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Brunke-Kolumne Marienplatz, Ebbe und Flut

Timo Brunke, vom 17.08.2010 07:03 Uhr
Das Wasserspiel auf dem Marienpöatz mit Namen "Strand" gefällt vor allen Dingen den Kleinen. Foto: Steinert
Das Wasserspiel auf dem Marienpöatz mit Namen "Strand" gefällt vor allen Dingen den Kleinen. Foto: Steinert
Das Wasserspiel "Strand" auf dem Marienplatz in Stuttgart-Süd hat unseren Kolumnisten Timo Brunke zu diesen sommerlichen Versen inspiriert:


Wo Plastiktüten, einkaufsschwer, Auf alkoholumwehten Bänken
Sich eine kleine Auszeit schenken,
Ein Eiscafé lockt zum Dessert,
Und durch die Kopfsteinpflastersenken
Ganz kleine Mädchen, kreuz und quer,
Stolz-angestrengt ihr Laufrad lenken,

Wo kurze Knirpse ihren Ball,
Der ihnen bis zum Knie reicht, schießen,
Dorthin, wo Mama steht, genießen,
Wie sie ihn kriegt, in jedem Fall,
Mit ihren Flip-Flops an den Füßen,
Dort auf dem Platz, wo Mensch flaniert,
Wo "kinderfreundlich" irgendwie
Real und klaglos existiert,
Gleißt eine "Mini-Waterkant",
Bestückt mit grauen Riesenkieseln,
Auf die bei Flut Fontänen pieseln:
Das Wasserspiel mit Namen "Strand".

Ich nenn’ es den "Gezeitenbrunnen",
Denn ein geheimnisvoller Mond,
Der irgendwo im Brunnen wohnt,
Sorgt, dass die Wasser erst verstummen,
Und dann erneut aus starken Düsen
Die Kinderschar schockartig grüßen,
Die sich vom Schauspiel angelockt
Auf glatten Travertin hinhockt.

Ein Junge zaubert: "Eins! Zwei! Drei!"
Und grad, als ob er ihr befehle,
Prustet die Wand aus voller Kehle
Solch eine Springflut aus, juchhei!
Und alle lassen einen Schrei! (
Solch süßer Schreck festigt die Seele
Und macht beweglich, nebenbei ...)

Wer eben, vor dem großen Zisch,
Noch zu den sockentrocknen Pimpfen
Gezählt hat, dem ertrinken Strümpfe –
Kein Gummistiefel wehrt der Gischt!

Und wieder wirkt der Tidenhub:
Das bunte Plastikschiffchenrudel
Gerät in einen großen Strudel,
Und dieser sickert, schwuppdiwupp –
Fort durch ein Gitter glitt der Sprudel.

Das Spiel von Ebbe und von Flut
Es könnte ewig weitergehen,
Doch ist das Ende abzusehen,
Die Eltern sagen: "Jetzt ist gut!"

Doch liegen Laura, Flavio
In ihren Bettchen drin, zu Haus –
Da setzen die Gezeiten aus:
Die Zeitschaltuhr, incognito,
Vom Tiefbauamt, mit einem Klick,
Beschließt das Ebben und das Fluten.
Das ist den Kleinen zuzumuten.

Und morgen? Gleiches Spiel! Zum Glück!
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Kommentare (1)
Kommentarregeln
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AUG
17
09:04 Uhr, geschrieben von antholog
Schön!
Was für ein hübsches Gedicht, danke schön! :o)
 
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