Dem Hotel Silber in der Dorotheenstraße, ehemalige Gestapo-Zentrale und heutiges Innenministerium, droht der Abriss. Foto: Zweygarth
Der Siegerentwurf für die Gestaltung des "Quartiers am Karlsplatz" zwischen Dorotheenstraße und dem Kaufhaus Breuninger hat die Diskussion um den drohenden Abriss des Hotel Silber in die Breite getragen. Grund für unseren Kolumnisten Timo Brunke, sich (s)einen Vers darauf zu machen.
Das müsste doch zu schaffen sein Das sollte doch gelingen – Die Massen so zu portioniern Dass sie zusammenklingen.
Als erstes kommen hier im Text Die Ministerien unter Die warn zum Teil hier schon am Platz – Ich reim’ sie rasch herunter:
Für Wirtschaft, Kultus, Inneres, Kunst, Wissenschaft, Soziales. – Die Strophe wirkt ganz schön kompakt, Das hat was Kolossales
Drum sollte in den nächsten Vers Die Tiefgarage kommen Als unterirdischer Kontrast Dem Platz wird nichts genommen.
Im Gegenteil, die Kundschaft strömt Hinein in mein Gedichtchen Um edel einkaufen zu gehn Das Portemonnaie zu lichten.
Was brauchen diese Strophen noch? Historisches Gemäuer! Am besten wär’s, es stünd was da Dann würd’ es nicht so teuer.
Wie wär’s mit diesem Bau am Eck? Mir sagt mein Laienauge – Das hat historische Substanz Kann für den Flair was taugen.
Hat es NS-Vergangenheit? Dann zwei Mal stehen lassen! Für meinen Text ist das d i e Chance Um nicht gleich zu verblassen.
Ich packe den Gedenkort rein Und drüber große Flächen Für Forschung, Dokumentation Der hiesigen Verbrechen.
Jetzt brauch ich einen Busparkplatz Die Massen zu verkraften Die diesen Vers des Areals Zu allererst betrachten
Um danach in die Restaurants Ums Eck sich zu zerstreuen Dort ihren mitgenommnen Geist Durch Pizza zu erneuen.
Für die, die üppig über Nacht Gedenken zu verweilen Setz’ ich fünfsternig ein Hotel Rasch noch in diese Zeilen.
Geschafft, na also, wer hätt’s gedacht! Und alle Interessen Sind schön vereint, hat sich gelohnt Doch noch mal nachzumessen.
.. hier böte sich der Stadt die Gelegenheit, ein einziges mal in der Nachkriegsgeschichte nicht mit dem Portemonnaie oder egomanischer Profilierungssucht die Entscheidungsfindung herbeizuführen, sondern die gewachsenen Strukturen des Stadtbilds zu respektieren.
Aber die pervertierte Abrisskultur in Stuttgart ist leider über die Bundesgrenzen hinaus legendär, hat dem Ruf der Stadt, jedenfalls unter Architekten, vernichtet. Dass man harmonische, klassische Gebäude wie das Hotel Silber für den Kommerz platt macht, dafür aber eine ästhetische Bankrotterklärung wie das Rathaus mit zweistelligen Millionensummen saniert, kann und muss ich nicht verstehen.
MRZ
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13:53 Uhr, geschrieben von Ulrike Braun
Timo Brunkes Worte in Gemeinderats Ohr!
Es ist zu hoffen, dass dies nicht nur ein frommer Wunsch bleibt!
Und dass Stuttgart und seine Entscheider sich nicht wieder mal mit ihrer Kommerz-geht-vor-Kultur/Geschichte/Stadtklima/etc.-Attitüde blamieren ...
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