Bildungspolitik Zurück zu Studiengebühren?

dpa, 15.02.2013 13:24 Uhr

Karlsruhe - Die deutschen Universitäten kommen nach Ansicht von Eberhard Umbach auf Dauer nicht ohne Studiengebühren aus. „Das ist nicht nur eine Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch ein Beitrag zur Gerechtigkeit“, sagte der Leiter des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) der Nachrichtenagentur dpa. Es sei nicht einzusehen, warum der Besuch eines Kindergartens Geld koste, der einer Hochschule jedoch nicht. Damit sprang Umbach der neuen Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zur Seite, die für 2017 deutschlandweit Studiengebühren vorausgesagt hat und damit auf Kritik gestoßen ist.

Die Studiengebühr sei notwendig, um die Betreuung der Studenten zu verbessern, sagte Umbach. So komme in Deutschland im günstigsten Fall ein Professor auf 60 Studenten, in England und den USA liege die Relation bei den guten Universitäten weitaus niedriger. Zudem führe eine Gebühr dazu, dass die Studenten das Studium ernster nehmen. „Auch hier gilt der Satz: Was nichts kostet, wird als wenig wert empfunden.“ Die Erfahrung zeige, dass nach Abschaffung der Gebühr die durchschnittliche Studienzeit anwachse.

Ein Signal an ausländische Studenten

Nicht zuletzt seien Studiengebühren auch ein Signal an ausländische Studenten, dass Deutschland seine Hochschulen wertschätze. Diese Studenten seien bereit, in den USA und England viel Geld für ein Studium zu bezahlen. Dass es in Deutschland nichts koste, komme ihnen merkwürdig vor. „Dieses Signal und die bessere Betreuungsquote sind notwendig, um mehr gute Studenten aus dem Ausland anzulocken, die wir in Zukunft brauchen, um unsere Wirtschaftsbeziehungen in aller Welt zu festigen.“

Bei der Erhebung der Gebühren sprach sich Umbach für fantasievolle Lösungen aus. So könnten etwa nur die Masterstudiengänge kostenpflichtig gestellt werden. „Am besten fände ich, wenn die Gebühren nachträglich gezahlt werden könnten und dann abhängig von dem Verdienst der Betroffenen“, sagte der Präsident. „Aber das ist wohl zu kompliziert.“ Die Hochschulen müssten zudem versuchen, über Freundeskreise und Ehemalige zusätzliche Mittel einzuwerben.