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Böblinger Landratsamt Fassade energetisch runderneuert

Günter Scheinpflug, 26.12.2012 17:21 Uhr

Böblingen - Die Kreisräte haben es jetzt schwarz auf weiß: Die Kosten für die Sanierung des Landratsamts belaufen sich auf rund sieben Millionen Euro. Die Renovierung wird damit um etwa 600 000 Euro teurer als geplant. Schuld daran ist die zeitaufwendige Entsorgung von

Es hätte schlimmer kommen können Arta Dittmar, Kreisdezernent, über den Schadstofffund

gesundheitsgefährdender Glasfaserwolle, die unerwartet unter Decken und Brüstungen gefunden worden ist. Die im Jahr 2009 begonnene Renovierung ist nun aber beendet: Die Gebäude sind mit einer Metallhülle verpackt und wärmeisoliert worden. Die Behörde will damit rund 55 000 Euro Heizöl im Jahr sparen.

Arbeiter stoßen auf gesundheitsgefährdende Mineralwolle

„Im letzten Bauabschnitt im vergangenen Frühsommer sind die Arbeiter auf das gefährliche Material gestoßen“, erklärte der Kreisdezernent Arta Dittmar. Zunächst seien die zusätzlichen Kosten nicht genau zu beziffern gewesen. „Es hätte schlimmer kommen können“, resümierte Dittmar. Dass die Beseitigung der Mineralwolle das Ende der Bauarbeiten nun um rund ein halbes Jahr verzögert hat, bezeichnete der Kreisdezernent dennoch als „insgesamt zufriedenstellend“.

Die alten Isolierstoffe hatten im Landratsamt für Aufregung gesorgt. „Die winzig kleinen Fasern hätten eingeatmet werden können. Von der Lunge werden sie nicht schnell genug abgebaut“, sagte Dittmar. Zum Schutz der Mitarbeiter waren in dem Erweiterungsbau aus dem Jahr 1992 Evakuierungsmaßnahmen durchgeführt worden. Auch die Arbeiter hatten sich vor der gefährlichen Wolle in Acht nehmen müssen und waren mit Mundschutz zu Werke gegangen. Das Isoliermaterial hatte sich im Decken-, Stützen- und Brüstungsbereich befunden und war aus Brandschutzgründen verwendet worden. „Vor 20 Jahren hatte das Dämmmaterial noch den gängigen Vorschriften entsprochen“, so Dittmar.

Während der Arbeiten mussten die Büros Stück für Stück geräumt werden. 50 Mitarbeiter des Verkehrsamts, der Bau- und Gewerbeaufsichtsbehörde und des Prüfungsamts wurden vorübergehend in anderen Räumen untergebracht. Die Bereiche, in denen die Glasfaser entsorgt werden musste, wurden mit Folie abgedichtet. Das eigene Gewerbeaufsichtsamt war mit der Kontrolle beauftragt worden. Das giftige Material wurde sukzessive auf eine Sondermülldeponie transportiert, was die Kosten zusätzlich in die Höhe trieb.

Um künftig Heizkosten zu sparen, wurden auch zahlreiche Fensterpartien erneuert, sodass die insgesamt 1800 Quadratmeter Fassade den energetischen Anforderungen von heute entsprechen. Die ersten zwei Behördengebäude waren 1976 und 1986 errichtet worden. Viele Fenster hatten zuletzt geklemmt und waren undicht.

Als Zuschuss für die Wärmeisolierung flossen 300 000 Euro. Den Rest muss der Kreis selbst finanzieren. Aus dem Konjunkturprogramm des Bundes hatte er kein Geld erhalten, weil das Renovierungsvorhaben vor der finanziellen Hilfe des Bundes in Angriff genommen worden war. Einige Kreisräte hatten das teure Projekt kritisiert. Allen voran Wilfried Dölker, der Fraktionschef der Freien Wähler. Er wies darauf hin, dass sich die neue Fassade im Hinblick auf die geringeren Heizkosten wohl erst in weit mehr als hundert Jahren amortisiere.