Brennstoffzellen-Flugzeug des DLR Elektrisch fliegen

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In Stuttgart wird jetzt das erste viersitzige Passagierflugzeug mit Brennstoffzellen-Antrieb entwickelt: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR will damit zeigen, dass diese Technologie nicht nur machbar, sondern auch im Passagierebereich denkbar ist.

Über den Wolken: So stellt sich das DLR das künftige Reisen mit  Brennstoffzellenantrieb vor. Foto: DLR
Über den Wolken: So stellt sich das DLR das künftige Reisen mit Brennstoffzellenantrieb vor. Foto: DLR

Stuttgart - Die Autos sind schon seit längerer Zeit elektrisch unterwegs – nun sollen auch die Flugzeuge mit dem emissionsfreien Antrieb ausgerüstet werden. Elektrisch angetrieben Flugzeuge sind dabei nicht neu. Der Strom für den Motor kommt dabei allerdings aus Lithiumionen-Akkus. Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) will nun allerdings ein viersitziges Flugzeug mit einem Brennstoffzellenantrieb ausrüsten, weshalb das Projekt HY4 heißt. „Mit der HY4 wollen wir Elektromobilität in die Luft bringen, die Machbarkeit dieser Technologie demonstrieren und konkrete Anwendungsfelder im Passagiertransport aufzeigen“, sagte Josef Kallo, der Koordinator Elektrisches Fliegen am DLR, als er jetzt das Projekt der Öffentlichkeit vorstellte.

Entwickelt wird das Flugzeug, das über zwei Rümpfe mit je zwei Sitzen verfügen wird, von Forschern des Stuttgarter DLR-Instituts für Technische Thermodynamik. Die Stuttgarter können dabei auf eine lange Erfahrung mit anderen Flugzeugen zurückgreifen, die bereits mit Wasserstoff geflogen sind. Nun wollen sie den Strom für den Elektromotor von einer Niedertemperatur-Brennstoffzelle während des Fluges produzieren lassen. Wenn diese bordeigene Energiequelle etwa beim Start und bei Steigflügen nicht ausreicht, soll zusätzlicher Strom aus einer Lithiumionen-Hochleistungsbatterie kommen.

Speicherung von Flüssigwasserstoff ermöglicht 1500 Kilometer Reichweite

Der Flieger soll bei einer Leistung von 80 Kilowatt eine Höchstgeschwindigkeit von rund 200 Kilometern erreichen – wobei eine Reisegeschwindigkeit von 145 Stundenkilometer anvisiert wird. Wenn Wasserstoff gasförmig gespeichert wird, ist eine Reichweite von 750 Kilometern realistisch. Als ganz neue Entwicklung sei auch eine Speicherung als Flüssigwasserstoff möglich, was eine Flugstrecke von bis zu 1500 oder gar 1800 Kilometern ermögliche, berichtete Kallo. Maximal 1500 Kilogramm darf die HY4 wiegen.

Der Jungfernflug ist für den kommenden Sommer vom Flughafen Stuttgart aus anvisiert. Anschließend sollen längere Testflüge zu verschiedenen europäischen Zielen führen. „Wir zielen ab jetzt auf den Passagierflugzeugmarkt“, stellt Kallo dar. Typische Einsatzmöglichkeiten wären dabei als elektrisches Lufttaxi im deutschen und europäischen Regionalverkehr. Aus heutiger Sicht könne er sich dabei maximal 40 bis 50 Sitze vorstellen, meint Kallo. Doch das muss in Zukunft ja nicht das Ende der Fahnenstange sein.