Böblinger Einkaufszentrum Mieter kritisieren Zustände im Center

Von  

Einige Geschäftsinhaber behalten die Miete ein, weil das Einkaufszentrum zunehmend verfällt. Sie würden komplett im Dunkeln gelassen über die künftigen Entwicklungen, beklagen sie. Die Immobilienverwaltung schweigt dazu.

Die nächste Schließung: das Modegeschäft der Familie Nawaz. Foto: factum/Weise
Die nächste Schließung: das Modegeschäft der Familie Nawaz. Foto: factum/Weise

Böblingen - Mehmet Gözeri knallt die Briefe auf den Tisch. Der Imbissbetreiber hat Schulden: Fast 25 000 Euro soll er für sein Geschäft im Böblinger City-Center an Miete nachbezahlen, rechnete der Immobilienverwalter aus. „Sie haben mit Kündigung gedroht“, sagt Mehmet Gözeri und lacht. Denn eine Kündigung wäre ihm sehr willkommen, sein Mietvertrag in dem Einkaufszentrum läuft noch bis ins Jahr 2017. Dabei verdient er mit seinem Kebab-Laden praktisch kein Geld mehr. Aber die Drohung hat sich genauso in Luft aufgelöst wie viele andere Versprechen, die dem Gastronomen in den vergangenen acht Jahren gemacht worden sind. Deshalb behält er seine Miete ein – wie auch andere Geschäftsinhaber im City-Center.

Einen dreiseitigen Brief haben die zehn Einzelhändler im April an die Firma CR Investment Management in München geschickt. Es war nicht der erste. „Es kommen fast keine Kunden mehr ins Center“, schreiben sie darin, und dass sich das Einkaufszentrum in einem nicht mehr tragbaren Zustand befinde. Das Parkhaus sei marode, Rolltreppen und Aufzüge würden immer wieder kaputt gehen, wegen alter Rohre komme es ständig zu Wasserschäden. „Wir werden komplett im Dunkeln belassen, wie es mit dem Center weitergeht“, kritisieren sie. Von dem Unternehmen gibt es dazu und zu anderen Fragen keine Stellungnahme.

„Wir sind froh, wenn es vorbei ist“

Die Familie Nawaz hat die Konsequenz gezogen: An ihrem Geschäft Young Fashion kündigt ein Schild die Schließung an – nach zwölf Jahren. Im Laden nebenan läuft der Verkauf bis höchstens Ende des Jahres. „Wir sind froh, wenn es vorbei ist“, sagt Hayra Nawaz. Seit der Eröffnung der Mercaden würden sie nur Verluste machen. „Wir würden gerne bleiben“, sagt dagegen Herta Westphal vom Frisör Klein. Die Stammkunden sind dem Betrieb treu geblieben. „Es ist traurig, dass es so den Bach hinunter geht“, sagt die Angestellte, die seit 29 Jahren in dem Einkaufszentrum Haare schneidet. Geschäftsschädigend findet sie das Verhalten des Immobilienverwalters. „Die Kunden fragen jeden Tag, ob bald etwas passiert“, sagt Salim Bitlice. Mit seinem Schuh- und Schlüsselservice hat er theoretisch noch zweieinhalb Jahre im City-Center vor sich. Allerdings kann er von seinem Geschäft kaum leben.

Mit der Modekette H&M, dem Schuhladen Reno und Fielmann-Brillen sind die großen Frequenzbringer in das Mercaden gezogen. Von den Filialisten sind momentan die Telekom, die Schreibwarenkette McPaper, der Textildiscounter Kik, der Drogerist Rossmann, der Ein-Euro-Shop Tedi und Baby Walz verblieben. Sie beteiligen sich nicht an der Aktion Mehmet Gözeris und seiner Kollegen. Der Lebensmittelhändler Rewe übt allerdings die gleiche Kritik: Die Lage sei nicht zufriedenstellend, teilt Susanne Amann mit, eine Pressesprecherin des Unternehmens. Der Supermarkt belegt im Erdgeschoss des City-Centers 1800 Quadratmeter. Weil die Immobilie in die Jahre gekommen sei und es viel Leerstand gebe, sei die Frequenz der Kunden rückläufig, so Amann weiter. „Die Attraktivität des Einkaufszentrums ist nicht mehr gegeben, Sanierungsarbeiten sind aus unserer Sicht dringend erforderlich.“

Keine Mieter, keine Modernisierung

In der benachbarten Ara-Passage geht es jedoch genau so wenig voran. Dort ist neben C&A mit dem Textildiscounter Zeeman praktisch nur ein Mieter übrig. Zur Eröffnung der Mercaden hatte die Württembergische Lebensversicherung, der die Immobilie gehört, eine Sanierung angekündigt. Die Gestaltungspläne liegen vor. Deren Umsetzung hänge aber von der künftigen Vermietung ab, „welche bei Gewerbeflächen komplex sein kann und ihre Zeit dauert“, teilt die Pressesprecherin Katja Bäcker-Wittke schriftlich mit. Da die Gespräche mit potenziellen Mietern bisher nicht zum Abschluss gekommen seien, sei die Modernisierung nicht vorgenommen worden. Das City-Center ist dabei ebenso wenig eine Hilfe wie das Mercaden: „Die benachbarten Center haben zur Entwicklung der Ara-Passage nicht beigetragen“, schreibt Katja Bäcker-Wittke.

Mehmet Gözeri hat schon viel gehört – vom Abriss bis zur Renovierung. „Passiert ist nichts“, schimpft der Imbissbetreiber und zeigt auf die Briefe von CR Investment Management. „Und bei der Miete machen sie nicht einmal einen Kompromiss.“