Brennpunktschulen Schavan verspricht eine Milliarde
dpa, vom 16.03.2010 16:34 Uhr
Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat in Köln die Bildungsmesse didacta eröffnet. Foto: dpa
Köln - Bildungsministerin Annette Schavan will benachteiligte Grundschüler in dieser Wahlperiode mit einer Milliarde Euro fördern. "Wir wollen auf diese Weise die Bildungschancen der Mädchen und Jungen deutlich verbessern, die zu Hause nur wenig gefördert werden", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag zum Auftakt der Bildungsmesse "Didacta" in Köln. Zugleich plädierte sie erneut dafür, durch eine Grundgesetzänderung wieder mehr Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu ermöglichen.
Mit dem Geld sollen Bildungsbündnisse aus Lehrern, Eltern und außerschulischen Partnern unterstützt werden, die ergänzenden Förderunterricht oder Ferienkurse für solche Schüler organisieren, die schon in unteren Klassenstufen lerngefährdet sind. Gedacht ist auch an Theaterprojekte, Zusammenarbeit mit Sportvereinen, Bibliothekspatenschaften und die Ausbildung von Streitschlichtern. Jede Brennpunktschule soll über ein Budget von 20 000 bis 40 000 Euro verfügen, um damit für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen, wie Schavans Ministerium ergänzend mitteilte.
"Mehr Bildungsgerechtigkeit liegt in der Verantwortung aller", sagte die Ministerin. "Die Gesellschaft erwartet zu Recht, dass wir nicht länger über Zuständigkeiten streiten. Deshalb müssen wir den Föderalismus und die Kooperationsmöglichkeiten weiterentwickeln."
Die Zuständigkeiten von Bund und Ländern in der Bildungspolitik waren erst 2006 mit der Föderalismusreform neu geregelt worden. Seitdem sind für Bildung allein die Länder zuständig.
Der Koalitionspartner FDP wies die Forderung nach einer erneuten Grundgesetzänderung zurück und argumentierte, "dass die beste Bildung nur im Wettbewerb entsteht - der Schulen untereinander und der Länder untereinander". Der Bildungssprecher der Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, und sechs Landeskollegen erinnerten Schavan in einer gemeinsamen Erklärung an den Koalitionsvertrag, der eine Kooperation unter Wahrung der jeweiligen Zuständigkeiten vorsehe. Sie warfen der Ministerin vor, nicht zu sagen, was sie konkret wolle. Zur Bildungsmesse "Didacta" 2010 in Köln präsentieren rund 800 Aussteller ihre neuesten Produkte in den Bereichen Kindergarten, Schule und Hochschule, Ausbildung und Weiterbildung. Bis zum Ende am kommenden Samstag werden rund 90.000 Besucher erwartet.
Frau Schavan hat schon viel angekündigt. Der Grundansatz unserer Bildungspolitik ist falsch. Es herrscht noch immer das Denken aus dem 19. Jahrhundert. Helmut Schmidt hat recht, wenn er die Niveaulosigkeit der so genannten "politischen Klasse" in Deutschland beklagt. So lange dies so bleibt, bleibt es bei der elenden Flickschusterei und wie gesagt: Ankündigungen !
MRZ
18
20:35 Uhr, geschrieben von Wolfgang Krauss
Bildungsarmut
@ Nachdenker
Hallo,
wer eine Schule besucht kann, entsprechend dem jeweiligen Alter, überhaupt nicht an Bildungsarmut leiden. Der Schulbesuch ist kostenlos, Lehrkräfte sind vorhanden, es gibt klare Lehrpläne - nur muss man eben regelmässig am Unterricht teilnehmen. Wer sich mit seinem Handy besser auskennt als mit dem kleinen Einmaleins, garniert mit etwas Bruch- und Prozentrechnen, macht seiner Schule keine Ehre.
Gibt es in der BR Deutschland eine BildungsUNgerechtigkeit? Es besteht Schulpflicht für jedes Kind. Jedes Kind hat die Möglichkeit von dem angebotenen Wissen zu profitieren und sich für eine weiterführende Schule zu qualifizieren. Aber Schule ist auch Arbeit........
Und was sind benachteiligte Grundschüler? Haben die einen besonders langen Weg zur Schule? Bröckelt der Putz von der Decke des Klassenzimmers? Ist die Gewichtsbelastung durch den Schulranzen zu hoch?????
Fragen über Fragen.
Freundliche Grüße
Wolfgang Krauss
MRZ
18
10:25 Uhr, geschrieben von Nachdenker
Schavan: Peinlich für die ehem. Kultusministerin
Frau Schavan gehörte noch vor Jahren als Kultusministerin in Baden-Württemberg zu den heftigsten Befürworterinnen des Bildungsföderalismus. Nun hat sie offenbar erkannt, dass Verantwortung annehmen und Handeln zwei Seiten einer Münze sind. Weshalb sie nun dafür wirbt, das Grundgesetz erneut zu ändern.
Man könnte auch sagen: den Fehler früherer Jahre einzugestehen und rückgängig zu machen. Doch dazu ist sie nicht fähig!
Weil mehr Bildungsgerechtigkeit in der Verantwortung aller liegt, will Schavan den Schulen in Deutschland nicht nur auf verschämten Wegen eine Milliarde Euro zukommen lassen, sondern bei der Verwendung ein Wörtchen mitsprechen dürfen.
1 Mrd. gegen Bildungsarmut wirkt ja auf den ersten Blick großartig. Die sich daraus ergebenden 20.000 Euro pro Schule zum Kampf gegen Bildungsarmut ist für einen Staat, der diese Verhältnisse zulässt, doch eher peinlich.
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