Bietigheim-Bissingen Zoff um die Zauneidechse

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Der BUND kritisiert die Stadt Bietigheim-Bissingen, den Kreis und das Land: Das Naturschutzrecht werde nicht eingehalten.

Das Hochhaus Sky wächst immer weiter. Der BUND kritisiert jedoch, dass durch die Baustelle streng geschützte Zauneidechsen vernichtet wurden. Foto: factum/Granville
Das Hochhaus Sky wächst immer weiter. Der BUND kritisiert jedoch, dass durch die Baustelle streng geschützte Zauneidechsen vernichtet wurden.Foto: factum/Granville

Bietigheim-Bissingen - Die Zauneidechsen, um die es geht, sind vermutlich längst tot. Das zumindest glaubt Stefan Flaig, der Ludwigsburger Kreischef und stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Dennoch kämpft er dafür, dass die Behörden Fehler einräumen, die aus seiner Sicht zur Vernichtung streng geschützter Eidechsen in Bietigheim-Bissingen geführt haben. Nun greift er das Ministerium für ländlichen Raum in einem offenen Brief an. Doch Stadt, Kreis und Land sind fest davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben.

Konkret geht es vor allem um das Gelände nahe des Bietigheimer Bahnhofs, auf dem derzeit das neue Hochhaus Sky entsteht. Dort waren 2013, etwa ein Jahr vor Baubeginn, zwei Zauneidechsen gesichtet worden. Diese Reptilien sind streng geschützt, deshalb darf ihr Lebensraum nicht zerstört werden. Um zu untersuchen, ob sich die Tiere langfristig auf dem Gelände aufhalten, ließ die Stadt Bietigheim-Bissingen ein Gutachten erstellen. Unter anderem wurde die Fläche im Herbst 2013 und im vorigen Frühjahr erneut untersucht, dabei wurden jedoch keine Exemplare mehr gesichtet.

Die Stadt sieht sich voll im Recht

Das Gutachten habe letztlich ergeben, dass es zwar Zauneidechsen gebe, diese aber auf dem nahe gelegenen Bahndamm lebten, erklärt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Damit sei der Weg frei gewesen für den Bau des Hochhauses – und im Übrigen ebenso für die Einrichtung des Beach-Clubs auf dem Gelände von Bigpark, das ebenfalls auf die Reptilien untersucht worden sei.

Das sieht Stefan Flaig jedoch anders. Er ist überzeugt davon, dass die Untersuchungen und das Gutachten methodisch fehlerhaft gewesen seien. Denn zum einen seien die Flächen teils bei Witterungen untersucht worden, bei denen üblicherweise keine Zauneidechsen zu sehen sind. Zum anderen sei vor der Begehung im Mai der Lebensraum der Tiere durch Pflegemaßnahmen bereits zerstört worden – es sei logisch, dass keine Exemplare mehr zu sehen gewesen seien.

Dies habe er bereits kurz nach den Untersuchungen moniert, sagt Flaig: erst beim Landratsamt, dann beim Regierungspräsidium und schließlich beim Ministerium für ländlichen Raum (MLR). Doch die Behörden hätten sich stets nur die Angaben der jeweils untergeordneten Ebene besorgt und diese bestätigt, die Sache aber nie unabhängig geprüft.

BUND will auf Missstände in der Verwaltung hinweisen

Angesichts dieser Tatsache habe sich für ihn nun der konkrete Fall vernichteter Eidechsen in ein Beispiel für mangelhaftes Verwaltungshandeln gewandelt. „Obwohl deutlich dem Naturschutzgesetz zuwider gehandelt wurde, passiert gar nichts“, kritisiert Flaig. „Sieht so die Verantwortung des Landes für den Naturschutz aus?“ Mit seinem Schreiben wolle er auf diesen Missstand hinweisen, damit das Ministerium für ländlichen Raum künftig kontrolliere, ob naturschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Denn sonst könne man derlei Regelungen „auch grad bleiben lassen“.

Beim MLR selbst will man sich noch nicht zu den Vorwürfen äußern: Man arbeite an einer Stellungnahme, teilt der Sprecher Ulrich Arzberger mit. Er verweist allerdings auf ein Schreiben, mit dem das Ministerium im Dezember bereits auf frühere Hinweise von Flaig reagiert hatte. Darin wurde mitgeteilt, dass auch nach einer erneuten Prüfung des Sachverhalts keine Anhaltspunkte dafür festgestellt werden konnten, dass gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen worden sei. Es sei also kein Fehlverhalten der Stadt Bietigheim-Bissingen oder des Landratsamtes Ludwigsburg erkennbar, auch die Wahl des Gutachters oder seine Vorgehensweise seien nicht zu beanstanden. Man gehe davon aus, dass die Eidechsen nicht mehr auf die fragliche Fläche zurückgekehrt seien, weil man eigens einen Zaun errichtet habe, um sie davon abzuhalten. Allerdings behauptet Flaig, diesen Zaun habe es nie gegeben.