Bischof Gebhard Fürst
„Ich hatte manch schlaflose Nacht“
Matthias Schiermeyer, Fotos: Zweygarth, Steinert,
29.09.2010 20:55 Uhr
Bischof Gebhard Fürst (Mitte) wurde von StZ-Kulturchef Tim Schleider (rechts) und Politikredakteur Michael Trauthig begrüßt. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Es gehört Mut dazu, die Dinge beim Namen zu nennen", sagt der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst. Denn heiße Eisen müsse er immer wieder anfassen. Ob er sie schmieden könne wie gewollt, das sei eine andere Frage. Sein Leitmotiv lautet: "Die Zeichen der Zeit erkennen und mit Sachverstand aus dem Geist des Evangeliums deuten." Der 61-Jährige hat am Mittwochabend im Haus der Wirtschaft bis zu 400 Lesern der Stuttgarter Zeitung Rede und Antwort gestanden.
Begrüßt wurde der Bischof von StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs. An seiner jetzigen Aufgabe schätzt Fürst vor allem die Chance, die Pluralität der Weltkirche auf dem Globus kennenzulernen. "Wir sind in dieser Diözese nicht der Nabel der Welt", hat er erkannt. Dennoch ließ er sich – in Abwandlung eines Satzes vom früheren SPD-Chef Franz Müntefering – zu dem Bonmot hinreißen: "Das Amt des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist das zweitschönste nach dem Papst."
Der gebürtige Bietigheimer zählt zu den liberalen Geistern der Bischofskonferenz. Beispielsweise setzte er als Erster eine weitgehend unabhängige Kommission ein, die den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen nachging. Die tiefe Krise der Kirche infolge dieses Skandals stand zunächst im Mittelpunkt. "Ich habe manch schlaflose Nacht gehabt", sagte Fürst. "Und es ist noch nicht vorbei." Die meisten in der Diözese bekannt gewordenen Fälle hätten weit vor seiner Amtszeit gelegen. Doch auch für diese übernehme er Verantwortung. "Da und dort" seien die Dinge nicht so gelaufen, wie sie heute behandelt würden. "Aber dass wir keine Straftaten vereiteln und mit den Staatsanwaltschaften kooperieren, ist ja keine Frage."
Dann versuchten die StZ-Redakteure Tim Schleider, Leiter des Kulturressorts, und Michael Trauthig zu erfahren, was sich hinter den Türen der Bischofskonferenz abspielt. Wie transparent kann die katholische Kirche werden, um Vertrauen zu schaffen, ohne dass zu viel Substanz verloren geht? "Wir wollen nach außen hin mit einer Stimme sprechen", sagte Fürst. Doch sei viel Verschlossenheit schwierig, weil sie den Eindruck eines "closed shop" weckt. "Wir müssen einen Mittelweg finden, bei dem die Vertraulichkeit gewahrt bleibt."
Differenziert nahm der Bischof auch zum geringen Einfluss der Frauen in der katholischen Kirche Stellung. "Wir haben keine Gleichberechtigung", bekannte er. "Es wird noch sehr lange dauern, bis es in der Diözese Priesterinnen geben wird." Er wehre sich jedoch gegen den Vorwurf, "dass wir in allen Gruppen nur Männer haben sollen". Im Vergleich mit Gemeinderäten komme die Diözese "blendend weg".
Ein weiteres heißes Eisen, Stuttgart 21, blieb ihm ebenso wenig erspart. "Ich rate sehr dazu, dass alles getan wird, um offen miteinander zu sprechen", sagte Fürst. Er unterstütze daher die Vermittlungsbemühungen von Stadtdekan Michael Brock, in den er volles Vertrauen setze. Das bedeute nicht, dass er jedes Wort von diesem unterstreiche, setzte der Bischof mit Blick auf die Kritik Brocks an Ministerpräsident Stefan Mappus hinzu. In der Ortskirche seien viele gegen Stuttgart 21, doch werde er sich nicht für eine Seite aussprechen, weil er dann keine unabhängige Mahnung abgeben könne, im Gespräch zu bleiben. Dann konnten die Leser Fragen stellen, was sie fachkundig und in großer Zahl taten.
Begrüßt wurde der Bischof von StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs. An seiner jetzigen Aufgabe schätzt Fürst vor allem die Chance, die Pluralität der Weltkirche auf dem Globus kennenzulernen. "Wir sind in dieser Diözese nicht der Nabel der Welt", hat er erkannt. Dennoch ließ er sich – in Abwandlung eines Satzes vom früheren SPD-Chef Franz Müntefering – zu dem Bonmot hinreißen: "Das Amt des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist das zweitschönste nach dem Papst."
Der gebürtige Bietigheimer zählt zu den liberalen Geistern der Bischofskonferenz. Beispielsweise setzte er als Erster eine weitgehend unabhängige Kommission ein, die den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen nachging. Die tiefe Krise der Kirche infolge dieses Skandals stand zunächst im Mittelpunkt. "Ich habe manch schlaflose Nacht gehabt", sagte Fürst. "Und es ist noch nicht vorbei." Die meisten in der Diözese bekannt gewordenen Fälle hätten weit vor seiner Amtszeit gelegen. Doch auch für diese übernehme er Verantwortung. "Da und dort" seien die Dinge nicht so gelaufen, wie sie heute behandelt würden. "Aber dass wir keine Straftaten vereiteln und mit den Staatsanwaltschaften kooperieren, ist ja keine Frage."
Dann versuchten die StZ-Redakteure Tim Schleider, Leiter des Kulturressorts, und Michael Trauthig zu erfahren, was sich hinter den Türen der Bischofskonferenz abspielt. Wie transparent kann die katholische Kirche werden, um Vertrauen zu schaffen, ohne dass zu viel Substanz verloren geht? "Wir wollen nach außen hin mit einer Stimme sprechen", sagte Fürst. Doch sei viel Verschlossenheit schwierig, weil sie den Eindruck eines "closed shop" weckt. "Wir müssen einen Mittelweg finden, bei dem die Vertraulichkeit gewahrt bleibt."
Differenziert nahm der Bischof auch zum geringen Einfluss der Frauen in der katholischen Kirche Stellung. "Wir haben keine Gleichberechtigung", bekannte er. "Es wird noch sehr lange dauern, bis es in der Diözese Priesterinnen geben wird." Er wehre sich jedoch gegen den Vorwurf, "dass wir in allen Gruppen nur Männer haben sollen". Im Vergleich mit Gemeinderäten komme die Diözese "blendend weg".
Ein weiteres heißes Eisen, Stuttgart 21, blieb ihm ebenso wenig erspart. "Ich rate sehr dazu, dass alles getan wird, um offen miteinander zu sprechen", sagte Fürst. Er unterstütze daher die Vermittlungsbemühungen von Stadtdekan Michael Brock, in den er volles Vertrauen setze. Das bedeute nicht, dass er jedes Wort von diesem unterstreiche, setzte der Bischof mit Blick auf die Kritik Brocks an Ministerpräsident Stefan Mappus hinzu. In der Ortskirche seien viele gegen Stuttgart 21, doch werde er sich nicht für eine Seite aussprechen, weil er dann keine unabhängige Mahnung abgeben könne, im Gespräch zu bleiben. Dann konnten die Leser Fragen stellen, was sie fachkundig und in großer Zahl taten.
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