Bildung Islamfakultät rückt näher
Renate Allgöwer, 31.03.2010 15:57 Uhr
Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus kündigt eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich an. Foto: dpa
Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus kündigt eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich an. Foto: dpa
Stuttgart - Die Universitäten in Freiburg, Heidelberg und Tübingen bemühen sich um Institute für Islamische Studien. Alle drei Traditionsuniversitäten arbeiten bereits an Konzepten zur Ausbildung von Imamen, von islamischen Theologen und von Religionslehrern. Jetzt will auch die Landesregierung ihren Segen zur Einrichtung eines Fachbereichs für islamische Studien geben. Das Kabinett hat am Dienstag angekündigt, über die Konzepte aus Tübingen, Heidelberg und Freiburg solle noch in diesem Jahr entschieden werden.

Ministerpräsident Stefan Mappus und Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (beide CDU) betonten nach der Kabinettssitzung, die Verankerung islamischer Studien an einer staatlichen Universität sei ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Muslimen. "Sie schützt vor Extremismus und fördert den Dialog unter den Religionen." Mit dem Beschluss beherzigt das Kabinett eine Empfehlung des Wissenschaftsrats. Das Beratungsgremium des Bundes und der Länder hatte empfohlen, an zwei oder drei Universitäten in Deutschland Institute für islamische Theologie einzurichten. Sie sollen nach Empfehlungen des Rates jeweils vier bis sechs Professoren bekommen. Der Wissenschaftsrat fordert Bund und Länder auf, die Kosten zu übernehmen. Nötig seien bis zu 1,5 Millionen Euro pro Institut.

Wie beim islamischen Religionsunterricht, der seit 2006 an zwölf Grundschulen im Land erprobt wird, ist das Problem der religiöse Ansprechpartner für den Staat, da der Staat nicht über die religiösen Inhalte bestimmen darf. Weil der Islam nicht wie das Christentum in Kirchen organisiert ist, streben Mappus und Frankenberg die Bildung eines "Rates für Islamische Studien" mit Persönlichkeiten aus muslimischen Verbänden und Religionsgelehrten an.

"Das wurde höchste Zeit", kommentiert Theresia Bauer, die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, die Absichtserklärung der Regierung. Die Grünen hatten bereits von zehn Jahren beantragt, dass das Land einen Lehrstuhl für islamische Theologie einrichten sollte. Damals hatten CDU und FDP keinen Bedarf gesehen. Die SPD hatte daraufhin verlangt, einen Lehrstuhl an einer pädagogischen Hochschule einzurichten. Auch das war im Jahr 2000 abgelehnt worden. Allerdings führten die pädagogischen Hochschulen in Weingarten, Ludwigsburg und Karlsruhe 2007 das Studienfach Islamische Religionspädagogik ein. Winfried Kretschmann, der Chef der Grünen-Fraktion, betont, nur durch die Anerkennung des Islam als gleichberechtigte Religion könnten Muslime rechtlich und politisch umfassend integriert werden. Er forderte gleichzeitig, den islamischen Religionsunterricht zügig auszuweiten. Der Wissenschaftspolitiker Martin Rivoir (SPD) begrüßt es, wenn islamische Glaubensvermittler an staatlichen Hochschulen ausgebildet werden. Er hofft, "dass diese erste Lockerungsübung der Regierung sich fortsetzt und auch in anderen Bereichen eine größere Offenheit gegenüber den muslimischen Mitbürgern wirksam wird".
Kommentare (2)
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APR
01
Diderot, 10:44 Uhr

Wissenschaftlich??

Was hat dieses Konzept bitteschön mit WISSENSCHAFT zu tun? Religionswissenschaft an Unis: gerne. Aber für die Verbreitung von Aberglauben (egal ob christlich, jüdisch, muslimisch...) auch noch Steuergelder über den Wissenschaftsrat einzufordern, ist pervers. Theologie ist per se keine Wissenschaft und sollte an Universitäten nichts verloren haben.

MRZ
31
Hey!, 16:10 Uhr

Das wäre noch eine Fortbildung für mich!

Und das meine ich ganz ernst! Wow! Allerdings müsste ich dann wohl auch Arabisch lernen... Wie spannend!