Brunke-Kolumne
Tempo, Turbo, Schritt für Schritt
Timo Brunke,
20.07.2010 07:20 Uhr
Eine Studie besagt, dass Stuttgart mit einer durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit von 1,48 m/sec. zu den schnellebigsten Städten Deutschlands zählt. Foto: AP
Stuttgart - Beim Aufräumen ist unser Kolumnist Timo Brunke auf eine Studie gestoßen, der zufolge Stuttgart mit einer durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit von 1,48 m/sec. zu den schnellebigsten Städten Deutschlands zählt.
Fast hätt’ ich sie ins Altpapier geworfen.
Da las ich sie noch einmal, jene Zahl:
Ein Meter achtundvierzig pro Sekunde
Geht man in Stuttgart über Berg und Tal.
Die Zahl hat sieben Jahre auf dem Buckel.
Sind’s heute ein paar Zentimeter mehr?
Die inn’re Uhr, hat sie noch Zeit, zu fließen
Wie in der Sonne Dalís Camembert?
Ein Mann durcheilte dieser Tage
Den Arnulf-Klett-Platz-Untergrund:
Mit Trolley auf der Überholspur
Tat er sein inneres Ticken kund.
Voranzukommen galt ihm alles,
Hätt’ man ihm Scheuklappen verpasst,
Hätt’ er mit ihnen noch beschleunigt,
Ein "Zeit, das bin ich selbst"-Phantast.
Noch schneller: mittags, an der Ampel.
Da hielt ein Wagen neben mir.
Im Fonds desselben saß ein Schüler,
In Händen: DIN-A4-Papier.
Der Vater, bleich, chauffiert den bleichen
G8-Sohn und schaut auf die Uhr,
Lernen "erfahren" heißt die Devise,
Es winkt das Turbo-Abitur.
Es wohnt ein Mann in meiner Straße.
Beinahe täglich seh’ ich ihn,
Ein kaum von mir erahntes Leiden
Lässt ihn das linke Bein nachziehn.
Geduldig geht er seiner Wege
Und meistert so das Defizit.
Sein Gang kennt nur noch eigne Maße
Und Schritt für Schritt für Schritt für Schritt.
Eins achtundvierzig pro Sekunde –
Die Zahl gibt für mich keinen Sinn.
Warum? Weshalb? das zählt im Grunde,
Und letztlich und allein: wohin?
Fast hätt’ ich sie ins Altpapier geworfen.
Da las ich sie noch einmal, jene Zahl:
Ein Meter achtundvierzig pro Sekunde
Geht man in Stuttgart über Berg und Tal.
Die Zahl hat sieben Jahre auf dem Buckel.
Sind’s heute ein paar Zentimeter mehr?
Die inn’re Uhr, hat sie noch Zeit, zu fließen
Wie in der Sonne Dalís Camembert?
Ein Mann durcheilte dieser Tage
Den Arnulf-Klett-Platz-Untergrund:
Mit Trolley auf der Überholspur
Tat er sein inneres Ticken kund.
Voranzukommen galt ihm alles,
Hätt’ man ihm Scheuklappen verpasst,
Hätt’ er mit ihnen noch beschleunigt,
Ein "Zeit, das bin ich selbst"-Phantast.
Noch schneller: mittags, an der Ampel.
Da hielt ein Wagen neben mir.
Im Fonds desselben saß ein Schüler,
In Händen: DIN-A4-Papier.
Der Vater, bleich, chauffiert den bleichen
G8-Sohn und schaut auf die Uhr,
Lernen "erfahren" heißt die Devise,
Es winkt das Turbo-Abitur.
Es wohnt ein Mann in meiner Straße.
Beinahe täglich seh’ ich ihn,
Ein kaum von mir erahntes Leiden
Lässt ihn das linke Bein nachziehn.
Geduldig geht er seiner Wege
Und meistert so das Defizit.
Sein Gang kennt nur noch eigne Maße
Und Schritt für Schritt für Schritt für Schritt.
Eins achtundvierzig pro Sekunde –
Die Zahl gibt für mich keinen Sinn.
Warum? Weshalb? das zählt im Grunde,
Und letztlich und allein: wohin?
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