Brustkrebsvorsorge Leiden unter falschem Verdacht
Susanne Donner, 29.08.2010 10:40 Uhr
Die Magnetresonanz-(MR-)Mammografie liefert besondere Bilder von der Brust. Der Stift zeigt auf einen winzigen Tumor. Foto: dpa
Die Magnetresonanz-(MR-)Mammografie liefert besondere Bilder von der Brust. Der Stift zeigt auf einen winzigen Tumor. Foto: dpa


Das bedeutet, dass sich vier von fünf Frauen nach einer solchen Diagnose unnötig ängstigen müssen, Krebs zu haben. Sie bekommen eine erneute Einladung zur Abklärung. Was dann passiert, streift Karin Bock nur einmal mit dem Wort "Traumatisierung": Diese Frauen leiden oft ganz massiv unter dem falschen Verdacht. Und auch in dem neuen Merkblatt zum Mammografiescreening, das gestern ausgegeben wurde, werden die Betroffenen an keiner Stelle beruhigt. Nirgendwo heißt es zum Beispiel klar und deutlich: "Bleiben Sie gelassen! In den meisten Verdachtsfällen besteht gar kein Brustkrebs. Nur das Röntgenbild war nicht eindeutig."

Genau aus diesem Grund ist das Mammografiescreening umstritten. Werden mit diesen Untersuchungen viele Frauen nur unnötig erschreckt? Ist das bundesweite Durchleuchten der weiblichen Brust gerechtfertigt? Wird Frauen mit Brustkrebs auf diese Weise tatsächlich das Leben gerettet? Um diese Fragen kreist die Diskussion seit Beginn des Programms.

Ob der Aufwand berechtigt ist, lässt sich nach nur fünf Jahren Laufzeit schlichtweg noch nicht beantworten, stellt Aubke klar. Er fügt aber an: "Die ursprüngliche Annahme, dass sich die Mortalität um 35 Prozent senken lässt, halte ich für etwas zu hoch anberaumt." Jürgen Graalmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, glaubt, dass das Leben einer von 200 Frauen dank des Programms gerettet werden könne.

Nur die Hälfte der Frauen nimmt an der Untersuchung teil


Auch in Zukunft wird sich nur schwer messen lassen, ob die Röntgenvorsorge den Tod abwenden kann, wendet Aubke ein. Denn es sterben auch deshalb weniger Patientinnen, weil die Therapien besser werden. Er sieht den Nutzen vielmehr darin, dass Chemotherapien aufgrund der früheren Diagnose überflüssig werden und die Brust bei einer Operation erhalten werden kann. "Dies ist sehr wichtig für die Lebensqualität der Frauen", betont Aubke. Noch sind diese Vorteile aber nicht wissenschaftlich belegt. Sollten sie sich bewahrheiten, müsste dieser Nutzen gegenüber den Kosten der Früherkennung und der emotionalen Belastung bei falschem Alarm abgewogen werden. Dies wird wohl erst in vielen Jahren möglich sein.

Einstweilen verweisen die Verantwortlichen des Programms darauf, dass schon jetzt häufiger kleine Tumore und Geschwüre aufgespürt werden, die noch nicht gestreut haben. Diese Frauen werden früher behandelt. "Sie haben bessere Heilungschancen und bekommen eine schonendere Behandlung", argumentiert Aubke.

Bis jetzt nimmt allerdings erst rund die Hälfte der angeschriebenen Frauen an der Untersuchung teil. Den Verantwortlichen ist das zu wenig. Jürgen Graalmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, kündigt deshalb eine Initiative an. 70 bis 75 Prozent der Frauen möchte man so vom Sinn der Vorsorge überzeugen. Sie sollen der Einladung in ihrem Briefkasten folgen.
Kommentare (1)
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AUG
29
Brust-Mamsell, 13:40 Uhr

zwei Welten: privat und kasse

Unlängst war ich ein paar Jahre privatversichert. Nett lächelten mich die Ärztinnen im Klinikum an und ich bekam gleich einen Termin. Seltsame Beschwerden: immer Brustschmerzen einseitig, dazu ständig Lymphknotenvergrößerungen. Ultraschall, Tastuntersuchung, Mammographie, Bluttests, Galaktographie (nichts für Weicheier, übrigens) alles brachte nichts weiter ein als eine vielleicht bestehende sehr kleine Veränderung, könnte aber auch normal sein oder nichts sein. Was tun? Nun, mir wurden Geschichten erzählt von Frauen, denen es ähnlich ging und dann waren sie zu sorglos und dann war es doch Krebs! Also: wir müssen operieren! Da wir aber nicht wissen, wo etwas sitzt, wird eher großflächig geschnitten, wir schneiden entlang zweier Milchgänge ganz bis zum Ende. Kosmetisch können wir hinterher sicher etwas gegen die Narben machen und stillen können Sie damit später auch noch! Beruflich änderte sich die Lage und ich war wieder Kassenpatienten, noch nicht operiert, aber mit einer gehörigen Portion Sorge ausgestattet, ängstlich habe ich in jeder unbeobachteten Minute Brust und Lymphknoten betasten. Ein Jahr später war ich wieder da: die OP, die dringend erforderlich gewesen war? Sollen wir nun doch? Ich musste es mir so lang überlegen, weil ich so Angst vor OPs habe aber auch es könnte ja doch etwas sein usw. Die Ärztin, nicht ganz so freundlich mehr: Nein, also diese OP brauchen Sie nicht, auch immer diese Strahlenbelastung bei weiterem Röntgen, das ist doch Unsinn. Hören Sie, jede zweite Frau hat undefinierbare Brustschmerzen, hören Sie auf, sich damit zu beschäftigen und ertragen Sie es. Es ist nichts, es ist nur unangenehm, aber helfen können wir Ihnen nicht. Seitdem geht es mir gut.