Bildung in S-Süd Zaun fürs Karlsgymnasium ist gestoppt

Von Sascha Maier 

Eine Grünen-Stadträtin hat die umstrittene Einzäunung des Schulhofs verhindert. Schulleiter und Elternvertreter des Karlsgymnasiums hatten sich eine Abgrenzung ihres Schulshofes zum Rupert-Mayer-Platz gewünscht.

Der Schulhof vor dem Karlsgymnasium soll mit Büschen statt einem Stahlzaun optisch sichtbar gemacht werden. Foto: Sascha Maier
Der Schulhof vor dem Karlsgymnasium soll mit Büschen statt einem Stahlzaun optisch sichtbar gemacht werden. Foto: Sascha Maier

Stuttgart - Dass der Zaun, der kleine Bruder der Mauer, dieser Tage nicht überall auf Sympathien stößt, hat Dieter Elsässer, der Schulleiter des Karlsgymnasiums, in den letzten Monaten deutlich zu spüren bekommen. Sein Plan, seinen Schulhof am neu gestalteten Rupert-Mayer-Platz einzuzäunen, um Unbefugte raus- und die Schüler drinzuhalten, stieß im Bezirksbeirat Süd auf wenig Gegenliebe. Elsässers Versuch, seinen Plan gemeinsan mit dem Schulverwaltungsamt gegen den Willen der Bezirksbeiräte durchzusetzen, machte jetzt die Grünen-Stadträtin Christine Lehmann, die auch Betreuungsstadträtin im Stuttgarter Süden ist, einen Strich durch die Rechnung.

Ein Antrag, eine andere Lösung für den Schulhof zu finden, war für den Ausschuss für Umwelt und Technik bereits formuliert. Somit hätte das Schulverwaltungsamt, das den 1,20 Meter hohen Zaun ebenfalls befürwortete, wohl umplanen müssen. Doch so weit kam es gar nicht.

Eine Ortsbegehung hat neue Erkenntnisse gebracht

Bei einer Ortsbegehung zeigten die Schulleitung und das Schulverwaltungsamt, bei dem auch Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) dabei war, ein Einsehen, dass es lohnen könnte, nach anderen Lösungen zu suchen – also auf dem kurzen Dienstweg, ohne Ratsbeschluss. Stadträtin Lehmann sagt: „Eine Schule braucht keinen hohen Stahlzaun. Wir wünschen uns eine Lösung, die den Schulhof optisch mit Grün einschließt, etwa mit Büschen.“

Die Kritik, die alle Bezirksbeiratsfraktionen mit Ausnahme der AfD – der der geplante Zaun nicht hoch genug war – teilten, bezog sich auf die vermeintliche Unvereinbarkeit der weltoffenen Prinzipien eines humanistischen Gymnasiums und der Abschottung durch Einzäunung.

Hundekot als Argument für einen Zaun

Schulleiter Dieter Elsässer hat das in einer Bezirksbeiratssitzung im Dezember noch ganz anders gesehen. Damals führte er zusammen mit der Vorsitzenden des Elternbeirats, Susanne Karck, Argumente wie Hundekot ins Feld, was den Schülern nicht zumutbar sei.

Heute denkt Elsässer vielleicht ein wenig anders darüber. Für eine Stellungnahme, was ihn zum Umdenken bewogen hat, war er auf Anfrage unserer Zeitung kurzfristig leider nicht zu erreichen.

Bezirksvorsteher Raiko Grieb ist froh, dass sich der Bezirksbeirat nach langem Ringen mit der Schule und der Stadtverwaltung jetzt offenbar doch noch durchsetzen konnte: „Wir kennen den neuen Vorschlag zwar noch nicht, aber demnach, was wir gehört haben, wird es jetzt bestimmt besser.“

Ein wenig verärgert ist Grieb darüber, dass das Thema eigentlich überhaupt nicht im Bezirksbeirat hätte landen dürfen, weil die Fläche vor dem Karlsgymnasium am Rupert-Mayer-Platz nämlich gar nicht als Schulhof deklariert ist, sondern als Parkplatz. In der Verwaltung hatte man dies beiden Planungen für den Zaun wohl übersehen – ebenso in allen beteiligten Ämtern. „Da müssten wir dann erst noch eine Umwidmung veranlassen“, sagt die Stadträtin Christine Lehmann. Und Raiko Grieb ergänzt: „Uns hätte das vermutlich einige Diskussionen mit der Schulleitung erspart.“

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