Blautopf in Blaubeuren
Eine Wunderwelt zum Greifen nah
Rüdiger Bäßler,
16.04.2010 15:11 Uhr
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Der Quelltopf des Flusses Blau birgt ein riesiges Höhlensystem. Foto: Heinz Heiss
Blaubeuren - Die gelungene Bohrung zum "Stairway to heaven" vom Montag war allemal eine Pressekonferenz wert. Der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold hatte dazu geladen, um zu betonen, dass er und der Gemeinderat nun entschlossen "den Weg zur Schauhöhle" beschreiten wollen. Schließlich habe sich durch den neuen Einstieg ins Höhlensystem von Landseite aus die "Wunderwelt" des Blauhöhlensystems neu aufgetan. 70.000 Euro hat sich die Stadt das gut 17 Meter tiefe Bohrloch kosten lassen, in das eine 4,5 Tonnen schwere Stahlröhre mit einer innenliegenden Leiter eingelassen wurde. Das Ingenieurbüro Hundhausen soll nun eine Machbarkeitsstudie zum Bau einer Schauhöhle erstellen und erkunden, ob der abfallende Stairway to heaven, der bis zum Mörikedom führt, auch vom Publikum sicher begangen werden kann.
Erst wenn die Studie vorliegt, wird sich der Blaubeurer Gemeinderat mit den nächsten Fragen beschäftigen: Wer könnte eine solche Schauhöhle später betreiben? Wie könnten Touristen am besten zum Einstieg gelangen, wo könnten sie parken? Wo überhaupt genau könnte der Eingang einer Schauhöhle geschaffen werden? Bürgermeister Seibold hält die neue Bohrstelle wegen ihrer direkten Nachbarschaft zur Bundesstraße 28 für kaum geeignet.
Völlig offen ist die Frage der Finanzierung einer solchen Baumaßnahme. Damit beschäftige man sich vorerst nicht, sagte der Bürgermeister. Beispiele aus anderen Städten oder Gemeinden gibt es kaum. Seibold steht im Kontakt mit Verantwortlichen der hessischen Gemeinde Breitscheid, auf deren Gemarkung ebenfalls ein seit 1993 erkundetes Höhlensystem liegt. Im Mai vergangenen Jahres konnte ein Teil des unterirdischen Systems als Schauhöhle zugänglich gemacht werden.
Möglicherweise brauche er ein halbes Jahr für seine Studie, sagte Ingenieur Hundhausen. Schon jetzt ist er sicher: "Wir werden in einen neuen Abschnitt der Höhlenforschung vordringen." Das glaubt auch Jochen Malmann, Vorsitzender der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Blautopf und neben Andreas Kücha einer der wesentlichen Entdecker der vergangenen Jahre. Nur fünf der 20 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft hätten aufgrund ihrer Tauchausbildung bisher die Möglichkeit gehabt, in die Blauhöhle vorzudringen. "Jetzt haben auch die anderen die Chance."
Knapp fünf Kilometer hinter dem Blautopf endet der Haupthöhlenweg bisher an einem Versturz. Darüber aber sähe man "gigantische Schächte, die nach oben führen", beschrieb am Donnerstag Andreas Kücha. Kletterer mit Seilen und Haken könnten nun gezielten Anlauf auf diese Umgehung nehmen. Mit der Taucherei wird es indessen nicht vorbei sein. Zwar hebt sich bei 1900 Meter der Höhlenweg im Erdinnern aus dem Wasser, doch darunter, quasi eine Etage tiefer, fließt das Wasser durch unbekannte Windungen. Dort und an anderen Stellen wollen Malmann und Kücha ihre Erkundungen mit schwerem Tauchgerät fortsetzen. Kücha interessiert sich besonders für einen großen, dunklen Siphon in der "Halle des verlorenen Flusses". Den verschlungenen, unerkundeten Seitenarmen des Höhlensystems kann künftig deutlich mehr Zeit als bisher gewidmet werden.
Wohl nicht immer werden die Taucher den neuen Einstieg benutzen. Er kürze zwar den Höhlenweg um zweieinhalb Kilometer ab, sagte Jochen Malmann, doch es werde anstrengend, die schwere Atemausrüstung die Stahlröhre hinabzuschaffen. Den Wasserweg zum Mörikedom dagegen schaffen er und Kücha nach zwölf Jahren Erfahrung in 45 bis 60 Minuten.
Die Blauhöhle als Schauhöhle? Vieles ist noch unklar.
Erst wenn die Studie vorliegt, wird sich der Blaubeurer Gemeinderat mit den nächsten Fragen beschäftigen: Wer könnte eine solche Schauhöhle später betreiben? Wie könnten Touristen am besten zum Einstieg gelangen, wo könnten sie parken? Wo überhaupt genau könnte der Eingang einer Schauhöhle geschaffen werden? Bürgermeister Seibold hält die neue Bohrstelle wegen ihrer direkten Nachbarschaft zur Bundesstraße 28 für kaum geeignet.
Machbarkeitsstudie soll touristische Nutzung überprüfen
Völlig offen ist die Frage der Finanzierung einer solchen Baumaßnahme. Damit beschäftige man sich vorerst nicht, sagte der Bürgermeister. Beispiele aus anderen Städten oder Gemeinden gibt es kaum. Seibold steht im Kontakt mit Verantwortlichen der hessischen Gemeinde Breitscheid, auf deren Gemarkung ebenfalls ein seit 1993 erkundetes Höhlensystem liegt. Im Mai vergangenen Jahres konnte ein Teil des unterirdischen Systems als Schauhöhle zugänglich gemacht werden.
Möglicherweise brauche er ein halbes Jahr für seine Studie, sagte Ingenieur Hundhausen. Schon jetzt ist er sicher: "Wir werden in einen neuen Abschnitt der Höhlenforschung vordringen." Das glaubt auch Jochen Malmann, Vorsitzender der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Blautopf und neben Andreas Kücha einer der wesentlichen Entdecker der vergangenen Jahre. Nur fünf der 20 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft hätten aufgrund ihrer Tauchausbildung bisher die Möglichkeit gehabt, in die Blauhöhle vorzudringen. "Jetzt haben auch die anderen die Chance."
Gigantische Schächte und lange Seitenarme locken die Taucher
Knapp fünf Kilometer hinter dem Blautopf endet der Haupthöhlenweg bisher an einem Versturz. Darüber aber sähe man "gigantische Schächte, die nach oben führen", beschrieb am Donnerstag Andreas Kücha. Kletterer mit Seilen und Haken könnten nun gezielten Anlauf auf diese Umgehung nehmen. Mit der Taucherei wird es indessen nicht vorbei sein. Zwar hebt sich bei 1900 Meter der Höhlenweg im Erdinnern aus dem Wasser, doch darunter, quasi eine Etage tiefer, fließt das Wasser durch unbekannte Windungen. Dort und an anderen Stellen wollen Malmann und Kücha ihre Erkundungen mit schwerem Tauchgerät fortsetzen. Kücha interessiert sich besonders für einen großen, dunklen Siphon in der "Halle des verlorenen Flusses". Den verschlungenen, unerkundeten Seitenarmen des Höhlensystems kann künftig deutlich mehr Zeit als bisher gewidmet werden.
Wohl nicht immer werden die Taucher den neuen Einstieg benutzen. Er kürze zwar den Höhlenweg um zweieinhalb Kilometer ab, sagte Jochen Malmann, doch es werde anstrengend, die schwere Atemausrüstung die Stahlröhre hinabzuschaffen. Den Wasserweg zum Mörikedom dagegen schaffen er und Kücha nach zwölf Jahren Erfahrung in 45 bis 60 Minuten.
Die Blauhöhle als Schauhöhle? Vieles ist noch unklar.
Forscher
Nicht nur die Arge Blautopf befasst sich mit der Erkundung der Blauhöhle. Beispielsweise sind auch Enthusiasten der Arge Blaukarst oder des Höhlenvereins Blaubeuren aktiv. Auch die Gruppe um den querschnittsgelähmten Jochen Hasenmayer existiert noch.Zugang
Die Erdbacher Höhlen in Hessen sind 96 Meter tief und verfügen über eine Schauhöhle. Auch der Carlsbad-Caverns-Nationalpark im US-Bundesstaat New Mexico ist öffentlich zugänglich. Allerdings handelt es sich um Systeme ohne Wasserführung.Studien
Der Stairway to heaven wird nun auf seine touristische Eignung untersucht. Bei der Vetterhöhle, seit 2006 mit der Blauhöhle verbunden, ist das schon geschehen. Ergebnis: auch dort könnte, mit Einschränkungen, ein Schauhöhleneingang entstehen.
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WunderWelten in Friedrichshafen
Mir ist gerade der Titel Ihres Artikels aufgefallen! Beim WunderWelten-Festival am 6. November in Friedrichshafen zeigen die Experten der Arge Blautopf Ihren aktuellen Vortrag über den Blautopf - wirklich passend! :)
Nur weiter so
Aha. Es soll also erkundet werden, "ob der abfallende Stairway to heaven, der bis zum Mörikedom führt, auch vom Publikum sicher begangen werden kann." Wie schön. Noch schöner wäre es allerdings gewesen zu lesen, dass vorab eine Studie erstellt wird, die prüft, ob die "Wunderwelt" des Blauhöhlensystems als Schauhöhle nicht einen unwiderbringlichen Schaden nimmt und über kurz oder lang zerstört wird. (Die Bärenhöhle etwa vermittelt ja einen Einruck davon.) Aber dies dürfte, zumal in Zeiten kommunaler Finanznöte, ja nur ein altmodischer, frommer Wunsch sein ... Wir leben ja schließlich nur heute, nicht wahr.