Bildung in den Bezirken „Die gute Anbindung hat uns gerettet“

Von Claudia Leihenseder und  

Die Bezirksbeiräte der oberen Neckarvororte haben über den Schulentwicklungsplan diskutiert. Insbesondere in Hedelfingen regt sich Unmut.

Zwei von drei Werkrealschulen in den oberen Neckarvororten sollen geschlossen werden. Foto: dpa
Zwei von drei Werkrealschulen in den oberen Neckarvororten sollen geschlossen werden. Foto: dpa

Obere Neckarvororte - Jetzt haben es die Bezirksbeiräte aus Hedelfingen schwarz auf weiß. Der Werkrealschulzweig der Steinenbergschule wird spätestens bis zum Schuljahr 2017/18 aufgelöst. Bereits ab dem Schuljahr 2013/14 soll die Schule keine Fünftklässler mehr aufnehmen – so vorgesehen im Schulentwicklungsplan der Stadt, der am 31. Januar 2013 im Gemeinderat verabschiedet werden soll.

Die Entscheidung trifft den Stadtbezirk nicht unvorbereitet. Schon lange wird über die Zukunft des Schulstandorts Hedelfingen diskutiert, sowohl die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule als auch eines Gymnasiums wird zurzeit geprüft.

Dennoch sorgte die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung im Bezirksbeirat am Dienstagabend für Unmut. Insbesondere der Zusatz, dass der Werkrealschulzweig der Steinenbergschule ab dem Schuljahr 2013/14 keine Fünftklässler mehr aufnehmen soll, stieß sowohl bei den Lokalpolitikern als bei Schulleiter Detlef Storm auf Unverständnis. Einen „Schnellschuss“ nannte der Grünen-Bezirksbeirat Eberhard Schweizer die Pläne der Stadtverwaltung. „Ich fühle mich überrannt. Wir sind in einer Planungsphase“, sagte Carmen Mammoser-Walddörfer von der SPD.

Diese Einschätzung teilen auch die Hedelfinger Bezirksbeiräte

„Wie sollen wir die Entwicklung der Schule weiter führen, wenn wir keine fünfte Klasse mehr einrichten dürfen?“, fragte unterdessen Rektor Detlef Storm und fügte hinzu: „Die Schule soll abgewickelt werden, ohne dass es eine Alternative gibt.“

Storm fürchtet, dass Hedelfingen als Standort für eine weiterführende Schule ganz gestrichen werden könnte. Der Schulleiter schlägt vor, abzuwarten, wie viele Schüler sich tatsächlich für das kommende Schuljahr anmelden. Wenn es genug sind, sollte man die Schule solange weiter laufen lassen, bis es eine Alternative gibt.

Diese Einschätzung teilen auch die Hedelfinger Bezirksbeiräte. „Bis ein Beschluss da ist, muss die Schule weitermachen dürfen“, sagte etwa der CDU-Bezirksbeirat Mario Graunke. In einem einstimmig verabschiedeten Antrag fordert das lokale Gremium, dass der Werkrealschulzweig der Steinenbergschule so lange bestehen bleibt und auch Schüler aufnehmen darf, bis das neue Schulkonzept für den Standort erarbeitet ist. Darüber hinaus soll gemeinsam mit Eltern, Lehrern und anderen Verantwortlichen aus Hedelfingen und dem Nachbarbezirk Obertürkheim ein Arbeitskreis gegründet werden, der die Entwicklung der Steinenbergschule vorantreibt. Für Andreas Passauer ist die Marschrichtung seiner Luginslandschule unterdessen klar: Zum kommenden Schuljahr 2013/14 wird der Rektor keine neue fünfte Klasse mehr in seiner Werkrealschule bilden und sich stattdessen auf den Ausbau seiner Grundschule zum Ganztagsbetrieb konzentrieren.

Der Bezirksbeirat Untertürkheim musste teilweise noch von der Umwandlung überzeugt werden. Letztlich nahm der Rat aber mit sieben Ja-Stimmen und drei Nein-Stimmen (bei einer Enthaltung) den Schulentwicklungsplan zur Kenntnis und forderte gleichzeitig, die Luginslandschule baldmöglichst zur gebundenen Ganztagesgrundschule auszubauen.

Der Trend weg von der Werkrealschule habe sich beschleunigt

„Es ist keine angenehme Aufgabe, die Schule, die ich seit zwei Jahren leite, zu Grabe zu tragen“, sagte Passauer in der vergangenen Woche im Bezirksrathaus. „Die Hauptschule (heute Werkrealschule genannt, Anm. der Red.) ist ein Vorzeigeelement im Bildungssystem.“ Doch es sei egal, wie gut ein Laden bestückt sei, wenn die Menschen nicht hingehen.

Der Trend weg von der Werkrealschule habe sich durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung noch einmal beschleunigt. Die Entscheidung, den Werkrealschulzweig an der Luginslandschule zu schließen, sei deshalb eine logische Konsequenz aus der Politik und dem Verhalten der Eltern. Passauer: „Die Hauptschule oder Werkrealschule ist nicht gewollt.“

Der Untertürkheimer Bezirksvorsteher Klaus Eggert lobte die Arbeit an der Luginslandschule als vorbildlich und bedauerte gleichzeitig die Entwicklung: „Mir wird etwas fehlen“, sagte er mit Bezug auf die Schließung der Werkrealschule. Während sich die Untertürkheimer von ihrer Werkrealschule verabschieden müssen, können die Wangener Bürger aufatmen. Die Wilhelmsschule soll bleiben, sie ist die einzige Werkrealschule in den oberen Neckarvororten, die nicht auf der Streichliste steht. Schulleiter Thilo Habermann ist allerdings nicht so weltfremd zu glauben, dass allein die Qualität seiner Schule den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben hat. „Die gute Verkehrsanbindung hat uns gerettet“, sagte der Rektor am Montagabend im Bezirksbeirat. Hinzu komme, dass die Stadt bereits viel Geld in die Schule, etwa in den Neubau, investiert habe. Auch wenn Habermann mit der aktuellen Entwicklung zufrieden sein kann, hatte der Rektor eine Bitte an den Bezirksbeirat: Das Gremium möge sich dafür einsetzen, dass der Schulstandort Wangen auch weiterhin gestärkt wird. Außerdem wünscht sich der Rektor ein Raumkonzept für die gesamte Schule.

Wenn die Wilhelmsschule die einzige Werkrealschule in den oberen Neckarvororten ist, wird sie zusätzliche Räume benötigen. Gleichzeitig macht sich gerade die Grundschule am Standort auf den Weg zum Ganztagsbetrieb. 2013 soll es mit dem Schülerhaus losgehen, anschließend folgt die Ganztagsgrundschule. Der Schulleiter wünscht sich, dass die Stadt beide Entwicklungen in ein gemeinsames Raumkonzept einfließen lässt.

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