Boxen Kurz vor dem K.o.

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Das Boxen in Deutschland steckt tief in der Krise. Das ist an diesem Samstag auch am Kampf zwischen Arthur Abraham und Robin Krasniqi abzulesen, bei dem es nicht einmal mal mehr um einen von unzähligen Titeln geht.

Arthur Abraham kämpft gegen Robin Krasniqi um seine letzte Chance. Foto: dpa
Arthur Abraham kämpft gegen Robin Krasniqi um seine letzte Chance. Foto: dpa

Stuttgart - Conny Mittermeier hat sich einen besonders unspektakulären Treffpunkt ausgesucht. Dort wo sich Heimwerker und Lkw-Fahrer Guten Morgen sagen: in der Bäckerei der Obi-Filiale am Stuttgarter Westbahnhof. Die Auswahl des Gesprächsortes passt in der Bescheidenheit allerdings sehr gut zum Thema: Das Profiboxen in Deutschland, wo schon seit einiger Zeit nur noch kleine Brötchen gebacken werden. Gerade noch ein Weltmeister kommt aus Deutschland: Tyron Zeuge, der den Titel im Supermittelgewicht des Verbandes WBA hält.

Conny Mittermeier hat den 24 Jahre alten Berliner als Trainer ganz nach oben geführt. Was viel Arbeit gewesen sein dürfte. „Tyron muss man ständig in den Hintern treten“, sagt der 55-Jährige, der aus dem Bayerischen stammt und in Stuttgart lebt. Zuletzt war Mittermeier häufig in Schwerin, um Zeuge für den Boxtstall der Familie Sauerland fit zu machen. Doch damit ist erst einmal wieder Schluss, weil Mittermeier findet, dass seine Arbeit vom Promoter nicht genug wertgeschätzt wird.

In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren waren deutsche Boxtrainer Berühmtheiten. Die ostdeutschen Weltmeistermacher Manfred Wolke, Fritz Sdunek und Ulli Wegner wurden zu TV- Stars, nachdem sie Boxer wie Henry Maske, die Klitschko-Brüder oder Sven Ottke ganz nach oben geführt hatten. „Heutzutage lässt man Trainer gar nicht mehr kontinuierlich etwas aufbauen“, nennt Conny Mittermeier einen Grund für den schwächelnden Boxstandort Deutschland, „alle schauen nur noch auf das schnelle Geld. Es fehlt die Kontinuität und so auch Qualität.“

Das sah in den 1990er-Jahren noch ganz anders aus. Deutschland war nach der Wende im Boxfieber. DDR-Trainer und –Sportler sorgten für eine ganz neues Niveau. Henry Maske wurde zur gesamtdeutschen Sportikone, nachdem er als „Gentleman“ die in der Bundesrepublik vormals stark rotlichtgefärbte Sportart aus der Schmuddelecke geholt hatte. Das Boxen bekam massenhaft neue Fans, darunter auch viele Frauen. So sahen 1996 an die 18 Millionen Fernsehzuschauer den WM-Kampf zwischen Maske und Virgil Hill. Zum Vergleich: im November 2016 wollten sich gerade einmal 1,7 Millionen das Titelduell von Tyron Zeuge gegen den Italiener Giovanni De Carolis ansehen.