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Brandkatastrophe in Backnang Die Lösung liegt unter Schutt

Harald Beck, 16.03.2013 09:00 Uhr

Backnang - In der Türkei geht man offenbar davon aus, dass der Brand in einem Haus in Backnang am vergangenen Wochenende, der acht Menschen das Leben gekostet hat, ein Unglück gewesen ist. Vier vom türkischen Innenministerium nach Deutschland geschickte Experten hätten festgestellt, dass es keine Hinweise auf Brandstiftung oder einen Anschlag von Neonazis gebe, berichtete laut Agenturmeldungen die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ am Freitag. Das sei das vorläufige Ergebnis einer Untersuchung. Die Delegation sei wie die deutschen Ermittler der Auffassung, dass ein technischer Defekt als Ursache wahrscheinlich sei. Für den Zeitungsbericht gab es keine offizielle Bestätigung.

Die Waiblinger Polizei hingegen hält sich mit Angaben zu Brandursache zurück. Die Auswertung von Spuren und Proben brauche ihre Zeit. Die Öffentlichkeit muss sich gedulden, weil die Beamten vorschnelle Spekulationen vermeiden wollen. Dies war im Kern die Botschaft der Polizei, die am Freitag über die Suche nach der Ursache der Brandkatastrophe in Backnang informiert hat. Laut Ralf Michelfelder, dem Leiter der Waiblinger Polizei, wollte man damit erklären, warum im Fall des Unglücks, bei dem eine türkische Mutter und sieben ihrer Kinder das Leben verloren, der Aus­löser des Feuers nicht im Handumdrehen bestimmt werden kann.

Schäufelchen für Schäufelchen wird der Schutt abgetragen

Die Analyse müsse in akribischer Kleinarbeit erfolgen. Es lasse sich noch nicht sagen, wann die abschließenden Ergebnisse der Untersuchungen vorlägen, sagte Ernst Rücker, der stellvertretende Direktor des Kriminaltechnischen Instituts beim Stuttgarter Landeskriminalamt. Die Behörde ist mit mehreren Gutachtern vor Ort und analysiert Proben vom Brandort im eigenen Labor. „Ich kann ihnen nur mit Sicherheit sagen, dass das Ergebnis übermorgen noch nicht vorliegen wird“, sagte Rücker.

Zunächst, so erläuterte der Kriminaltechniker Bernd Epple, stelle sich die Frage, was die Ermittler an Brandstellen überhaupt noch vorfinden könnten. „Sie müssen sich das so vorstellen: dort ist zunächst einmal alles schwarz, es herrscht völlige Dunkelheit, das Licht ist wie weggeschluckt.“ Dazu kämen der nasse Brandschutt, der sich in den Räumen türme, und giftige Gase, die Schutzkleidung erforderlich machten und den Aufenthalt, die Dokumentation und die Arbeit erschwerten. „Und unter dem Schutt liegt die Geschichte, die uns den Brand erklären kann.“

Entsprechend werde in sorgfältiger Handarbeit Schäufelchen für Schäufelchen alles abgetragen und untersucht. „Wir hinterlassen den Ort des Feuers in der Regel praktisch besenrein.“ Schließlich gehe es bei den Dingen, die auf Brandursachen hinweisen, oft um nur zentimetergroße Teile. Ein von einem Lichtbogen zerschmolzenes Kupferkabel etwa, das sonst die Brandtemperaturen unbeschadet überstanden habe. Das Fundstück habe nach akribischer Arbeit der Ermittler bei einem Feuer in einer Lagerhalle in Alfdorf den Kabelbruch an der Batterie eines Gabelstaplers als Brandursache identifiziert, nannte Epple ein Beispiel aus der Vergangenheit.

Weiter keine Hinweise auf Brandbeschleuniger

Das Grundprinzip bei der Brandursachenermittlung sei das sogenannte Ausschlussverfahren. Technische und natürliche Ursachen kämen dabei in Betracht, aber auch vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung. Natürliche Brandursachen wie Blitzschlag oder eine Selbstentzündung, wie sie etwa in Heuschobern vorkomme, könne man beim Backnanger Unglück ausschließen. Außerdem, ergänzte Thomas Schöllhammer, der Chef der Waiblinger Kripo, sei es eine gesicherte Erkenntnis, dass die Haustür verschlossen gewesen sei, so dass Brandstiftung unwahrscheinlich sei. Die auf Brandbeschleuniger geschulten Spürhunde waren trotzdem im Einsatz, sie fanden nichts. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass Brandbeschleuniger benutzt wurde“, sagt Schöllhammer.

Schweizer und Finnen helfen bei der Suche

Bei der Brandermittlung werde stets versucht, anhand der vorgefundenen Spuren und im Abgleich mit den Aussagen von Zeugen den Brandverlauf nachzuvollziehen und schließlich den primären Brandherd zu identifizieren, erläuterte Epple. So weit ist man im Backnanger Fall allerdings noch nicht. An der Unglücksstelle sind inzwischen aber sämtliche Untersuchungsarbeiten abgeschlossen, die Ergebnisse werden nun analysiert.

Parallel zu den eigenen Ermittlungen, sagte Ernst Rücker vom Landeskriminalamt, seien Schweizer Experten herangezogen worden. Zusammen mit den baden-württembergischen Ermittlern und einem finnischen Institut zählten sie bei der Aufklärung solcher Fälle zur europäischen Spitze. „Wir wollten in diesem hochsensiblen Fall eine fundierte Zweitmeinung zu unseren Ergebnissen haben“, sagt Rücker.