrise in den Ländern Süd- und Südosteuropas und die dort grassierende Arbeitslosigkeit, welche die Menschen hierher treibt. Dass recht viele Griechen in die Landeshauptstadt gekommen sind, begründet Thomas Schwarz mit einem klassischen Migrationsmuster: man gehe dorthin, wo man „Anknüpfungspunkte und eine Anlaufstation“ habe, und dies sei eben in Stuttgart der Fall, einer „Hochburg der griechischen Staatsbürger in Deutschland“. Die Zahlen für zugewanderte Menschen aus Rumänien und Bulgarien erklärt sich Schwarz mit einem „Vorgriff“ auf die erst in zwei Jahren geltendende volle Personenfreizügigkeit für Bürger aus diesen Ländern, wie sie Polen und Ungarn jetzt schon haben. Dass Indien und die USA unter den Ländern mit den meisten Zuzügen nach Stuttgart sind, sei ein Ausdruck der wachsenden Verflechtung in der globalen Wirtschaft.