Bienenzucht Stuttgart-Nord 800 000 Arbeiterinnen für die Wilhelma

Von Eva Funke 

Der zoologische Garten steigt in die natürliche Honigproduktion ein. Für 8,80 Euro soll es ein Glas des reinen Naturproduktes geben.

Neun von insgesamt 14 Bienenstöcken stehen  im Rosensteinpark. Im kommenden Jahr sollen die Bienen Honig für die Wilhelma liefern. Foto: Eva Funke/dpa
Neun von insgesamt 14 Bienenstöcken stehen im Rosensteinpark. Im kommenden Jahr sollen die Bienen Honig für die Wilhelma liefern. Foto: Eva Funke/dpa

S-Nord - Angefangen hat alles auf der Wiese bei der Alten Meierei gegenüber vom Naturkundemuseum am Löwentor im Stuttgarter Norden. Dort blühen Wildblumen wie Schafgarbe, Klee und Disteln, und es duften Wildkräuter. Die Schmetterlingswiese haben die Wilhelmagärtner zusammen mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) angelegt.

Ein paar Schritte entfernt sind jetzt noch zwei weitere Wiesen dazu gekommen, die für Schmetterlingen zum Paradies mitten in der Stadt werden sollen. „Dort wird nichts gemacht, außer zweimal im Jahr gemäht“, sagt Kathrin Stuba. Die 37-Jährige ist Bereichsleiterin für Sondergärten und den Rosensteinpark und damit auch zuständig für die Schmetterlinge in ihrem Revier – und jetzt auch für die Bienen dort. Denn ein Nebeneffekt ist, dass die Wildblumen auch Hummeln, Honig- und Wildbienen anlocken. Und das macht sich die Wilhelma mit ihrem Bienenprojekt zunutze.

Die Bienen bauen ihre Waben selbst

Dabei arbeitet der Zoologisch-Botanische Garten eng mit Summtgart zusammen. Die Demeter zertifizierte Imkerei hat im Frühjahr sechs Bienenstöcke in der Wilhelma aufgestellt. „Wei die Zoobesucher dort etwas über Bienen erfahren, erfüllen wir unseren Bildungsauftrag ein Stück weit“, sagt Stuba. Und da Bienen die Schmetterlings- und Futterwiesen der Wilhelma im Rosensteinpark dankbar annehmen, hat Summtgart auch dort mittlerweile 14 Bienenstöcke aufgestellt, gesichert durch einen Zaun, damit die Völker nicht wie in Bad Cannstatt gestohlen werden, wo sechs Stöcke verschwunden sind. Das Besondere an den Bienenstöcken von Summtgart: Die Bienen bekommen nicht wie üblich, vorgefertigte Wachswaben, sondern bauen ihre Waben selbst. Außerdem dürfen die Völker 80 Prozent ihrer Ware behalten. „Dadurch muss kaum Zucker zugefüttert werden, allerdings fällt der Ertrag mit nur einem Drittel der herkömmlichen Menge sehr viel dürftiger aus.

Die Honigproduktion der Wilhelma-Bienen und ihrer Kolleginnen im Rosensteinpark ist noch im Entwicklungsstadium. Da die Wilhelma-Bienen erst nach Pfingsten in den Zoo gezogen sind, ist von ihnen nur Sommerhonig zu erwarten. „Wir haben etwa 350 Gläser zu je 200 Gramm“, sagt Stuba. Die sollen verschenkt werden, da sich der Verkauf noch nicht lohnt. Im Rosensteinpark leben die Bienen erst seit kurzer Zeit, sodass sie in diesem Jahr noch nicht liefern müssen.

Summtgart verkauft das Glas für 8,80. Euro

Doch wenn im nächsten Jahr die Park-Bienen die Produktion aufnehmen, erwartet der Bienenexperte Tobias Miltenberger von den insgesamt 800 000 Einwohnern in 20 Bienenstöcken rund 300 Kilogramm Honig, die in 1500 Gläser abgefüllt werden. „Die können dann als besonderes Mitbringsel im Wilhelma-Laden gekauft werden“, sagt Stuba und freut sich schon auf das neue Produkt. Der Preis steht noch nicht fest. Summtgart verkauft das Glas für 8,80. Euro. „Unser Honig wird nicht wärmebehandelt, und es kommen auch keine Zusatzstoffe rein“, versichert Miltenberger und verspricht die gleiche Qualität für den Wilhelma-Honig.

Während die Bienen fleißig schaffen, dürfen die Schmetterlinge einfach so in den Tag hinein leben. Dass weitere Flächen nötig sind, um sie zu schützen, macht die Erhebung des BUND deutlich. Obwohl auf den Projektflächen die Artenvielfalt und auch Stückzahl höher sei als auf Vergleichsflächen, sei sie auch auf den Projektflächen leicht zurückgegangen, stellt Stuba fest.

Ergeben haben das die Erhebungen der ehrenamtlichen BUND- Mitarbeiter. Die gehen in den Wiesen regelmäßig die gleichen Wege ab und zählen Hauhechelbläulinge, Ochsenaugen Kohlweißlinge und Wiesenvögelchen. Insgesamt konnten auf allen Wiesen 20 Arten nachgewiesen werden .

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