Die Fernzüge der Deutschen Bahn könnten eines Tages sogar bis an das Mittelmeer fahren. Foto: AP
Berlin - Premiere für den ICE3: Der modernste deutsche Zug soll im Oktober erstmals testweise durch den Kanaltunnel nach London fahren. Bahn-Chef Rüdiger Grube sieht das zweitgrößte Transportunternehmen der Welt trotz der massiven Qualitätsprobleme mit Klimaanlagen und Achsen auf gutem Kurs. Der Halbjahresgewinn des Staatskonzerns hat sich vor Steuern jedoch fast halbiert.
Test-ICE fährt nach England
Nach langem Drängen und vielen Protesten hat sich die Deutsche Bahn durchgesetzt. In der zweiten Oktoberhälfte werde erstmals ein ICE durch den Eurotunnel auf die Britische Insel fahren, verkündete Grube auf der Halbjahrespressekonferenz in Berlin. Mit dem Testzug sollen Sicherheits- und Brandschutzfragen geklärt werden, die bisher die Durchfahrt verhindern.
Damit kann der Konzern in absehbarer Zeit womöglich eigene direkte und schnelle Zugverbindungen nach Großbritannien anbieten. Der ICE fährt bereits bis Brüssel und Paris. Grenzüberschreitende Direktverbindungen werden durch die Freigabe des Wettbewerbs auf der Schiene im gemeinsamen Europa zunehmend möglich.
Die privaten Betreiber des Kanaltunnels verweigern dem ICE die Durchfahrt seit Jahren. Als Grund werden die strengen Sicherheitsvorgaben genannt, die unter anderem verlangen, dass die Züge im Rettungsfall durchgehend begehbar sind. Das ist beim ICE 3 nicht möglich, da bei diesem Modell je zwei Halbzüge von 200 Meter Länge aneinandergekoppelt werden. Der ICE fährt seit Jahren allerdings problemlos unter anderem durch viele Alpentunnel in der Schweiz.
Grube hält am Expansionskurs fest
Die Bahn sieht in der Ablehnung daher ein vorgeschobenes Argument, um mehr Konkurrenz auf der Strecke zu verhindern. Der Vorwurf richtet sich vor allem gegen die französische Staatsbahn SNCF, deren Tochter Eurostar bisher den Verkehr durch den Kanaltunnel dominiert. Inzwischen sei man aber in Gesprächen mit der SNCF "ein großes Stück vorangekommen", betont Grube. Die Bahn hofft zudem, in absehbarer Zeit mit dem ICE bis an die Mittelmeerküste Frankreichs fahren zu können.
Am Expansionskurs des Staatskonzerns, der weiterhin einen späteren Börsengang anpeilt, hält Grube fest. Die Übernahme des britischen Rivalen Arriva für rund drei Milliarden Euro soll demnächst abgeschlossen werden. Eine Beteiligung bei der russischen Staatsbahn, die Moskau privatisieren will, sei dagegen nicht geplant, betont der Bahn-Chef. Bereits durch den Arriva-Kauf steigen die Schulden des Konzerns von brutto 17,6 Milliarden Euro nochmals massiv an.
Der überraschend starke und schnelle Aufschwung bringt dem Transportriesen kräftigen Rückenwind. Nach den Umsatz-und Ertragsrückgängen in der Wirtschaftskrise stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Der Konzernumsatz soll dieses Jahr um ein zehn Prozent auf 32 Milliarden Euro klettern. Vor allem das Fracht- und Logistikgeschäft wächst stark. Das operative Ergebnis der Bahn verbesserte sich dadurch im ersten Halbjahr um ein Viertel auf 1,16 Milliarden Euro, der Umsatz stieg um ein Achtel auf 16,1 Milliarden Euro. Unterm Strich allerdings sieht es viel weniger erfreulich aus. Vor einem Jahr nämlich konnte der Konzern noch hohe Sondergewinne aus Immobilienverkäufen beim Großprojekt Stuttgart 21 von mehr als einer halben Milliarde Euro verbuchen.
Qualitätsprobleme kosten die Bahn viel Geld
Dieser Effekt fällt nun weg, weshalb der Vorsteuergewinn der Bahn sich auf 369 Millionen Euro halbierte. Auch unterm Strich fällt der Überschuss per Ende Juni mit 392 Millionen Euro um ein Drittel geringer aus, als dies in der vorangegangenen Berichtsperiode der Fall war.
Die großen Qualitätsprobleme kosten den Konzern viel Geld. Allein bei der S-Bahn Berlin schlagen die Radmängel im ersten Halbjahr mit 70 Millionen Euro Belastungen zu Buche, die Tochterfirma fuhr bis Ende Juni 40 Millionen Euro operativen Verlust ein. Bei den problematischen Klimaanlagen der ICE-2-Flotte soll es vorerst keinen Komplettaustausch geben. Mit einem Fünfpunkteplan will die Bahn aber den Betrieb und die Energieversorgung der Klimaanlagen verbessern. Grube kündigte zudem eine "Qualitätsoffensive" an, zu der auch bessere Informationen an Bahnhöfen gehören sollen.
Beinhaltet diese Qualitätsoffensive an den Bahnhöfen dann eine Einführung für den Kauf von Fahrscheinen an Ticketautomaten für Rentner (kürzlich beobachtet)= (mit dem Ziel irgendwann alle von Mitarbeitern besetzten Verkaufsstationen zu schließen)? Wollte heute ein Zugticket kaufen von Berlin nach Stuttgart, Freitag im September hin, Montag zurück. Der Preis für zwei Erwachsene ohne BahnCard sage und schreibe 384Euro in der 1.Klasse (Sparpreis). Fliegen ist billiger. Was ist das für eine Logik? Aber Hauptsache wieder ein marodes Unternehmen übernommen. Die Bahn ist Gott sei dank noch nicht vollständig privatisiert! Hoffentlich bleibt das auch so.
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