Bildungsplan-Demo in Stuttgart Ein meterhohes Zeichen für die Vielfalt und Pfefferspray

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Die Bildungsplan-Demo am Sonntagnachmittag in Stuttgart verlief nicht gerade ruhig. Gegendemonstranten warfen mit Algen, die B 14 war dicht und die Polizei setzte Pfefferspray ein. Das Staatstheater setzte ein meterhohes Zeichen.

Bei Demo und Gegendemo prallen die Meinungen aufeinander. Foto: Lichtgut/Horst Rudel 10 Bilder
Bei Demo und Gegendemo prallen die Meinungen aufeinander.Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Stuttgart - Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften hat die Polizei am Sonntag in der Stuttgarter Innenstadt gleich mehrere Kundgebungen zum Bildungsplan der grün-roten Landesregierung begleitet. Bereits Stunden vor den angekündigten Demonstration standen sich mehrere hundert Bereitschaftsbeamte rund um den Schlossplatz die Beine in den Bauch, um die nach Polizeiangaben mehr als 5000 gegen die Gleichstellung homo-sexueller Paare und für den Schutz der Ehe protestierende Menschen von den etwa 500 Gegendemonstranten zu trennen.

Bereits bei der Auftaktkundgebung der „Demo für alle“ auf dem Schillerplatz war die Initiatorin Hedwig von Beverfoerde auf der Bühne von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet worden. Mit Sirenengeheul und Trommelwirbeln versuchten die Gegner der Kundgebung, die Reden auf dem Podium von jenseits der Absperrgitter zu übertönen. „Eure Kinder werden mal wie wir“, riefen sie den Demonstranten zu.

In ihrer Kritik an dem Bildungsplan, mit dem das Land die nach wie vor beklagte Diskriminierung von homosexuellen Menschen abbauen will, ließen sich die Veranstalter durch die Misstöne allerdings nicht beirren. „Wir stehen ein für das Fundament, auf dem weltweit unser Zusammenleben beruht: der Ehe als Lebensbund zwischen Mann und Frau und für die Familie“, hieß es auf der Bühne.

Kritiker sehen Angriff auf christliche Werte

Fünf Monate vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg kritisierten die Teilnehmer der Demonstration den Bildungsplan als einen Angriff auf traditionelle christliche Werte. Befürchtet wird eine Sexualisierung der Kinder, wenn in der Schule frühzeitig über gleichgeschlechtliche Lebensformen geredet wird. Auftreten ließ die Initiatorin Hedwig von Beverfoerde auch einen jungen Mann, der sich auf der Bühne zwar als homosexuell outete, im Bildungsplan aber dennoch eine Gefahr sieht. „Mit dem Bildungsplan hätte ich in meiner Jugend nicht gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt, sondern das als normal betrachtet“, bekannte er unter Beifall.

Einen Auftritt als Redner hatte neben Vertretern der rechtspopulistischen AfD auch der Vorsitzende der Jungen Union im Rems-Murr-Kreis, Christian Steck. Mehrere Sprecher sahen in den Protesten gegen die Kundgebung einen Beleg für fehlende Toleranz und beklagten, auf dem Weg zur Demonstration verbal und körperlich angegangen worden zu sein. Bei Personen, die am Schillerplatz trotz massiver Polizei-präsenz versuchten, ein Absperrgitter zu überwinden, setzten Beamte auch Pfefferspray ein. Außerdem wateten bei der Abschlusskundgebung vor dem Staatstheater einige Protestaktivisten durch den Eckensee, um Demo-Teilnehmer mit Schlamm und Algen zu bewerfen. In die Gefahr, getroffen zu werden, geriet durch die Entfernung aber niemand. Um den Marsch der Bildungsplangegner zu stoppen, hatten 200 Gegendemonstranten die Konrad-Adenauer-Straße blockiert. Am Charlottenplatz wurden vereinzelt Kastanien geworfen. Auch nach der Kundgebung musste die Polizei einzelne Scharmützel beenden. Acht Personen wurden wegen Verdachts der Körperverletzung festgenommen.

Staatstheater setzt deutliches Zeichen

Parallel zur Demonstration der Bildungsplangegner demonstrierten vor dem Rathaus etwa 400 Menschen für Gleichberechtigung und ein buntes Stuttgart. Am Schlossplatz zeigte ein Bündnis mit Grüner Jugend, Jusos und Antifa „Flagge für ein vielfältiges Stuttgart“. Ein deutliche Zeichen setzten auch die Beschäftigten des Staatstheaters: bei der Abschlusskundgebung der Bildungsplangegner entrollten sie vom Balkon aus ein Plakat mit der Aufschrift „Vielfalt“. Die regenbogenfarbene Botschaft erklärte Sprecher Thomas Koch als künstlerische Stellungnahme: „Wir wollten unbedingt den Eindruck vermeiden, möglicherweise hinter den Forderungen der Bildungsplangegner zu stehen.“