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Binkowskis Welt Out of Rutesheim

Rafael Binkowski, 05.12.2012 15:19 Uhr

Rutesheim – Neulich im Industriegebiet von Rutesheim. Weil die Mittagskarte in der Leonberger Altstadt zwischen Spanferkel und Schweinenacken geschwankt hat, entscheidet sich die Mittagsrunde kurz entschlossen: Essen wir doch etwas Gesundes! Und was läge da näher als ein amerikanisches Hochqualitätsrestaurant im schönen benachbarten Rutesheim anzusteuern? Und immerhin, einer der drei aus der Kollegenschaft hat einen Salat gegessen beim, sagen wir mal, Bürgerkönig. Dumm nur, dass der fast so viel Kalorien hat wie der Schweinenacken und die Zeit nicht für eine Kletterrunde im Hochseilgarten reicht.

Aber so können wir schon den Bauboom in der schönen Nachbargemeinde bewundern. Und uns vielleicht auf einen abendlichen Ausflug in eine bekannte Musikkneipe freuen. Oder auf neue Glossen der Rutesheimer Gymnasiasten. Sie sehen also, das kleine „Rutes“ hat wirklich etwas zu bieten. Ja, es hat sich etwas getan, seit 500 vor Christus die Kelten hier aufgetaucht sind und in einer flachen Senke eines wellig bewegten Geländes den Kirchberg befestigt haben. Oder der Franke „Ruotmar“ dann so 1000 Jahre später einfach mal so seinen Namen hier herumliegen hat lassen.

Und es hätte kulinarisch Alternativen gegeben, die uns nicht nach einer halben Stunde ein seltsames Völlegefühl und nach anderthalb Stunden schon wieder Hungeranwandlungen gebracht hätten. Denn die Rutesheimer Nationalspeise ist bekanntlich „Rohstrugel“. Gut, gut, wenn man das Rezept mal genauer betrachtet: Nudelteig mit Fett, gewürfelte Äpfel, verquirlter Rahm, Eier, Butterflöckchen . . . dann wären wir doch wieder beim Gehalt des Spanferkels.

Also, Out of Rosenheim . . .  äh Rutesheim. Es muss ja nicht gleich nach Bagdad gehen. Denn unser Rutesheim ist ja Boomtown. Das sieht man auch so in Levinberch. Ja, so hieß unser schönes Altkreis-Hauptstädle noch, als der Graf Ulrich I. es 1248 gegründet hat – und deswegen feiern wir ja im nächsten Jahr 750. Geburtstag. Out of Rutesheim sozusagen, in Leonberg nämlich. Ob es ein Leonberger Nationalgericht gibt? Nicht, dass wir morgen zum Amerikaner in das Gewerbegebiet am Autobahndreieck gehen müssen . . .