Stuttgart - Jede 50- bis 69-jährige Frau wird eines Tages dieses Einladungsschreiben in den Händen halten: Am So-und-so-vielten bestünde die Möglichkeit zur kostenlosen Mammografie, einer Röntgenuntersuchung der Brust zur Krebsvorsorge, heißt es da. Dies ist keine versteckte Werbung, wie manch misstrauische Frau vermutete. Vielmehr ist der Brief eine ganz praktische Folge des sogenannten Mammografiescreenings, das 2002 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde. Brustkrebs soll mit dem bundesweiten Röntgenangebot möglichst frühzeitig entdeckt und rechtzeitig behandelt werden. Die Zahl der Patientinnen, die an dem Tumorleiden sterben, soll um 35 Prozent sinken, so die Absicht. Dafür wurden bundesweit 94 Zentren aufgebaut, welche die Untersuchungen an den 50- bis 69-Jährigen durchführen. Alle zwei Jahre können sie ihre Brust gratis röntgen lassen.
In Berlin wurde gestern über die bisherigen Erfahrungen mit dem Vorsorgeprogramm berichtet. Medizinisch gesehen entspricht es den vorgeschriebenen Standards, war zu erfahren. "Frauen können dem Programm vertrauen", warb Wolfgang Aubke, Beiratsvorsitzender der Kooperationsgemeinschaft Mammografie, in eigener Sache. Die bisherigen Ergebnisse für 2005 bis 2007 entsprächen den europäischen Leitlinien.
Da die Untersuchung strahlenbelastend ist, soll möglichst nur je ein Bild von jeder Brust gemacht werden. Bildwiederholungen sollen unter drei Prozent liegen, steht in den Leitlinien. Im Früherkennungsprogramm hat man diese Schwelle eingehalten. Ein anderes Qualitätskriterium besagt, dass ein Tumor in der Regel nur entfernt werden sollte, wenn er vorher als solcher diagnostiziert wurde. Früher war es üblich, alle verdächtigen Knoten vorsorglich herauszuschneiden, ohne zu prüfen, ob sie bösartig sind. "Die entstehenden Narben erschweren aber die Röntgendiagnostik", erklärt Karin Bock, Leiterin der Referenzzentrums Südwest. Deshalb wird in den Leitlinien gefordert, bei mindestens 70 Prozent der Patientinnen abzuklären, ob eine bösartige Geschwulst vorliegt. Im deutschen Programm ergründeten die Ärzte das Gewebe in 92 Prozent der Fälle.
Bei fünf von hundert Frauen gibt es einen auffälligen Befund
Insgesamt wurden viele Zahlen präsentiert, die unter dem Strich nur besagen, dass alles so verläuft, wie es Ärzte weltweit nach bestem medizinischem Standard verlangen. Das ist erfreulich. Aber alles andere wäre auch ein Fiasko. Was die Öffentlichkeit wohl am meisten interessiert, kam gestern ebenfalls in nackten Zahlen daher: Bei fünf von hundert Frauen finden Radiologen einen auffälligen Befund im Röntgenbild. Aber nur eine davon hat tatsächlich einen Tumor.