Bildung Kritik an Sparplänen von Grün-Rot
dapd, 12.04.2011 11:58 Uhr
Bei gleichen Leistungen bewerten Lehrer einen Kevin schlechter als einen Maximilian. Foto: dpa
Bei gleichen Leistungen bewerten Lehrer einen Kevin schlechter als einen Maximilian. Foto: dpa
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Stuttgart - Die vom künftigen rot-grünen Regierungsbündnis geplanten Sparpläne in der Bildung stoßen auf heftige Kritik bei den Lehrerverbänden. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, der Philologenverband und der Landesverband der GEW warfen Grün-Rot vor, ihre Wahlversprechen zu brechen, indem sie noch in dieser Legislaturperiode den Rotstift in der Bildungspolitik ansetzten.

Grüne und SPD hatten am Montag erklärt, zum Abbau des strukturellen Defizits unter anderem Lehrerstellen abzubauen. Zwar sollten die rechnerisch frei werdenden Lehrerstellen durch den Rückgang der Schülerzahlen zunächst in eine Verbesserung der Qualität der Schulen fließen, hieß es. Danach müsse aber ein Teil der frei werdenden Lehrerstellen gestrichen werden.

Rückgang der Schülerzahlen laut Verband nicht abzusehen

Der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Bernd Saur, sagte am Dienstag auf dapd-Anfrage, SPD und Grüne hätten in der Opposition stets Unterrichtsausfälle und eine unzureichende Lehrerversorgung bemängelt. Dass diese Kritik nun in eine Stellenstreichungspolitik umschwenke, sei absurd.

Saur warnte, es sei nicht abzusehen, dass die Schülerzahlen an den Gymnasien in den kommenden Jahren tatsächlich zurückgehen werden. Mit dem von der künftigen Landesregierung angestrebten Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung sei sogar davon auszugehen, dass noch mehr Schüler nach der vierten Klasse auf die Gymnasien wechselten.

„Wir fordern eine 110-prozentige Lehrerversorgung an jeder Schule“, sagte Saur. Nur mit einem leichten Überschuss an Lehrern könne verhindert werden, dass es zu Unterrichtsausfällen komme, wenn Lehrkräfte krank würden oder in Schwangerschaftsurlaub gingen. Zudem hätten die Gymnasiallehrer in den letzten Jahren bereits Überstunden in der Höhe von 800 Deputaten geleistet. „Das ist irgendwann nicht mehr zumutbar“, sagte Saur.

GEW: Eltern und Schüler werden enttäuscht sein

Der VBE-Landeschef Gerhard Brand hielt SPD und Grünen vor, mit dem Versprechen zur Wahl angetreten zu sein, in der Bildungspolitik alles besser als die Vorgängerregierung zu machen. Dieses Vorhaben dürfe sich aber nicht lediglich auf die Streichung der verbindlichen Grundschulempfehlung beschränken, also auf das, was nichts koste.

In der Opposition hätten Grüne und SPD stets Zeter und Mordio gerufen, wenn von der schwarz-gelben Landesregierung bei Lehrerstellen auch nur der Vermerk „künftig wegfallend“ angebracht werden sollte. Wie es mit der nun getroffenen Entscheidung, die aus finanzpolitischer Sicht durchaus zu verstehen wäre, zu weniger Unterrichtsausfall und kleineren Klassen kommen solle, sei unverständlich, sagte Brand.

Die GEW zeigte sich empört. Die Gewerkschaft sei nicht davon ausgegangen, dass das grün-rote Bündnis ausgerechnet bei den Lehrerstellen sparen wolle, sagte ein Sprecher. Werde dieses Vorhaben tatsächlich umgesetzt, seien die bildungspolitischen Ziele der Koalition nicht zu erreichen.

 

Kommentare (28)
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APR
13
mcrx, 10:33 Uhr

@Jon

Werter Jon, was sie insbesondere zu der Migrantensituation schreiben ist natürlich nichts weiter als blanker Unsinn. Laut den Ergebnissen der PISA2003 Studie, hat BW den dritthöchsten Migrantenanteil an den 15-jährigen Schülern. Der Migrantenansteil insgesamt ist ebenfalls der dritthöchste (jeweils hinter Hamburg und Bremen). Laut der Studie der INSM (wo sie die Schulabbrechersache herhaben dürften) gibt es in BW aber für schwache Schüler und Schüler ohne Abschluss die geringsten Probleme beim Einstieg in das Erwerbsleben. Und zusätzlich ist die Schulabbrecherquote unter allen Bundesländern die niedrigste sowie die Quote der erfolgreichen Berufsausbildungen die höchste. Genau so unsinnig ist es, die von ihnen zuerst festgestellten Defizite gleich im nächsten Satz wieder zu negieren, dank der tollen Wirtschaft. Ja was denn nun? Und zu glauben, die erfolgreiche Wirtschaft wäre gänzlich ohne Einfluss der Politik hier entstanden und hier geblieben scheint mir auch reichlich naiv. Natürlich ist es nicht allein das Verdienst der Politik, aber komplett unbeteiligt ist sie eben auch nicht. Genausowenig, wie die Politik alleine für die Ausbildung verantwortlich ist. Quellen: http://pisa.ipn.uni-kiel.de/PISA2003_E_Zusammenfassung.pdf http://www.statistik-portal.de/BevoelkGebiet/Indikatoren/BV-BS_migranten.asp http://www.insm-bildungsmonitor.de/2010_best_i_berufsabschlussquote.html http://www.insm-bildungsmonitor.de/2010_best_i_schulabbrecherquote.html

APR
12
IM Maulwurf, 23:30 Uhr

@ mangries

:-) Da hat die CDU wohl etwas verschlafen, in der Tat, hatte aber auch kurzfristig kein Personal dafür. Mappus war erstmal verbrannt obwohl politisch hochgradig fähig. Der kommt wieder. Aber noch ist ja gar kein Kretschmann gewählt, fragen Sie mal Siggi G. in Berlin, ob er gerne Kellner bei der Eintagsfliege spielt :-))

APR
12
Interessierter vom Land, 20:24 Uhr

Gelassen bleiben

Das Wahlvolk hat entschieden und es ist in vielerlei Hinsicht gut so. CDU und FDP können jetzt in sich gehen und Erneuerungsprozesse einleiten. Auch wenn wir noch keinen grün-roten Koalitionsvertrag haben, gehen wir der Einfachheit halber mal davon aus, dass es einen solchen geben wird. Daraus können wir dann ablesen, wie ernst es den neuen Herren mit ihrem neuen Politikstil ist. Erster Prüfstein wird sein, wie die Wahlversprechen umgesetzt werden und zu wessen Lasten. Daraus können wir dann wiederum ableiten, ob die neuen Herren gerne regieren oder doch lieber wieder zurück in die Opposition wollen. Freundliche Grüße vom weiten Land.

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