Biografie des Wikileaks-Gründers Assange kritisiert unautorisierte Veröffentlichung

Von Christiane Schulzki-Haddouti 

Ein Ghostwriter hat ein Buch über das Leben von Julian Assange geschrieben. Doch der Wikileaks-Gründer protestiert gegen die Publikation.

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Stuttgart - Gegen den Willen von Julian Assange veröffentlicht der schottische Verlag Canongate dessen 244 Seiten lange Autobiografie, berichtet die britische Tageszeitung „Independent“. Das Buch befasst sich mit Assanges Kindheit und Jugend sowie der Entstehung von Wikileaks. Thematisiert wird auch, dass in Schweden gegen Assange der Vorwurf der sexuellen Nötigung erhoben worden ist, was zu einem immer noch schwebenden Auslieferungsverfahren zwischen Großbritannien und Schweden führte.

Das Buch ließ Assange aus finanziellen Nöten schreiben, nachdem er zuvor mehrere Offerten abgelehnt hatte. Die anstehenden hohen Kosten für seine privaten Rechtsstreitigkeiten hatten ihn dazu gezwungen. Bereits in Dezember 2010 erhielt er angeblich 400.000 Pfund Vorschuss von Canongate und dem New Yorker Verleger Alfred A. Knopf. Die Rechte wurden an 38 Verlagshäuser weltweit vergeben. Geschrieben wurde die Biografie mit Hilfe des schottischen Ro-manautors und Ghostwriter Andrew O’Hagan nach 50 Gesprächsstunden. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch konnte zum Erscheinungstermin der deutschsprachigen Ausgabe noch keine Auskunft geben.

"Alle Erinnerung ist Prostitution"

Den ersten Entwurf, der im März vorgelegt wurde, kommentierte Assange laut Verlag mit dem Satz: "Alle Erinnerung ist Prostitution". Der Text enthielt wohl – ähnlich wie die Autobiografie des Exmitarbeiters Daniel Domscheit-Berg – zu viele private Details und zu wenig politische Aussagen. In den Auszügen, die der „Independent“ nun veröffentlicht hat, bekennt sich Assange erstmals dazu, in seiner Jugend unter dem Hacker-Pseudonym Mendax aktiv gewesen und in die Rechner der US-Raumfahrtorganisation Nasa eingebrochen zu sein.

Die Aufbauzeit von Wikileaks schildert Assange als extrem anstrengend, da die meiste Arbeit an ihm hängen geblieben sei. Zwar habe er auf die Hilfe von Freunden zurückgreifen können, doch die habe im Schnitt immer nur für neun Stunden Arbeit gereicht. Er habe ständig freiwillige Helfer gesucht, doch bei von ihm anberaumten Online-Treffen sei er ein- oder zweimal allein geblieben.

Freundschaft zu Assange

Als zwischen Assange und dem Verlag über die Veröffentlichungsstrategie verhandelt wurde, erklärte Ghostwriter O’Hagan wohl aus Freundschaft zu Assange, er wolle in der Veröffentlichung nicht namentlich genannt werden. Canongate will nach gescheiterten Kompromissverhandlungen Assange zwei Monate Zeit gegeben haben, um das Buch selbst zu überarbeiten. Die Frist soll jedoch ohne Ergebnisse abgelaufen sein. Assange selbst sagt, er habe eine neue Deadline verhandeln wollen und habe dann nichts mehr vom Verlag gehört.

Nachdem Assange den erhaltenen Vorschuss nicht zurückzahlt hat, glaubt der Verlag, weiterhin die Rechte an der Veröffentlichung zu besitzen. Assange konnte jedoch nach eigener Aussage gar nicht auf die Gelder zurgreifen, weil der Verlag sie ohne Absprache mit ihm auf ein Treuhandkonto seiner Anwälte eingezahlt hatte. Diese wiederum verhandeln mit Assange zurzeit über die zu berechnenden Gebühren, die ein externer Auditor als zu hoch bezeichnet haben soll.

Seit Montag läuft nun eine geheime Auslieferung an Buchhandlungen in Großbritannien und Australien. Online-Bestellungen sind zurzeit nur mit einer Kreditkarte möglich, die in Groß-britannien ausgestellt wurde. Der amerikanische Verleger Knopf zog sich aus dem Vertrag angeblich zurück.
Assange erfuhr aus dem „Independent“ von der Auslieferung. In einer Stellungnahmen, die von einem Journalisten der „Financial Times“ über den Dienst Google+ veröffentlicht wurde, betont er nun, dass eine Faktenprüfung und Korrektur durch ihn nicht stattgefunden habe; das Buch hätte noch „erheblich“ erweitert und überarbeitet werden müssen, insbesondere um die Privatsphäre einiger Menschen zu schützen. Assange bitter: „Morgen werde ich ‚meine Biografie’ kaufen, um feststellen zu können, in welchem Ausmaße es Irrtümer und Fehler enthält.“