Bildung Das abgehängte Geschlecht
Thomas Maron, 27.08.2010 20:17 Uhr
Jungen lesen in der Regel schlechter als Mädchen. Foto: dpa
Jungen lesen in der Regel schlechter als Mädchen. Foto: dpa
Stuttgart - Nicht erst die schwarz-gelbe Koalition hat unter der Federführung von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) das Thema "Jungen und Männerpolitik" für sich entdeckt. Schon Schröders Vorgängerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte angemahnt, die Jungs verstärkt in den Blick zu nehmen. Schwarz-Gelb vereinbarte schließlich im Koalitionsvertrag einen neuen Schwerpunkt auf diesem Gebiet. Man wolle "eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik entwickeln und bereits bestehende Projekte für Jungen und junge Männer fortführen und intensivieren". Seitdem ist aber noch wenig geschehen. Mal abgesehen von der Einrichtung eines eigenen Referats im Familienministerium für dieses Thema. Im Herbst soll Bewegung in die Angelegenheit kommen.

Die Wissenschaft bestätigt, dass Jungen häufiger als Mädchen zu den Bildungsverlierern zählen. Sie lesen in der Regel schlechter als Mädchen, rechnen dafür allerdings im Schnitt besser. In seinem Jahresgutachten 2009, herausgegeben von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, kommt der Aktionsrat Bildung zu dem Ergebnis, dass fast sechs Prozent der Jungen und lediglich 3,5 Prozent der Mädchen verspätet eingeschult werden. 58 Prozent mehr Mädchen als Jungen werden früher eingeschult. An Sonder- und Förderschulen beträgt der Anteil an Jungen 61 Prozent. Fast doppelt so viele Jungen wie Mädchen verlassen ohne Abschluss die Schule. Zwar ist die Zahl der Übertritte aufs Gymnasium annähernd gleich, aber den Jungen mangelt es häufiger am Durchhaltevermögen. Bundesweit zählen die Statistiker 33 Prozent mehr Abiturientinnen als Abiturienten. Das Risiko zu scheitern oder abgehängt zu werden ist also relativ groß, und es vergrößert sich weiter, wenn Jungs einer schwierigen sozialen Schicht angehören oder einen Migrationshintergrund haben.

Umstritten ist aber die These, dass die geringe Anzahl an männlichem Personal an Kindergärten und Grundschulen den Jungen das Leben schwerer und deren Leistungen schlechter macht. "Diese These ist sehr populär, bisher aber nicht belegt, denn es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die diesen Zusammenhang belegen können", urteilte das Familienministerium, als es noch unter der Führung von der Leyens stand. Allerdings seien schon "Effekte auf die Identitätsentwicklung" zu erwarten, übrigens auch bei Mädchen, die nicht minder auf männliche Bezugspersonen angewiesen seien. Das Missverhältnis ist in der Tat eklatant.

Nur 3,2 Prozent des pädagogischen Personals in Kindergärten sind Männer, in Ostdeutschland sind es sogar nur 1,5 Prozent. An den Grundschulen sind rund zwölf Prozent des Lehrpersonals in Deutschland Männer, an Gymnasien immerhin 46,5 Prozent.
Kommentare (3)
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AUG
29
kizushi, 01:03 Uhr

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Der Unterschied zwischen Mädchen erfolgreich in der Schule und Jungs erfolgreich im Berufsleben könnte aber auch einfach daran liegen, dass das Schulsystem andere Schwerpunkte setzt, aus Sicht der Unternehmen also nicht wirtschaftsgerecht ausbildet und sich die Unterschiede dann in Ausbildung und Berufsleben wieder "normalisieren".

AUG
28
Käpt´n Blaubär, 19:31 Uhr

@ wenns sonst nix zu tun gibt

Und die von Ihnen genannten Umstände rechtfertigen Ihrer Meinung nach den Umstand, dass Jungs gezielt benachteiligt werden? Bedingt durch den sehr Frauenlastigen Pädagogenanteil im Kindergarten- und Grundschulbereich. Im übrigen ist Ihre Argumentation polemoisch: Die Führungsetagen in Wirtschaft und Politik werden vornehmlich von Eliten besetzt, die Ihren Nachwuchs von Anfang an ein anderes Unterrichtsmodell einbinden. Die kommen von Anfang an nicht mit dem staatlichen Schulsystem in Berührung. Das Frauen nachweislich in technischen Berufen schlechter vertreten sind, liegt ja nun bewiesenermaßen daran, dass sie naturgemäß im rechnerischen Bereich weniger Fähigkeiten haben. Das ist keine Wertung, dass ist so. Und zum Abschluss: Diese Land besteht nicht nur aus Abiturienten und Akademikern auch wenn die Quote der Akas mittlerweile 40% beträgt (Tendenz steigend), die überwiegende Anzahl durchläuft die duale Ausbildung. Und in dieser gibt es ja nun wahrlich genügend Genderansätze..

AUG
28
wenns sonst nix zu tun gibt, 18:59 Uhr

im Familienministerium

Trotzdem, in den Führungsetagen sitzen dann später die Männer, obwohl die Mädchen bis zum Studium oftmals bessere Ergebnisse erzielen (mal abgesehn von den Naturwissenschaften). Frauen verdienen immer noch weniger, Frauen sind häufiger von Armut betroffen, wofür jetzt also ein eigenes Referat. Übrigens bekommen Jungen auch viel öfter und viel früher irgendwelche Spielecomputer. Das geht schon im Kindergarten los. Kein Wunder also, dass sie weniger lesen.