InterviewBöblinger Schießlärm „Unmut der Bürger ist angekommen“

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Um die Bürger vom Schießlärm zu entlasten, schlägt der Oberbürgermeister Lützner einen Zuschuss an die US-Army vor.

Der Böblinger Oberbürgermeister Wolfgang Lützner will den schießlärmgeplagten Bürgern helfen. Foto: factum
Der Böblinger Oberbürgermeister Wolfgang Lützner will den schießlärmgeplagten Bürgern helfen. Foto: factum

Böblingen - Der Böblinger Oberbürgermeister Wolfgang Lützner hofft auf eine schnelle Lösung am Schießstand der US-Army, über dessen Lärm Anwohner seit Jahren klagen. Er möchte, dass die Stadt sich mit 300 000 Euro an den Kosten für den Lärmschutz beteiligt. Am Donnerstag berät der Finanzausschuss des Gemeinderats darüber. Was Lützner sich davon erhofft, erzählt er uns im Interview.

Herr Lützner, der Unmut vieler Böblinger ist groß. Sie haben den Eindruck, dass sich beim Schießlärm nichts bewegt und machen dafür auch die Stadt Böblingen verantwortlich, die sich nicht genügend einsetze.
Der Unmut ist bei mir angekommen. Das Problem ist, dass wir als Stadt keinen direkten Einfluss auf die US-Army haben. Wir sind darauf angewiesen, dass unsere amerikanischen Partner aktiv werden. Und wir sehen durchaus einen Teilerfolg. Die Army hat bereits als Ergebnis unserer Verhandlungen einen Lärmschutz installiert, von dem bisher leider nur die Schönaicher profieren, nicht die Böblinger. Das war so nicht vorherzusehen. Deshalb muss es nun weitergehen mit den Baumaßnahmen am Schießstand. Dafür müssen wir auch als Stadt – notgedrungen – bereit sein, einen größeren Beitrag zu leisten.
Was konkret tun sie?
Das größte Problem ist ja die Finanzierung. Wir hatten den Amerikanern schon vor längerem angeboten, in die Vorfinanzierung zu gehen. Das haben sie abgelehnt, das geht aus rechtlichen Gründen offenbar nicht. Aber sie sind mit der Forderung auf uns zugekommen, dass wir uns am Lärmschutz beteiligen. Wir schlagen dem Gemeinderat nun vor, ein Drittel der Gesamtkosten der Baumaßnahme, die voraussichtlich 800 000 bis 900 000 Euro kostet, zu übernehmen, also maximal 300 000 Euro.
Warum soll die Stadt zahlen, ist das nicht Aufgabe der Amerikaner?
Wenn wir den betroffenen Bürgern helfen möchte, müssen wir uns als Stadt auch bewegen. Ich sehe keine andere Möglichkeit. Der rechtliche Weg führt nicht weiter und wenn, dann dauert das ewig. Und wir geben ja auch für den Lärmschutz an der A 81 viel Geld aus. Das ist eigentlich auch Sache der Bundesregierung. Doch wir beteiligen uns, weil wir den Anwohnern der Autobahn helfen möchten.
Wie schnell kann der Lärmschutz gebaut werden?
Zunächst muss der Gemeinderat unserem Antrag zustimmen. Wenn er das tut, was ich hoffe, dann liegt es an der US-Army. Aber unser Beitrag ist ein starkes Signal an die Verantwortlichen dort. Deren Willen, eine Lösung zu finden, ist übrigens sehr groß. Aber die können auch nicht immer so, wie sie wollen. Das ist in den USA auch nicht anders als in Deutschland. Auch wir sind bei größeren Baumaßnahmen auf Zuschüsse aus Berlin angewiesen Und das dauert manchmal sehr lange.

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