Big Brother Award Überwachter Wasserspender

Chr. Schulzki-Haddouti, 13.04.2012 21:14 Uhr

Stuttgart - Wasser ist kein Gut mehr, das man sich einfach am nächsten Trinkhahn abfüllt, zumindest nicht an Schulen, die Wasserspender der Firma Brita aufstellen. Gegen eine Gebühr von einem Euro am Tag dürfen Schulkinder das sogenannte „Schoolwater“ mit einer speziellen Flasche abzapfen. Diese Flasche kostet einmalig zwischen drei und sechs Euro und ist mit einem Funkchip verwanzt. Der Chip regelt, dass die Kinder erst nach zehn Minuten wieder neues Wasser holen können. Die Firma schließt die Wasserverteiler an die städtische Wasserleitung an, stellt die Chipflasche bereit und kommt zweimal im Jahr zur Wartung. Das finden nicht alle gut: „Aus einer Schule, oder genauer von den Eltern, auf diese Weise jährlich zwischen zehn- und dreißigtausend Euro herauszupressen, damit Kinder Wasser trinken können – das muss nicht sein, und das darf nicht sein“, sagt der Netzaktivist „padeluun“ vom Bielefelder Bürgerrechts- und Datenschutzverein FoeBud.

Der Verein verleiht jährlich zusammen mit einigen Bürgerrechts- und Netzorganisationen den Big Brother Award für die gröbsten Verstöße gegen den Datenschutz. In diesem Jahr erhält ihn die Firma Brita für ihre „übertechnisierten“ und „bevormundenden“ Trinkwasserverteilanlagen. Bundesweit setzen schon 35 Schulen auf das System, 16 davon in Baden-Württemberg. Bedenken hätten die Eltern bisher nicht geäußert, so Brita-Geschäftsführer Oliver Maier. Dafür hätte es aber auch keinen Anlass gegeben: „Weder in den Informationsbroschüren noch auf der Website von Schoolwater gibt es Hinweise auf die Schnüffelchips“, hat „padeluun“ festgestellt.

Zu den anderen Preisträgern zählen die Firma Bofrost, die für die Ausforschung von Betriebsratscomputern geehrt wird, sowie der Spielehersteller Blizzard Entertainment, der den Award für die Überwachungsfunktionen in seinen Online-Spielen wie „World of Warcraft“ erhält. Für die Ausforschung ­Zehntausender von Handynutzern bekommt der sächsische Innenminister Markus Ulbig den Negativpreis, ebenso wird Bun­desinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dafür ausgezeichnet, dass Polizei, Geheimdienste und Militär zunehmend Daten untereinander austauschen dürfen.