Böblingen/Renningen S 60: Pro Tag10 000 Fahrgäste

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Die neue Linie, die vor knapp zwei Jahren in Betrieb ging, erweist sich als Renner: Manche Züge sind regelmäßig überfüllt. Zusätzlich fährt nun parallel ein Bus.

Morgens um 7.23 Uhr am Sindelfinger Bahnhof ein gewohntes Bild:  Pendler und Schüler drängen sich  am Bahnsteig, wo die S 60  nach Böblingen einfährt. Foto: factum/Bach
Morgens um 7.23 Uhr am Sindelfinger Bahnhof ein gewohntes Bild: Pendler und Schüler drängen sich am Bahnsteig, wo die S 60 nach Böblingen einfährt.Foto: factum/Bach
Böblingen/Sindelfingen/Renningen - Noch keine zwei Jahre ist es her, dass die S-Bahn-Linie 60 zwischen Renningen und Böblingen in Betrieb gegangen ist. Schon jetzt reicht ihre Kapazität in Spitzenzeiten nicht immer aus. Es werden die ersten Zusatzbusse parallel zur Bahn eingesetzt. Jürgen Wurmthaler, der Direktor für Wirtschaft und Verkehr beim Verband Region Stuttgart zieht eine Bilanz.
Herr Wurmthaler, die S 60 läuft offenbar besser als erwartet.
Ja, die S 60 ist gut angelaufen und wir sehen bei den Fahrgastzahlen noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.
Morgens reicht die Kapazität offenbar nicht aus. Dann brauchen Sie Zusatzbusse.
Im Moment wird ein Bus morgens um kurz nach 7 Uhr zwischen Maichingen und Böblingen eingesetzt. Dann ist die S-Bahn so voll, dass die Befürchtung besteht, dass der eine oder andere nicht mehr mitkommt.
Wie viele Leute fahren dann mit?
Knapp 400 sind es im Schnitt, mal etwas mehr, mal etwas weniger.
Warum verlängern Sie nicht einfach die Bahn und hängen noch einen weiteren Waggon an?
Das geht nicht, weil die S-Bahn ja in Renningen entkoppelt und getrennt wird. Ein Wagen fährt nach Böblingen, zwei fahren nach Weil der Stadt. Und weil der Takt von Weil der Stadt nach Stuttgart höher ist als der der Linie Renningen/Böblingen, kann man die S 60 nicht einfach verlängern. Notwendig wäre eine erhebliche Systemumstellung.
Wie viele Fahrgäste haben sie insgesamt auf der Strecke der S 60?
Im Schnitt fahren am Tag knapp 10 000 Personen zwischen Böblingen und Renningen mit, manche die ganze Strecke, manche eine Teilstrecke.
Entspricht das den Prognosen ?
Bei den Prognosen gingen wir davon aus, dass die S 60 insgesamt 15 000 Fahrgäste mehr ins S-Bahn-Netz bringt – nicht nur in den Zügen der Linie selbst. Und das haben wir bereits jetzt erreicht, wenn wir dazurechnen, dass wegen der S 60 auch die Züge zwischen Renningen und Leonberg verlängert werden.
Also ist die Kapazität bereits ausgeschöpft?
Nein, wir sehen durchaus noch Zuwachsmöglichkeiten. Und wir sind sicher, dass die Zahlen weiter steigen, wenn erst einmal die Wohngebiete in Maichingen und auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen fertig aufgesiedelt sind.
Droht bei der S 60 bald schon Ähnliches wie bei der Schönbuchbahn, die nun ausgebaut werden muss, weil die Kapazität nicht ausreicht?
Mittelfristig sehe ich das nicht. Die langfristige Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab: von der Entwicklung der Einwohnerzahlen und der Arbeitsplätze.
Wie ist die Situation insgesamt bei der S-Bahn in der Region ?
Wir haben generell einen Zuwachs. Die Fahrgastzahlen steigen nicht nur durch die neue Linie S 60 und die Verlängerung der S 1 nach Kirchheim, sondern auch auf bestehenden Strecken wie der S 3 in Richtung Messe/Flughafen.
Woran liegt das?
Das liegt an verschiedenen Faktoren. So nutzen viele Menschen mittlerweile nicht nur die Bahn als Pendler zur Arbeit, sondern auch in ihrer Freizeit. Die längeren Ladenöffnungszeiten am Wochenende tragen dazu bei und die Parkplatznot in den Städten. Trotzdem müssen wir auch beim Freizeitverkehr noch besser werden: Unser Ziel ist eine gleichmäßige Auslastung der Züge auch außerhalb der Spitzenzeiten.
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