Böblingen Kreativ gegen Fachkräftemangel

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Weil der Markt für Intensivpfleger leer ist, bildet der Klinikverbund Südwest nun die Leute selbst aus. Damit ist er gemeinsam mit München bundesweit Vorreiter

Sarah Binder (rechts) Foto: factum/Granville
Sarah Binder (rechts)Foto: factum/Granville

Böblingen - Händeringend suchen landauf, landab die Kliniken und Heime nach geeigneten Personal. Deshalb hat der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in dieser Woche den Pflegenotstand im Land zu einem großen Thema gemacht: Am Donnerstag trafen sich Experten und Politiker in Berlin auf einem vom Bund ausgerichteten Kongress.

Vielleicht lohnt sich für den Minister auch ein Blick in den Kreis Böblingen. Denn dort hat der Klinikverbund Südwest, zu dem Kliniken in den Kreisen Calw und Böblingen gehören, das Problem bereits angepackt. Weil der Verbund nicht genügend Fachkräfte für seine Intensivstationen findet und diese deshalb zum Teil geschlossen werden müssen, entschloss sich die Geschäftsführung, selbst Leute auszubilden. Und so entstand vor anderthalb Jahren ein neuer Ausbildungsweg, der in drei Jahren zur Intensivpflegekraft führt.

Böblingen ist nun einer von bundesweit zwei Standorten – der andere ist München –, an denen es diese Ausbildung gibt. Normalerweise dauert sie sieben Jahre: Zunächst muss die dreijährige Grundausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert werden. Frühestens zwei Jahre nach dem Examen dürfen die Pfleger dann die Fortbildung zum Intensivpfleger beginnen, zuvor müssen sie noch sechs Monate auf einer Intensivstation arbeiten.

Nun hat die Krankenpflegeschule des Klinikverbunds, die am Böblinger Krankenhaus angesiedelt ist, die Inhalte aus der Grundausbildung und der Fortbildung komprimiert. Im ersten Jahr lernen die Schüler den ganz normalen Krankenhausbetrieb auf verschiedenen Stationen kennen. Vom zweiten Jahr an konzentriert sich die Ausbildung auf die Intensivpflege. Die Schüler verbringen ihre Praxiszeiten dann ausschließlich auf den Intensivstationen.

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Schmalspur-Ausbildung: ... und jede/r mit einem Deutschkurs kann in Zukunft als Journalist arbeiten !! Dann spart der Steuerzahler, den indirekt jeden Studienplatz mit finanziert viel Geld. Das ganze ist nämlich nicht "kreativ gegen Fachkräftemangel", sondern völliger Quark ! Es hat durchaus seinen Sinn, daß die Aus- und Weiterbildung 7 Jahre dauert, z.B eine differenzierte Krankenbeobachtung, das Verknüpfen, Erkennen und adäquate reagieren können bei lebensbedrohlich erkrankten oder verletzten Menschen. Dazu gehört eine enorme psychische Stabilität, die durch Übung und berufliche Sicherheit erworben wird - in lebensbedrohlichen Situationen, zB einer Reanimation, ruhig und schnell zu handeln. Diese Schmalspur-Ausbildung ersetzt keine "Fachkraft für Intensiv und Anästhesie", sondern soll dieser zuarbeiten. So ist das auch in Böblingen gedacht. Der eigentliche Sinn ist natürlich, daß diese auch billiger ist, obwohl das Gehalt für eine "richtige" Intensivfachkraft bestimmt auch nicht üppig ist. Vielleicht sollte man aber da mal einen Hebel ansetzen, dann würde es auch keinen Mangel geben: Arbeitszeiten, maximales auspowern durch extremen Personalmangel, Gehalt, Hierarchien, Leistungsdruck ohne Ende, auch das Personal leidet unter resistenten Keimen, die zB durch die massiv eingesetzten Antibiotika in der Industrie prächtig gedeihen. Keine einhaltbaren Dienst- und Urlaubspläne, da das Personal fehlt. Fachweiterbildungen, die zu 50 % in der Freizeit absolvierte werden müssen - trotz 3-Schicht und Wochenenddienst......

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