Brandschutz bei Stuttgart 21 Debatte geht in Verlängerung

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Nach der Vorstellung der überarbeiteten Pläne der Bahn für den Durchgangsbahnhof bei Stuttgart 21 im Technikausschuss bleiben für manche Stadträte noch Fragen offen.

Die Stadträte haben das überarbeitete Brandschutzkonzept der Bahn für den Durchgangsbahnhof bei Stuttgart 21 bewertet - und es bleiben Fragen offen. Foto: dpa
Die Stadträte haben das überarbeitete Brandschutzkonzept der Bahn für den Durchgangsbahnhof bei Stuttgart 21 bewertet - und es bleiben Fragen offen.Foto: dpa

Stuttgart - Die am Montag präsentierten Pläne für ein überarbeitetes Brandschutzkonzept am Durchgangsbahnhof von Stuttgart 21 sind am Dienstag auch den Stadträten im Umwelt- und Technikausschuss (UTA) des Gemeinderats vorgestellt worden. Die Reaktionen waren unterschiedlich. Vor allem die Fraktionen der Grünen und von SÖS-Linke-Plus sehen weiteren Beratungsbedarf. Wie berichtet, beabsichtigt die Bahn die Notausgänge an die beiden Enden des Bahnhofs zu verlegen und im Gegenzug auf die Fluchttreppenhäuser auf den Bahnsteigen zu verzichten.

Feuerwehrchef sieht Pläne „im grünen Bereich“

Frank Knödler, Chef der Stuttgarter Branddirektion, bescheinigte der Bahn mit den neuen Plänen „die Probleme, die wir intensiv diskutiert haben, in den grünen Bereich gerutscht“ zu haben. Harsch fiel sein Urteil zu den bislang angestellten Überlegungen aus. „Das war für mich als Chemiker der reine Ingenieurquatsch“. Knödler zeigte sich froh auch mit Rückendeckung der Stadträte in den Verhandlungen hart geblieben zu sein. Das gelte vor allem für die Zahl der Passagiere, die im Havariefall sicher aus dem Bahnhof zu bringen sei wie auch bei der zugrunde gelegten Intensität eines unterstellten Feuers. Da fußen die Pläne nun auf einem Brand mit einer 53 Megawatt Leistung – was in etwa einem vollständig brennenden Personenzuganhänger entspricht. „Jetzt haben wir ein ganz einfaches Entrauchungssystem“.

Hannes Rockenbauch (SÖS-Linke-Plus) vermochte in dem Gezeigten „nicht viel Neues“ zu erkennen. Er forderte die Bahn auf in einer Simulation nachzuweisen, dass die Evakuierung funktioniert. Und zwar auch dann, wenn sich die Passagiere nicht gleichmäßig auf den Bahnhof verteilen sondern wenn es ein erhöhtes Reisendenaufkommen an einem Bahnsteig mit zwei gleichzeitig dort haltenden Zügen gibt. Der Architekt bezweifelte zudem, dass am Südende des Bahnhofs ausreichend Platz für die dorthin verlegten Notausgänge vorhanden sei. „Wenn Sie das schaffen, ist das eine architektonische Meisterleistung“, sagte er und ließ gleichzeitig Zweifel an der Umsetzbarkeit erkennen.

Grüne würdigen Verdienste der Projektgegner

Gabriele Munk von den Grünen hielt Knödlers Einschätzung „Ingenieurquatsch“ für mindestens so bemerkenswert wie den Umstand, dass man zwar im Schlossgarten baue, sich aber beim Brandschutz offensichtlich noch in der konzeptionellen Phase des Projekts befinde. Es sei der Hartnäckigkeit der Projektgegner zu verdanken, dass der Bahnhof sicherer gebaut werde, als ursprünglich geplant. „Sie haben uns bisher die Lösung mit den Fluchttreppenhäusern als Nonplusultra präsentiert und kommen nun mit einem gänzlich anderen Vorschlag“, sagte Munz an die Adresse der Bahn. Auch sie forderte eine Simulation der Evakuierung.

CDU-Fraktionschef Alexander Kotz warf vor allem Rockenbauch vor, immer wieder nach Möglichkeiten zu suchen, das Projekt zu stoppen. Seine Kritik wertete Kotz als den Versuch, „mit dem Thema Brandschutz Stimmung zu machen. Doch das verfängt nicht mehr. Die Expertise unserer Branddirektion ist das Entscheidende“. Martin Körner lobte für die SPD die erreichten Verbesserungen, Jürgen Zeeb von den Freien Wählern erklärte, dass sich der Brandschutz nicht „als Thema für den Stammtisch und für Besserwisser“ eigne, er danke der Branddirektion für deren „nicht-ideologische Hartnäckigkeit“.

Hannes Rockenbauch will wieder eigene Experten laden

Gelegenheiten, die Positionen auszutauschen, wird es auch in Zukunft noch geben. Hannes Rockenbauch jedenfalls zeigte sich unzufrieden mit den Antworten und forderte einen weiteren Beratungstermin zum Thema, „bei dem dann auch unsere Experten sprechen dürfen“. Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) erinnerte Rockenbauch daran, mit dieser Forderungen bereits bei der Mehrheit des Gremiums abgeblitzt zu sein. Weitere Auftritte der Bahn zu diesem Thema im UTA stellte Schairer gleichwohl in Aussicht.

Damit endete die Debatte so, wie sie begonnen hatte: Mit einem Scharmützel zwischen Schairer und Rockenbach. Letzterer wollte zum einen eigene Präsentation vorführen und zum anderen die Ausführungen des Bahn-Brandschutzbeauftragten Klaus-Jürgen Bieger aufzeichnen. Schairer verwahrte sich gegen „diese überfallartigen Vorschläge“. Man könne darüber diskutieren – allerdings sei der Ältestenrat des Gemeinderats dafür das richtige Gremium.