| Zeitungsgruppe Stuttgart |Sonntag, 12. Februar 2012
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Brunke-Kolumne Hotel Silber droht Abriss

Timo Brunke, vom 16.03.2010 12:07 Uhr
Dem Hotel Silber in der Dorotheenstraße, ehemalige Gestapo-Zentrale und heutiges Innenministerium, droht der Abriss. Foto: Zweygarth
Dem Hotel Silber in der Dorotheenstraße, ehemalige Gestapo-Zentrale und heutiges Innenministerium, droht der Abriss. Foto: Zweygarth
Der Siegerentwurf für die Gestaltung des "Quartiers am Karlsplatz" zwischen Dorotheenstraße und dem Kaufhaus Breuninger hat die Diskussion um den drohenden Abriss des Hotel Silber in die Breite getragen. Grund für unseren Kolumnisten Timo Brunke, sich (s)einen Vers darauf zu machen.

Das müsste doch zu schaffen sein
Das sollte doch gelingen –
Die Massen so zu portioniern
Dass sie zusammenklingen.

Als erstes kommen hier im Text
Die Ministerien unter
Die warn zum Teil hier schon am Platz –
Ich reim’ sie rasch herunter:

Für Wirtschaft, Kultus, Inneres,
Kunst, Wissenschaft, Soziales. –
Die Strophe wirkt ganz schön kompakt,
Das hat was Kolossales
Drum sollte in den nächsten Vers
Die Tiefgarage kommen
Als unterirdischer Kontrast
Dem Platz wird nichts genommen.

Im Gegenteil, die Kundschaft strömt
Hinein in mein Gedichtchen
Um edel einkaufen zu gehn
Das Portemonnaie zu lichten.

Was brauchen diese Strophen noch?
Historisches Gemäuer!
Am besten wär’s, es stünd was da
Dann würd’ es nicht so teuer.

Wie wär’s mit diesem Bau am Eck?
Mir sagt mein Laienauge –
Das hat historische Substanz
Kann für den Flair was taugen.

Hat es NS-Vergangenheit?
Dann zwei Mal stehen lassen!
Für meinen Text ist das d i e Chance
Um nicht gleich zu verblassen.

Ich packe den Gedenkort rein
Und drüber große Flächen
Für Forschung, Dokumentation
Der hiesigen Verbrechen.

Jetzt brauch ich einen Busparkplatz
Die Massen zu verkraften
Die diesen Vers des Areals
Zu allererst betrachten

Um danach in die Restaurants
Ums Eck sich zu zerstreuen
Dort ihren mitgenommnen Geist
Durch Pizza zu erneuen.

Für die, die üppig über Nacht
Gedenken zu verweilen
Setz’ ich fünfsternig ein Hotel
Rasch noch in diese Zeilen.

Geschafft, na also, wer hätt’s gedacht!
Und alle Interessen
Sind schön vereint, hat sich gelohnt
Doch noch mal nachzumessen.
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Kommentare (2)
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MRZ
16
15:33 Uhr, geschrieben von Til
Ganz recht..
.. hier böte sich der Stadt die Gelegenheit, ein einziges mal in der Nachkriegsgeschichte nicht mit dem Portemonnaie oder egomanischer Profilierungssucht die Entscheidungsfindung herbeizuführen, sondern die gewachsenen Strukturen des Stadtbilds zu respektieren. Aber die pervertierte Abrisskultur in Stuttgart ist leider über die Bundesgrenzen hinaus legendär, hat dem Ruf der Stadt, jedenfalls unter Architekten, vernichtet. Dass man harmonische, klassische Gebäude wie das Hotel Silber für den Kommerz platt macht, dafür aber eine ästhetische Bankrotterklärung wie das Rathaus mit zweistelligen Millionensummen saniert, kann und muss ich nicht verstehen.
MRZ
16
13:53 Uhr, geschrieben von Ulrike Braun
Timo Brunkes Worte in Gemeinderats Ohr!
Es ist zu hoffen, dass dies nicht nur ein frommer Wunsch bleibt! Und dass Stuttgart und seine Entscheider sich nicht wieder mal mit ihrer Kommerz-geht-vor-Kultur/Geschichte/Stadtklima/etc.-Attitüde blamieren ...
 
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