BMW Einfach mal abschalten
Paul-Janosch Ersing, 10.02.2012 13:32 Uhr
Äußerlich ist die Hybridversion nur durch Schriftzüge vom konventionellen 5er-BMW zu unterscheiden. Foto: Hersteller
Äußerlich ist die Hybridversion nur durch Schriftzüge vom konventionellen 5er-BMW zu unterscheiden. Foto: Hersteller

Lautloses Anfahren gilt dieser Tage als besonders beeindruckende Zurschaustellung innovativer Automobiltechnik. Nicht selten gucken Passanten dem von einem summenden Elektromotor angeschobenen Auto verdutzt hinterher und freuen sich gleichermaßen über die Stille sowie die ausbleibenden Abgase. Fahrerinnen und Fahrer des Toyota Prius – dem Pionier unter den Hybriden – zelebrieren die geräuscharme Abfahrt vom Parkplatz bereits seit 1997, jetzt legen auch die deutschen Autobauer nach. Während BMW für die Hybridversionen von X6 und 7er noch einen Achtzylinder mit Elektroantrieb kombinierte, arbeitet unter der Haube des ab März lieferbaren Active-Hybrid 5 der aus dem 535i bekannte Reihensechszylinder mit 225 kW (306 PS). Der Normverbrauch von 6,4 Litern (mit speziellen Leichtlaufreifen) unterbietet den Wert des Modells ohne die Hybridtechnik um 1,2 Liter je 100 Kilometer. Zusammen mit dem direkt ans Getriebe anschließenden Elektromotor kommt der Hybrid-5er auf eine Systemleistung von 250 kW (350 PS).

"Ready" und der Wagen ist abfahrbereit

Beim Druck auf den Startknopf tut sich vergleichsweise wenig. Anstelle des Geräuschs eines anspringenden Motors vernimmt man lediglich das Klacken einiger Relais und das leise Rauschen der Klimaanlage. Ready – dieses einfache Wörtchen zeigt bläulich leuchtend an, dass der Wagen abfahrbereit ist. Sobald das Gaspedal betätigt wird, setzt er sich in Bewegung. Der große Bildschirm auf der Armaturentafel liefert grafisch aufbereitete Informationen über den aktuellen Energiefluss. Wenn der Elektromotor die Räder allein antreibt, sprudeln blaue Linien von der stilisierten Batterie zur Hinterachse; sobald sich der Verbrenner zuschaltet, wechselt die Farbe auf Rot.

Rein elektrisches Fahren ist bei behutsamer Beschleunigung bis Tempo 60 möglich – mit vollem Akku kommt der Hybrid-5er bei einem Durchschnittstempo von 35 km/h theoretisch bis zu vier Kilometer weit. Weil eine derart bewusste Fahrweise auf öffentlichen Straßen kaum möglich ist, ist es kein Wunder, wenn bei Bedarf der Sechszylinder automatisch anspringt. Da er das ausgesprochen unauffällig tut, bekommt man es oftmals gar nicht mit. Hätten die Entwickler auf die grafische Darstellung des Energieflusses auf dem Bildschirm verzichtet, wäre die jeweils aktive Antriebsart kaum zu erraten. Der Verbrennungsmotor schaltet sich im Übrigen unterhalb von 160 km/h immer dann ab, wenn er nicht gebraucht wird: bei Rückenwind oder auf einer Strecke mit Gefälle, beim entspannten Ausrollen oder im Stillstand.

Für alle, die gerne lautlos und abgasfrei ankommen

Eine interessante Neuerung, an der auch die anderen deutschen Autobauer tüfteln, ist das sogenannte vorausschauende Energiemanegement: Die Leistungselektronik – das ist quasi die Schaltzentrale der Hybridtechnik – arbeitet Hand in Hand mit dem bordeigenen Navigationssystem. So lassen sich zukünftige Fahrsituationen wie beispielsweise ein langes Gefälle vorhersehen, auf dem der Akku durch die Bremsenergierückgewinnung kräftig aufgeladen wird – die Elektronik bereitet dann das Auto darauf vor, indem direkt vor der Gefällstrecke möglichst viel elektrisch gefahren wird und der Akku fast leer ist. Die sich dadurch ergebende Möglichkeit, rechtzeitig vor Erreichen des Fahrtziels einen vollständig geladenen Stromspeicher zu haben, wird all jene freuen, die gerne lautlos und abgasfrei ankommen.

Doch der Active-Hybrid 5 kann nicht nur elektrisch durch Wohngebiete rollen. Das Zusammenspiel der beiden Antriebsarten wird bei spontanen Spurts besonders deutlich: Dank der Boost-Funktion, bei der sich der drehmomentstarke Elektromotor zum spritzigen Benziner gesellt, beschleunigt das 1,9 Tonnen schwere Gefährt in 5,9 Sekunden von null auf hundert. Der BMW 535i – das Referenzmodell mit konventionellem Antrieb – erreicht zwar den gleichen Wert, ist jedoch 150 Kilogramm leichter. Hybrid-Kundschaft erwarten die Münchner vor allem in Japan und den USA, hierzulande dürfte der stolze Preis von 62900 Euro wohl nur Technik-Enthusiasten und Diesel-Feinde in die Autohäuser locken. Zum Vergleich: Der 535i kostet mit gleicher Ausstattung rund 4500 Euro weniger.

Kommentare (0)
Autor*
Betreff*
Ihr Kommentar*
Optionale Felder
Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Zeitung. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Email-Adresse (wird nicht veröffentlicht)
Anschrift