Bewährung für Grapscher am Lehrerpult

Von "Leonberger Kreiszeitung" 

Besigheim Der Grund- und Hauptschullehrer hat Schülerinnenmissbraucht. Von Melanie Braun

Besigheim Der Grund- und Hauptschullehrer hat Schülerinnenmissbraucht. Von Melanie Braun

Leicht hatte es das Gericht nicht: Vage Aussagen, widersprüchliche Erklärungen und Erinnerungslücken einiger Zeugen gestalteten die Beweisaufnahme des Jugendschöffengerichts Heilbronn schwierig. Fast 20 Personen wurden an insgesamt drei Prozesstagen vernommen, bis das Gericht es gestern als erwiesen ansah, dass der inzwischen pensionierte Lehrer einer Grund- und Hauptschule in Bietigheim-Bissingen eine minderjährige Schülerin sexuell missbraucht hat. Der Besigheimer wurde zu zehn Monaten Haft auf Bewährung sowie zu 3000 Euro Bußgeld verurteilt.

In diesem Fall hatte der Lehrer eine heute 13-Jährige im Dezember 2009 mit beiden Händen auf Höhe der Brüste angefasst und geschüttelt - für das Gericht eine eindeutig sexuelle Handlung an dem Kind, das als Schülerin noch dazu eine Schutzbefohlene des Pädagogen war. In den beiden weiteren Fällen, in denen der Besigheimer des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Schutzbefohlenen angeklagt war, wurde er gestern frei gesprochen.

Allerdings nicht, weil das Gericht ihn für unschuldig hielt: An den Aussagen der beiden betroffenen Mädchen habe man keine Zweifel, betonte der Richter. "Das Gericht ist überzeugt, dass die Übergriffe stattgefunden haben." Und diese seien "schlichtweg eine Ungehörigkeit" gewesen, stellte er klar. Doch seien sie strafrechtlich nicht relevant, weil nicht "erheblich" genug, wie es im Rechtsjargon heißt.

Beide Mädchen sowie weitere Zeugen hatten berichtet, dass der Lehrer sie im Unterricht, kurz davor oder danach betatscht habe. Vorne an der Tafel habe er sie an der Hüfte umarmt und an sich gezogen, sollte er ihnen etwas im Heft zeigen, habe er dabei wie zufällig die Hand über ihre Brust streifen lassen und nach Unterrichtsschluss habe er oft plötzlich hinter ihnen gestanden und sie ans Gesäß gefasst. Auch von sexistischen Äußerungen des Lehrers sprachen mehrere Zeugen.

Der Angeklagte selbst betonte jedoch: "Ich bleibe dabei, dass ich die Sachen so nicht gemacht habe." Sein Verteidiger dagegen stützte sich vor allem auf die strafrechtliche Relevanz: "Ich behaupte nicht einmal, dass die Zeuginnen gelogen haben", sagte er. Wenn ein Lehrer einer Schülerin auf den Hintern klatsche, sei das "sicher nicht in Ordnung, aber sicher auch nicht strafbar". Zumal dieser Fall mit einem "gerüttelt Maß an Hysterie" aufgebauscht worden sei. Die Mädchen seien zum Zeitpunkt der Übergriffe in der Pubertät gewesen und hätten die Berührungen wohl sehr intensiv erlebt. Im Rückblick aber habe manch eine Zeugin die Vorfälle als "doch nicht so schlimm" bewertet.

Der Staatsanwalt warnte jedoch vor einer Bagatellisierung. Und betonte, dass für eine Verschwörung der Mädchen, die zu Beginn des Prozesses zumindest nicht ausgeschlossen worden war, nichts spreche. Daher plädierte er für ein Jahr und sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung - damit wären möglicherweise die Pensionsansprüche des Lehrers in Gefahr gewesen.