Bildungsplan-Demos in Stuttgart 400 Polizisten schützen Demo

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Homosexualität als Thema im Unterricht? Dagegen haben am Samstag 800 Menschen auf dem Schlossplatz demonstriert. Es kam zu aggressiven Szenen. Ein Polizist wurde verletzt.

Bildungsplan-Kritiker haben in Stuttgart demonstriert. Foto: dpa 61 Bilder
Bildungsplan-Kritiker haben in Stuttgart demonstriert.Foto: dpa

Stuttgart - In der Innenstadt haben am Samstag erneut mehrere Hundert Menschen für und gegen den Bildungsplan der baden-württembergischen Landesregierung zum Thema sexuelle Vielfalt im Schulunterricht demonstriert. Unter dem Schutz von 400 Polizisten sowie Polizeireitern trafen sich laut Polizei 800 Bildungsplangegner um 14 Uhr auf dem Schlossplatz. Motto: „Gegen die Indoktrination unserer Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015“.

Die Stimmung war aufgeladen. Rund 40 Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum versuchten den Zug zu blockieren und wurden von der Polizei eingekesselt und festgehalten. Polizisten und Demonstranten wurden mit Tomaten beworfen. Immer wieder kam es zwischen den Gruppierungen zu tätlichen Scharmützeln. Ein Polizist wurde durch einen Tritt in die Genitalien verletzt. Der Tatverdächtige wurde später vorläufig festgenommen. Bei weiteren Angriffen gab der Einsatzleiter Knüppel und Pfefferspray frei.

Aggressives Verhalten zeigte auch das Ordnungspersonal der Bildungsplangegner. 60 Demonstranten hatte die Polizei bereits zuvor am Hauptbahnhof abgefangen – zu umfangreichen Personenkontrollen. Zu einer Demo der Befürworter, zu der der Christopher Street Day Stuttgart auf dem Marktplatz aufgerufen hatte, kamen laut Polizei 300 bis 400 Teilnehmer; diese Veranstaltung sei unspektakulär verlaufen.

„Besorgte Eltern Baden-Württemberg“ fürchten um ihre Kinder

Doch was ist es, das die Gegner des Bildungsplans, die als „Besorgte Eltern Baden-Württemberg“ auf der Homepage „Politically Incorrect“ auftreten, so in Rage treibt? „Schwul, das ist eklig“, sagt einer der Bildungsplangegner auf dem Schlossplatz. Seine Kinder sollen „mit solchen Leuten nichts zu tun haben“. Am schlimmsten sei für ihn, dass er wegen der Schulpflicht seine Kinder ja trotzdem in die Schule schicken müsse, meint ein anderer. Es könne doch nicht sein, dass die Kinder in der Schule lernten, dass Schwule und Transen besser seien als Heteros, sagt der Mann, der auf Anfrage angibt, aus Russland zu kommen.

Eine Rednerin verkündet, der von der Landesregierung angestrebte Unterricht „zerstört die Grundlage der Familien und macht die Kinder bindungsunfähig“. Und: „Die Kinder haben ein Recht darauf, auf Ehe und Familie vorbereitet zu werden.“ Die Rednerin ergänzt: „Bildung in den Regenbogenfarben, soll das ein Vorgeschmack auf die künftige Nationalflagge sein – statt schwarz-rot-gold?“ Was sie und andere Redner noch gesagt haben, deren Namen die Veranstalter der StZ auf Anfrage nicht mitteilen wollten, ging im Lärm unter.

Polizei drängt Störer ab

Zudem bildeten breitschultrige Ordner, die die Bildungsplangegner mitgebracht hatten, eine Art Schutzkreis um die Teilnehmer. Als Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum hineindrängen wollten und „Nazis raus“ skandierten, bildeten Polizisten in voller Schutzkleidung sofort einen Doppelkordon um die Bildungsplangegner und drängten die Störer ab.

Zufälligen Passanten bot sich ein ungewöhnliches Bild: In der Mitte des martialischen Polizeikordons eine Gruppe von Menschen mit Transparenten, auf denen stand: „Keine Sex-Videos in der Schule“, „Stoppt Pornografie an Schulen“, „Kinder sollen frei von unmoralischen Werten sein“ oder „Familientod = Volkstod“. Und drumherum Menschen in schwarzen und bunten Gewändern mit Bannern, auf denen stand: „Sexuelle Vielfalt statt bevorzugter Einfalt“, „Liebe kennt kein Geschlecht“, „Lieb doch, wen du willst“ oder „bunt statt braun“.

Passanten wundern sich

Ein älteres Ehepaar aus Ludwigsburg staunte. „Ja, in welchem Jahr leben die denn?“, sagte der Mann. Und: „Jeder Mensch soll so leben, wie er möchte.“ Und die Frau: „Der Aufmarsch kostet einen Haufen Steuergelder.“ Eine angehende Erzieherin meinte: „Ich möchte, dass Kinder im Unterricht aufgeklärt werden, auch um sie vor Krankheiten zu schützen.“

Um 16.15 Uhr war der Aufzug schließlich am Eckensee beendet. Zwei Personen wurden wegen der Verdachts der Körperverletzung, gefährlichen Körperverletzung und Widerstands gegen Polizisten angezeigt.

 

 

 

35 Kommentare Kommentar schreiben

Demo für alle: Zur heftigen Kritik der grünen Parteiführung: Ich war schon auf manchen grünen Demos mit dabei und bin selbst Mitglied der grünen Partei. Aber meine Gesinnung lasse ich mir von keiner Partei vorschreiben, auch nicht von unserer. Meine Lebenserfahrung, der in der Jugend die SED Diktatur erlebt hat und die Freiheit der BRD gesucht hat, stelle ich mit 69 Jahren auch nicht hinter die eines frisch (geschlüpften) gewählten Politkükens Hildenbrand, des derzeitigen grünen Landesvorsitzenden. Deshalb war ich mit dabei auf der "Demo für alle", schon allein um zu zeigen, daß es noch die Demonstrationsfreiheit gibt. Von "braunem Sumpf" und dergleichen Parolen konnte ich dort nichts feststellen. Um so mehr von linksextremen Antifas, von denen die Demonstationsteilnehmer fortlaufend beschimpft und beleidigt wurden, und deren Haltung zu der Demo so bedrohlich aussah, daß ich froh um den massiven Polizeieinsatz war. Zugegeben, einige der Demonstrationsteilnehmer waren nicht unbedingt die Leute unter denen ich mich spontan wohl fühle. ständig Kirchenlieder singen zu hören ist nicht unbedingt meine Vorliebe, das ist aber in manchen grünen Veranstaltungen z.B. auf Parteitagen in anderer Weise auch nicht anders, wenn ich mir grüne Lobhudeleien anhören muß. . Man muß eben damit leben, daß Teilnahme an politischen Veranstaltungen nicht vergnügungsteuerpflichtig sind. Auf Grund dieser Eindrücke trete ich der grünen Charakterisierung der Demo entschieden entgegen als nichts anderes als einer gezielten Kampagne des Versuchs die freien (unbequeme unerwünschte) Meinungsäußerung mundtot zu machen, die den Antifa Slogans einschlägiger Websites fast wortgleich bist. Es ist enttäuschend daß ausgerechnet unsere grüne Partei und ihr Vorsitzender dies unter dem Vorwand der Toleranz und mit an den Haaren herbei gezogenen Argumenten betreibt. Grünes Landei Manfred Schreiber aus dem Hochschwarzwald

Sie sind wie immer nicht informiert.: es freut mich für Sie, dass zumindest einer "richtig" informiert ist. Sollte ich Ihnen recht geben, dann lägen wir beide falsch......

C. Beck: Sie sind wie immer nicht informiert. Es geht der LR - angeblich - NICHT um das Thema "Sexualität" sondern um: "Die grün-rote Landesregierung strebt mit ihrem Bildungsplan 2015 an, den Schülern Werte wie Respekt, Toleranz und Weltoffenheit zu vermitteln." Mit anderen Worten: Werte wie Respekt, Toleranz und Weltoffenheit sollen nur und ausschließlich mit sexueller Vielfalt vermittelt werden.

Thomas Schmidt Mit Ihrem Beitrag sind Sie viel zu kurz gesprungen.: Nein, zu kurz gesprungen wurde hier nicht, sondern eine ganz klare Linie erklärt. Wer zu kurz gesprungen ist, dürfte der Schreiber PP sein, der wieder mal bei Adam und Eva beginnt. Wenn man eben keine driftigen Gründe mehr weiß, erfolgen Wiederholungen. Keine Frage: diese Wiederholungen sind auch ein wichtiges Thema, aber nicht zu dem aktuellen. Selbst die achso hochgelobte ( warum auch immer ) CDU sind inzwischen gespalten und das ist auch gut so!

Thomas Schmidt: Mit Ihrem Beitrag sind Sie viel zu kurz gesprungen. Angeblich geht es im neuen Bildungsplan nicht um Sexualität sondern um das Thema „Toleranz“ bzw. um die (Nicht-)Diskriminierung anders Seiender. Und nun sagen Sie mir doch bitte, was homosexuelle Menschen so einzigartig macht, dass man nur und ausschließlich an ihrem Beispiel das Thema „Toleranz“ lehren will? Gibt es keine Diskriminierung bei Farbigen, bei Behinderten, bei Frauen? Und bei diesen Gruppen besteht sogar Gefahr für Leib und Leben, man denke an die Verfolgung Farbiger in Ostdeutschland (mit Todesfolge) oder an Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen, Beschneidungen u.v.a.m. Wieso wird da kein Gesamt- Paket geschnürt? ___________________ Man kann das natürlich im Kontext sehen mit der pädophilen Vergangenheit der Grünen oder damit dass Herr Ströbele Inzest nicht mehr unter Strafe stellen möchte und nun soll nur und ausschließlich mit dem Thema „sexuelle Vielfalt“ - angeblich – Toleranz gelehrt werden. ______________ Und das alles ohne die Eltern einzubinden, die das Elternrecht, den Erziehungsauftrag sowie die Verfassung auf ihrer Seite haben.

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