Brenz Band auf China-Reise Hoch auf dem gelben Wagen

Von Michael Ohnewald 

Acht von ihnen sind behindert, die anderen sagen von sich, dass sie es nicht seien. Die Brenz Band aus Ludwigsburg macht Musik. Auch in China.  

Auf der chinesischen Mauer hatten Harald Schmid (links) und Horst Tögel ihren Spaß. Die beiden sind wie Vater und Sohn. Kennen- und schätzen gelernt haben sie sich über die Musik. Foto: Reiner Pfisterer 3 Bilder
Auf der chinesischen Mauer hatten Harald Schmid (links) und Horst Tögel ihren Spaß. Die beiden sind wie Vater und Sohn. Kennen- und schätzen gelernt haben sie sich über die Musik.Foto: Reiner Pfisterer

Ludwigsburg - Die beiden sind ein eingespieltes Team. Horst Tögel ist 70 und Gründer der Brenz Band. Harald Schmid wurde vor 41 Jahren mit Down-Syndrom geboren und ist Keyboarder in der Kombo mit der besonderen Note. Vor wenigen Tagen sind sie von ihrer Tournee zurückgekehrt.

Ni hao, Herr Schmid, wie war's in China?

Harald Schmid: Ich habe mich beim großen Volk der Chinesen sehr wohl gefühlt.

Wie haben Sie sich verständigt?

Horst Tögel: Was mich betrifft, hatte ich eine Dolmetscherin. Der Harald brauchte keine Hilfe, so international wie er ist. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat er sich angeregt mit den Menschen unterhalten, das habe ich gesehen. Ich weiß allerdings nicht, was er den Leuten gesagt hat.

Harald Schmid: Tsching, Tschang, Tschung.

Was heißt das?

Harald Schmid: Weiß ich nicht genau. Aber ich habe das Gefühl gehabt, dass mich die Chinesen verstanden haben.

Was hat die Brenz Band eigentlich nach China verschlagen?

Horst Tögel: Dieses Land hat mich schon fasziniert, als ich ein Kind war. In einem Seefahrerbuch hatte ich damals von Shanghai gelesen und von obskuren Opiumhöhlen. Das hat mich in meinem weiteren Leben nie losgelassen. Immer wieder habe ich seitdem Berichte über China verfolgt. Mehr als 60 Jahre später habe ich mir gedacht: Lasst uns mit der Band dorthin fahren und schauen, ob das, was man heute über dieses Land liest, der Wirklichkeit entspricht. Lasst uns schauen, wie die Chinesen mit behinderten Menschen umgehen. Daran lässt sich am besten ablesen, wie weit eine Gesellschaft tief im Inneren ist.

Eine musikalisch untermalte Randgruppenstudie im Reich der Mitte?

Horst Tögel: So ungefähr. Ich hatte die Vermutung, dass es heute in China mit Behinderten so ist wie damals 1977 bei uns, als ich die Brenz Band in Ludwigsburg gegründet habe. Es war eine Zeit, in der man sich hierzulande für behinderte Kinder noch geschämt hat. Sie wurden oft nicht ernst genommen, abgeschoben oder versteckt. Sie störten einfach nur die Norm.

Und wie sind die Chinesen nun wirklich? Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

Horst Tögel: Wir waren zehn Tage unterwegs, haben Konzerte gegeben in Peking, Qingdao und Shanghai. Es wäre vermessen, daraus den Schluss abzuleiten: China ist so oder so. Dafür ist dieses Milliardenvolk mit seinen vielen Provinzen auch viel zu uneinheitlich. Was ich aber eindeutig sagen kann ist, dass wir erstens viele behinderte Menschen in China getroffen haben, mit denen alle ganz offen umgingen, und wir zweitens bei unseren Konzerten auf begeisterte Menschen gestoßen sind, die nicht unter der kommunistischen Knute standen, sondern nach unserem Auftritt frei ihre Meinung gesagt haben, auch zu kritischen Themen.

Wie kam Ihre Musik vor Ort an?

Harald Schmid: Hoch auf dem gelben Wagen hat den Chinesen besonders gefallen. Ich habe viele Autogramme gegeben.

Horst Tögel: Wir sind gefeiert worden, wie ich es in Deutschland überhaupt noch nie erlebt habe. Die Brenz Band war mit 16 Musikern im Alter zwischen 28 und 70 angereist. Wir waren in großen Universitäten und hatten fast überall volle Säle. Die Band lief zur Hochform auf und spielte die Chinesen in Grund und Boden. Jeden Abend gab es einen ganz besonderen Moment. Wir stimmten ein populäres chinesisches Volkslied an, Mo Li Hua, eine Ode auf Jasmin. Dieses Stück gilt in China neuerdings auch ein bisschen als Freiheitslied unter Oppositionellen. Der ganze Saal hat mitgesungen, und junge Frauen stürmten auf die Bühne und sangen mit uns. Das war unglaublich.

Harald Schmid: Mir hat es auch sehr gut im Paulaner gefallen.

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