| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 04. Februar 2012
Gastro
Artikel weiterempfehlen

Bistro "Nem" in Stuttgart-Feuerbach Günstiges Thai-Curry mit Möhren

Thea Bracht, vom 15.02.2010 06:56 Uhr
Nicht raffiniert, aber durchaus ordentlich: Im "Nem" isst man günstig. Foto: Heiss
Nicht raffiniert, aber durchaus ordentlich: Im "Nem" isst man günstig. Foto: Heiss
Feuerbach - Vietnamesisch-chinesische Küche? Wenn Speisen aus mehreren Ländern angeboten werden, ist das meist kein gutes Zeichen. Ein italienischer Pizzabäcker etwa, der auch indische oder mexikanische Gerichte anliefert, überzeugt selten durch herausragende Qualität. Skeptisch steigen wir die Stufen in die erste Etage hoch - und sehen hell gefliesten Boden, einen etwas abgenutzten Teppichboden, Tischläufer aus rotem Wachstuch und eine weiße Decke mit Stuckimitat.

Nicht zu überhören ist der Zimmerspringbrunnen. Hier plätschert das Wasser aus einem Rad von einem Felsen auf den nächsten. Das Ganze ist bunt illuminiert. Eigentlich fehlt nur noch ein riesiges Hologramm an der Wand. Stattdessen staunen wir über eine Fototapete mit sattgrüner Landschaft und ein Ho-Chi-Minh-Portrait.

Das Bistro bietet einen schnellen Service


Was uns hier wohl erwartet? Zumindest ein besonders schneller Service. Der Bistro-Betreiber, der früher als Chemiefacharbeiter in der DDR gearbeitet hat, erscheint sogleich mit der Speisekarte und bringt auch das Thai-Bier Singha (2,50 Euro) und die große Apfelsaftschorle (2,50 Euro) in Windeseile. Dabei sieht er wirklich müde aus. Seit der Eröffnung des Lokals im November 2009 hat das Ehepaar Nguyen quasi ununterbrochen durchgearbeitet. Jeden Tag bedienen und bekochen die beiden ihre Gäste - und das alles mit einer so zurückhaltenden Freundlichkeit, dass man nur staunen kann.

Als wir die Speisekarte durchblättern, fühlen wir uns fast wie in Asien: Schon für 2 Euro bekommt man eine Vorspeise, das Mittagsmenü ab 3,80 Euro. Haben wir in Stuttgart jemals so günstig gegessen? Wir entscheiden uns für eine Gemüsesuppe (2 Euro) und für eine typisch vietnamesische Spezialität: Reispapier, gefüllt mit Reisnudeln, Schweinefleisch und frischem Gemüse (Nem Cuon, 3 Euro). In der Gemüsesuppe schwimmt frisches Gemüse, nur dass die Brühe ein Fleischaroma hat, irritiert uns. Dagegen sind die Nem ordentlich. Kopfsalat und frischer Koriander geben den Reispapierrollen eine frische Note. Schön wäre es nur gewesen, wenn die süße Chilisauce als Dip in einem Extra-Schälchen serviert worden wäre. Stattdessen sind die Rollen fertig damit gewürzt.

Drei Kugeln Eis für 2,50 Euro


Vegetarier haben es in diesem Bistro nicht leicht. Das Angebot ist überschaubar und ein Gericht eindeutig nicht zu empfehlen. Der gebratene Tofu in frischer hausgemachter Tomatensauce (5,90 Euro) ist zu fett - und der Sauce fehlt jede Raffinesse. Pikant gewürzt ist dagegen das Hühnerfleisch mit Thai-Curry und Gemüse (7 Euro). Wer Mini-Auberginen, frisches Thai-Basilikum und andere spezielle asiatische Zutaten erwartet, der muss jedoch mehr Geld ausgeben. Im Nem gibt es eher die günstige Curry-Variante mit Möhren und leider auch Glutamat.

Als Trost gönnen wir uns Eis mit Litschi - drei leckere Kugeln für 2,50 Euro - und gebackene Ananas (2,50 Euro). Am meisten freuen wir uns über die Rechnung - 33,50 Euro für zwei komplette Menüs und mehrere Getränke.

Bistro Nem
, Grazer Straße 27, Stuttgart-Feuerbach, Tel. 0711/50 885033. Geöffnet täglich von 11.30 bis 22.30Uhr.

Bewertung


KÜCHE: * * *

SERVICE: * * * *

AMBIENTE: * *

* * * * * = herausragend, * * * * = überdurchschnittlich, * * * = gut, * * = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.
Weitere Artikel
Kommentare (2)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
OKT
21
11:43 Uhr, geschrieben von Patrick
wir gehen öfter hin
wir (ich und eine Arbeitskollegin) waren bisher immer sehr zufrieden. Vorab gibt es Suppe oder Frühlingsrolle. Die Mittagsgerichte gehen schnell, schmecken gut und sind preisgünstig und man bekommt immer Platz. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen sind immer konstant egal ob man Rind, Schwein, knusprige Ente, Hähnchen oder frittierten Fisch wählt. Das Thaicurry ist schön scharf (aber nicht zu sehr). Gum Po (mit Pilzen) ist nicht so scharf. Wer was besonderes will, sollte die Gerichte mit der "Limettensosse" oder mit dem frischen Kräuternsud aussuchen, das sind Geschmacksrichtungen, die ich noch nicht so kannte und hier kommt auch der frische Thaibasilikum vor (ca. 7,50€). Es gibt auch Gerichte mit "Erdnuss-Soße", die aber nicht so exotisch und nicht sehr scharf schmecken (nicht auf der Mittagskarte). Bis zum Nachtisch sind wir noch nicht vorgedrungen, da waren wir immer schon vorher satt. (und ...den Führer an die Wand zu hängen, ist halt in manchen Ländern noch angesagt, er hängt jetzt weiter hinten um die Ecke).
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
FEB
16
04:31 Uhr, geschrieben von TEW
Zustimmung
Ich kann der Besprechung nur zustimmen: Wenn asiatische oder gar internationale Küche auf einer endlosen Speisekarte angeboten wird, verheißt das meist nichts Gutes. Also, wenn einer Thailändisch oder Vietnamesisch zu kochen verspricht, klingt das schon viel mehr nach einer ernst zu nehmenden Küche
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
Anzeige
 
Groupon Deal in Deiner Stadt!
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement