Bildungsgewerkschaft erwartet Kurs-Fortsetzung GEW steht hinter den Schulreformen

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Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet, dass die Reformen im Bildungswesen auch nach einem eventuellen Regierungswechsel fortgesetzt werden. Die angestoßenen Veränderungen seien alle notwendig gewesen, sagte Doro Moritz, die GEW-Chefin. Das sieht die Opposition anders.

Doro Moritz, die GEW-Vorsitzende gibt keine Wahlempfehlung. Foto: dpa
Doro Moritz, die GEW-Vorsitzende gibt keine Wahlempfehlung.Foto: dpa

Stuttgart - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bekennt sich zu den Bildungsreformen der grün-roten Landesregierung. „Alle angestoßenen Reformen sind notwendig“, sagte Doro Moritz, die Landesvorsitzende der GEW. Die Bildungsgewerkschaft erwartet, „dass die begonnen Reformen nach der Landtagswahl fortgesetzt werden“ und auch die Investitionen in Bildung und in Lehrerstellen aufrecht erhalten werden.

„So grundlegende Änderungen des Schulsystems sind nicht in einer Wahlperiode zu bewältigen“, betonte Moritz. Die GEW, die nach eigenen Angaben in Baden-Württemberg inzwischen 50 000 Mitglieder erreicht hat, werde aber keine Wahlempfehlung für die Landtagswahl am 13. März aussprechen, sagte Moritz.

FDP: auf der falschen Spur

Die oppositionelle FDP hält dagegen. Ihr bildungspolitischer Sprecher Timm Kern erklärt, wenn man das Rad schon nicht zurück drehen könne, müsse man es nicht auf der falschen Spur weiter laufen lassen.

Damit bezieht er sich auf die Gemeinschaftsschule und verlangt die Offenlegung aller zehn Gutachten, die für einzelne Gemeinschaftsschulen gemacht wurden. Eines dieser Gutachten, das der Schule einige Defizite aufzeigte, ist zum Ärger der Forscher bereits an die Öffentlichkeit gelangt.

Die GEW-Vorsitzende Moritz begrüßt, dass die Landesregierung darauf verzichtet hat, wie zunächst geplant, Lehrerstellen zu streichen. Statt dessen seien im laufenden Jahr sogar 758 neue Stellen geschaffen worden. Viele Stellen werden aber laut Moritz nicht besetzt. Besonders in den Grenzregionen zur Schweiz wanderten viele Bewerber ab.

Auch gibt es nicht genügend Sonderpädagogen. Moritz regt an, Grund- und Hauptschullehrern, deren Schulen geschlossen werden, berufsbegleitende ein zweijähriges Aufbaustudium zum Sonderschullehrer anzubieten. Auch die Krankheitsvertreter werden knapp. Die Landesregierung stelle zwar das Geld zur Verfügung, aber es gebe keinen geeigneten Bewerber.

Unterstützung für die Grundschulen verlangt

Noch vor der Wahl erwartet die GEW „konsequente Unterstützung für die Grundschulen. Die Schulart werde „stiefmütterlich behandelt“. Zwar erhielten die Grundschulen in diesem Schuljahr 180 neue Stellen, doch sei das nicht ausreichend. Die Grundschule brauche mehr Vertretungslehrer als andere Schularten, da Grundschüler nicht nach Hause geschickt werden könnten.

Edith Sitzmann, die Vorsitzende der Grünen im Landtag, versicherte, die 180 Stellen seien ein erster Schritt gewesen, „weitere werden folgen“. Für die Grünen stehe die Grundschule in den kommenden Jahren ganz oben auf der Agenda, sagte Sitzmann.

Für die SPD versicherte deren bildungspolitischer Sprecher Stefan Fulst-Blei, die Partei bleibe die Anwätlin für eine gute Lehrerversorgung und gerechte Bildungschancen.

Doro Moritz rechnet im kommenden Schuljahr mit 1500 Flüchtlingsklassen an den allgemein bildenden Schulen. Diese Klassen sollten nach Ansicht der GEW nicht mehr als 15 Schüler haben. Moritz forderte Schulpsychologen, Sozialpädagogen und Traumatologen für diese Klassen. Allerdings sind auch diese Experten rar.