„Blaubeerblau“ in der ARD Das heitere Hospiz

Von Tilmann Gangloff 

Die ARD setzt ihre Themenwoche „Leben mit dem Tod“ fort. Am Mittwoch läuft im Ersten das Drama „Blaubeerblau“, das sich mit dem Sterben auseinandersetzt – und doch Lust aufs Leben macht.

Unverhofftes Wiedersehen:  Devid Striesow (links) und Stipe Erceg Foto: MDR
Unverhofftes Wiedersehen: Devid Striesow (links) und Stipe ErcegFoto: MDR

Stuttgart - Wenn sich Filme mit Themen von sogenannter gesellschaftlicher Relevanz beschäftigen, folgen sie immer dem selben Muster, ganz gleich, ob es um das Leben mit Behinderung, das Alter oder den Tod geht: Zentrale Figuren der Handlung sind selten die Betroffenen selbst, sondern Menschen in der Blüte ihres Daseins, die erstaunt und erschüttert eine völlig neue Welt kennenlernen. Diese Welt funktioniert nach anderen Regeln, und weil die Zaungäste mehr und mehr zu teilnehmenden Beobachtern werden, machen sie eine Wandlung durch.

Ursächlicher Grund für dieses Strickmuster ist naturgemäß die Tatsache, dass sich die überwältigende Mehrheit der Zuschauer lieber mit gesunden jungen Menschen identifiziert als mit Alten und Kranken. Selten vollzieht sich der Sinneswandel allerdings so radikal wie bei Fritjof, dem Antihelden von „Blaubeerblau“, des sensibel erzählten Fernsehfilms von Beate Langmaack (Buch) und Rainer Kaufmann (Regie), den die ARD im Rahmen der Themenwoche „Leben mit dem Tod“ zeigt.

Mindestens ebenso viel Lob wie den beiden Filmemachern gebührt Devid Striesow, der Fritjof mit Unschuldsmiene als beinahe weltfremden Toren verkörpert: Der Architekt ist zwar längst kein junger Mann mehr, aber derart weit davon entfernt, im Leben angekommen zu sein, dass man sich fragt, wie er wohl die hübsche Freundin (Lisa Maria Potthoff) kennengelernt hat. Eines Tages bittet ihn seine Chefin (Dagmar Manzel), die Räumlichkeiten in einem Hospiz auszumessen. Als er erfährt, welche Art Einrichtung sich hinter dem Begriff verbirgt, weigert er sich zunächst, führt den Auftrag dann aber doch aus, wenn auch mit großen Berührungsängsten. Im Hospiz trifft er auf Hannes (Stipe Erceg), einen früheren Mitschüler. Das Wiedersehen mit dem Sterbenden, der einst die besten Partys schmiss, während Fritjof schon immer das Mauerblümchen war, nimmt dem Architekten nicht nur die Befangenheit im Umgang mit dem Tod, sondern verschafft ihm unverhofft auch das als Jugendlicher vergeblich erträumte Erlebnis mit Hannes’ attraktiver älterer Schwester (Nina Kunzendorf).

Tierische Sterbebegleitung

Immer wieder durchsetzen Kaufmann und sein Stammkameramann Klaus Eichhammer den Film mit optisch leicht verfremdeten Momenten. Meist zeigen sie dabei Singvögel, mit denen der Hobby-Ornithologe Fritjof einfach mehr anfangen kann als mit seinen Mitmenschen. Regelrecht skurril und trotzdem nur nuanciert überspitzt wirken seine Eltern (Margit Bendokat, Herbert Mulzer), deren Kauzigkeit immerhin erklärt, warum Fritjof so merkwürdig ist, wie er ist. Hannes’ Kindheitserinnerungen erscheinen ebenfalls in diesem speziellen Licht. Auch das geschieht selbstredend nicht ohne Grund und führt schließlich dazu, dass wohl erstmals in der Hospizgeschichte eine Kuh die Sterbebegleitung übernimmt.

Initiator der Geschichte ist der Fernsehproduzent und frühere Talkshow-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt, der vor vielen Jahren einen Freund in einem Hospiz besucht hat und überaus angetan war von der positiven, lebensbejahenden Atmosphäre. Damals hat er sich vorgenommen, einen Film auf den Weg zu bringen, der das Thema Sterben mit einer gewissen Heiterkeit betrachtet und beim Zuschauer Lebensmut und Lebenslust weckt. Beate Langmaack und Rainer Kaufmann haben dies zusammen mit Devid Striesow auf vorbildhafte Weise umgesetzt.

ARD, 20.15

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1 KommentarKommentar schreiben

Dankeschön: Ich durfte diesen Film durch Zufall sehen und bin noch immer ganz gerührt und beeindruckt von der Art, mit dem sensiblen Thema Sterben umzugehen. Wunderbare Bilder und tolle Schauspieler beeindrucken und ziehen den Zuschauer auf sanfte Art in ihren Bann. Da ich beruflich mit diesem Thema verbunden bin, weiß ich, wie wichtig es für uns Menschen ist, in der letzten Lebensphase nicht allein zu sein. Auch die Sterbeszene fand ich sehr intensiv. Meine wesentlich jüngere Schwester ist in diesem Jahr leider ganz plötztlich an Krebs gestorben und seitdem genieße ich jeden Schritt in der Natur, dass ich noch gesund bin und mit allen Sinnen fühlen kann. Ein Dankeschön an die Menschen, die mir mit diesem Film eine große Freude gemacht haben.

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