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Baden-Württemberg
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Bohrung Bequem in die Blautopf-Höhle

Rüdiger Bäßler, vom 14.04.2010 08:08 Uhr
Die Klosterkirche von Blaubeuren spiegelt sich im Blautopf. Foto: dpa
Die Klosterkirche von Blaubeuren spiegelt sich im Blautopf. Foto: dpa
Blaubeuren - Wieder war die Bohrung zur Geheimsache erklärt worden, zur Abwehr von Schaulustigen und zur Sicherheit des Autoverkehrs, der sich auf der Bundesstraße 28 bei Blaubeuren einen langen Anstieg hinaufwälzt. Drei Stunden benötigte das Spezialbohrgerät mit seinem mächtigen Bohrkopf, dann meldeten die Ingenieure ihren Erfolg. "Das ist etwas ganz Besonderes", freute sich auch Andreas Kücha, einer der tauchenden Entdecker und Forscher innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Blautopf.

Der Großbohrer setzte dort nach, wo im Sommer vergangenen Jahres bereits eine Röhre im Durchmesser von 30 Zentimeter geschaffen worden war. Monate zuvor hatten Taucher Kücha sowie seine Forscherkollegen Andreas Malmann und Michael Kühn auf einer ihrer Exkursionen den "Stairway to heaven" entdeckt, einen knapp 300 Meter langen begehbaren Gang, der vom sogenannten Mörikedom nach oben führt. Der Mörikedom ist eine zum Teil wassergefüllte Felsenhalle, die zum Beeindruckendsten gehört, was bisher innerhalb des weit verzweigten unterirdischen Höhlensystems entdeckt wurde. Als Kücha und seine Kollegen Anfang 2008 den neu entdeckten Gang verfolgten, hörten sie an seinem Ende Motorenlärm. Peilmessungen bestätigten, dass man sich gerade einmal 17 Meter unterhalb der B28 befand.

"Nach drei Stunden waren wir durch"


Der Blaubeurer Gemeinderat, der sich seit langem mit der Möglichkeit beschäftigt, das Blauhöhlensystem touristisch nutzbar zu machen, bewilligte die Gelder für die erste Probebohrung, mit der das Ditzinger Geotechnik-Büro Hundhausen beauftragt wurde. Hundhausen leitete auch die Bohrung vom Montag. "Nach drei Stunden waren wir durch", sagt Forscher Andreas Kücha, der sich als einer der ersten mit einem Seil den neuen Durchstich hinabgelassen hatte.

Am Dienstag legten die Experten nach. Sie fügten ein Stahlrohr im Durchmesser von gut einem Meter, in dessen Innerem eine Leiter verschweißt ist, in die Lücke. Erstmals können auch Forscher nach drinnen gelangen, die keine Tauchausbildung durchlaufen haben. Nur eine Handvoll Spezialisten konnten sich bisher in den nassen Höhlenzugang am Blautopf wagen.

Mit mehr Gerät und Ausrüstung ließe sich die Höhle künftig noch exakter vermessen, die Tierwelt im Innern besser erforschen, sagt Andreas Kücha. Er rechnet damit, dass die weitere Erkundung der Blauhöhle nun mit hoher Geschwindigkeit weitergeht. "Man ist jetzt nicht mehr wetterabhängig", sagt Kücha. Wenn die Schüttmenge der Wasserhöhle zu groß und die Strömung zu stark war, mussten selbst die Taucher oft wochenlang ihre Exkursionen unterbrechen. 4,2 Kilometer des Gangsystems sind bisher erforscht, betaucht und begangen worden. Hinter einem mächtigen Felsversturz am hinteren Endpunkt setzt sich der Weg mit Gewissheit fort, eine Umgehung wird gesucht. Der Einsatz dafür kann nun deutlich erhöht werden.
Kommentare (5)
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APR
14
22:22 Uhr, geschrieben von Edgar Hoch
Ökosystem in der Höhle
Ein neues offenes Loch in der Höhle bringt andere Luft, andere Bakterien usw. in die seither geschlossene Höhle, die frische Luft seither höchstens aus weiterer Entfernung und damit zumindest etwas "gefiltert" (durch die anderen Höhlenbereiche) erreichte. Ändert - oder vernichtet? - solch ein Loch nicht das besondere Ökosystem der Höhle? Ich würde mir wünschen, dass man diese Fragen vorher gründlich untersucht hat und zumindest einen Deckel oben auf der Röhre mit der Leiter angebracht hat und dieser den Zugang und damit auch den Luftaustausch im Normalfall blockiert und nur direkt zum Ein- und Ausstieg kurzzeitig (also nur wenige Minuten) geöffnet wird, um diese Höhlen so lange wie möglich zu erhalten.
APR
14
18:29 Uhr, geschrieben von Fred
Bohrung: bequem in die Blautopf-Höhle
14.04.2010 "Das bald aber - wenn es die Tourismusverantwortlichen wirklich so wollen - selbst die Oma mit dem Enkel in den Mörikedom einfährt, ist doch eine grausige Vorstellung. Mit der Stille unter Tage ist es wohl vorbei..." Ach so, Oma und die Enkel haben da nichts verloren.......? Geht´s noch??
APR
14
16:14 Uhr, geschrieben von Christoph Aichele
@ s`fritzle
Ja, die Blautopf-Höhle ist wirklich faszinierend. Ebenso die Entdeckungsgeschichte, die Jochen Hasenmayer maßgeblich mitbestimmt hat. Das bald aber - wenn es die Tourismusverantwortlichen wirklich so wollen - selbst die Oma mit dem Enkel in den Mörikedom einfährt, ist doch eine grausige Vorstellung. Mit der Stille unter Tage ist es wohl vorbei...
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