Brüssel Nacktscanner zu verkaufen
Christopher Ziedler, 21.02.2010 09:17 Uhr
Sechs Nacktscanner sind im Keller des Brüsseler Parlamentsgebäudes eingelagert. Foto: dpa
Sechs Nacktscanner sind im Keller des Brüsseler Parlamentsgebäudes eingelagert. Foto: dpa
Brüssel - Die Zeit drängt, denn die Sache ist den meisten Europaabgeordneten ziemlich peinlich. Da machen sie sich - wie zuletzt mit ihrem Nein zum Swift-Abkommen mit den USA und schon Ende Dezember 2008 mit einem Nein zu Nacktscannern - regelmäßig für den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte der europäischen Bürger stark, und dann das: nach dem Anschlagsversuch auf einen Flug von Amsterdam nach Detroit, auf dem Höhepunkt der Debatte über neue Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und anderen öffentlichen Orten, war bekannt geworden, dass im Keller des Brüsseler Parlamentsgebäudes just solche Nacktscanner eingelagert sind, sechs Stück an der Zahl.

Die Geräte vom Typ Secure 1000 des kalifornischen Unternehmens Rapiscan, die in acht Sekunden alle am Körper einer Person getragenen Gegenstände sichtbar machen, kommen nun unter den Hammer. Am Donnerstag wurden sie in der Parkgarage des Parlaments in der Rue d'Ardenne zur Ansicht aufgestellt. Noch bis 1. März können Interessenten per Schreiben an die Parlamentsverwaltung ein Angebot abgeben - Mindestpreis pro Stück 65.000 Euro.

Ob die Maschinen später das Werkstor einer Privatfirma in Terrorangst zieren oder als spätrömisch dekadenter Partygag enden, wird zumindest das Parlament nicht verraten. Die Gebote werden am 12. März anonym veröffentlicht. Das Europaparlament wolle einen "Schlussstrich" ziehen, sagt der CSU-Abgeordnete Markus Ferber: "Die Scanner wurden durch die Parlamentsverwaltung ohne direkte Einbeziehung des Haushaltsausschusses angekauft."

Das Präsidium entschied sich bereits kurz nach dem 11. September 2001 für die Anschaffung. Es informierte die Abgeordneten zwar damals über die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, nicht jedoch über die Körperscanner, die mit immerhin 720.000 Euro zu Buche schlugen. Dass das Brüsseler Lobbybüro der Firma Rapiscan in der Rue de la Science kaum 700 Meter vom Parlament entfernt liegt, kratzt zusätzlich an der Glaubwürdigkeit. Zumindest wird das nächste Votum des Parlaments zu den Scannern, das in diesem Jahr ansteht, glaubhafter sein.
Kommentare (2)
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FEB
21
Gaudeamus, 19:03 Uhr

Papst Benedikt will sich nicht scannen lassen - der Spiegel zeigt es auf

Der katholische Pontifex Maximus hat - so der Spiegel - habe Verständnis für die ökonomischen Zwänge, denen die Airlines derzeit ausgesetzt seien. Aber für Benedikt sei es von höchster Wichtigkeit, nie den "Respekt vor den Menschen aus den Augen zu verlieren". Das erinnert mich an afrikanische Potentaten, die die Frauen ihres Harems nicht einmal von Ärztinnen untersuchen lassen wollten. Nur wer etwas zu verbergen hat, will sich mit diesem Gerät nicht scannen lassen. So ist es vermutlich beim Papst. Der will sich lieber mit den anderen Passagieren in die Luft sprengen lassen, als sich selbst auf dem Bildschirm zu outen. Bei der explosiven "Himmelfahrt" werden die menschlichen Werte sowieso obsolet. Einfach lächerlich!

FEB
21
C. H., 11:31 Uhr

Recherche?

"...nach dem Anschlagsversuch auf einen Flug von Amsterdam nach Detroit, auf dem Höhepunkt der Debatte über neue Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und anderen öffentlichen Orten, war bekannt geworden, dass im Keller des Brüsseler Parlamentsgebäudes just solche Nacktscanner eingelagert sind, sechs Stück an der Zahl." Man muss nur drei Wörter in die google-Suche eingeben und der Autor hätte erfahren, dass nicht erst nach dem versuchten Anschlag "bekannt geworden" war, dass im Keller des EP Nacktscanner stehen. Sorry, aber das hat ja schon fast BILD-Niveau. http://www.tagesschau.de/ausland/nacktscanner106.html Und dass die Nacktscanner verkauft werden sollen, ist auch nicht die neueste Nachricht. Die Süddeutsche berichtete schon Anfang Januar darüber: http://www.sueddeutsche.de/politik/52/499330/text/ Also, nächstes Mal bitte 3 Minuten mehr Zeit nehmen!