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Brustkrebsvorsorge Leiden unter falschem Verdacht

Susanne Donner, vom 29.08.2010 10:40 Uhr
Die Magnetresonanz-(MR-)Mammografie liefert besondere Bilder von der Brust. Der Stift zeigt auf einen winzigen Tumor. Foto: dpa
Die Magnetresonanz-(MR-)Mammografie liefert besondere Bilder von der Brust. Der Stift zeigt auf einen winzigen Tumor. Foto: dpa
Stuttgart - Jede 50- bis 69-jährige Frau wird eines Tages dieses Einladungsschreiben in den Händen halten: Am So-und-so-vielten bestünde die Möglichkeit zur kostenlosen Mammografie, einer Röntgenuntersuchung der Brust zur Krebsvorsorge, heißt es da. Dies ist keine versteckte Werbung, wie manch misstrauische Frau vermutete. Vielmehr ist der Brief eine ganz praktische Folge des sogenannten Mammografiescreenings, das 2002 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde. Brustkrebs soll mit dem bundesweiten Röntgenangebot möglichst frühzeitig entdeckt und rechtzeitig behandelt werden. Die Zahl der Patientinnen, die an dem Tumorleiden sterben, soll um 35 Prozent sinken, so die Absicht. Dafür wurden bundesweit 94 Zentren aufgebaut, welche die Untersuchungen an den 50- bis 69-Jährigen durchführen. Alle zwei Jahre können sie ihre Brust gratis röntgen lassen.

In Berlin wurde gestern über die bisherigen Erfahrungen mit dem Vorsorgeprogramm berichtet. Medizinisch gesehen entspricht es den vorgeschriebenen Standards, war zu erfahren. "Frauen können dem Programm vertrauen", warb Wolfgang Aubke, Beiratsvorsitzender der Kooperationsgemeinschaft Mammografie, in eigener Sache. Die bisherigen Ergebnisse für 2005 bis 2007 entsprächen den europäischen Leitlinien.

Da die Untersuchung strahlenbelastend ist, soll möglichst nur je ein Bild von jeder Brust gemacht werden. Bildwiederholungen sollen unter drei Prozent liegen, steht in den Leitlinien. Im Früherkennungsprogramm hat man diese Schwelle eingehalten. Ein anderes Qualitätskriterium besagt, dass ein Tumor in der Regel nur entfernt werden sollte, wenn er vorher als solcher diagnostiziert wurde. Früher war es üblich, alle verdächtigen Knoten vorsorglich herauszuschneiden, ohne zu prüfen, ob sie bösartig sind. "Die entstehenden Narben erschweren aber die Röntgendiagnostik", erklärt Karin Bock, Leiterin der Referenzzentrums Südwest. Deshalb wird in den Leitlinien gefordert, bei mindestens 70 Prozent der Patientinnen abzuklären, ob eine bösartige Geschwulst vorliegt. Im deutschen Programm ergründeten die Ärzte das Gewebe in 92 Prozent der Fälle.

Bei fünf von hundert Frauen gibt es einen auffälligen Befund


Insgesamt wurden viele Zahlen präsentiert, die unter dem Strich nur besagen, dass alles so verläuft, wie es Ärzte weltweit nach bestem medizinischem Standard verlangen. Das ist erfreulich. Aber alles andere wäre auch ein Fiasko. Was die Öffentlichkeit wohl am meisten interessiert, kam gestern ebenfalls in nackten Zahlen daher: Bei fünf von hundert Frauen finden Radiologen einen auffälligen Befund im Röntgenbild. Aber nur eine davon hat tatsächlich einen Tumor.

Kommentare (1)
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AUG
29
13:40 Uhr, geschrieben von Brust-Mamsell
zwei Welten: privat und kasse
Unlängst war ich ein paar Jahre privatversichert. Nett lächelten mich die Ärztinnen im Klinikum an und ich bekam gleich einen Termin. Seltsame Beschwerden: immer Brustschmerzen einseitig, dazu ständig Lymphknotenvergrößerungen. Ultraschall, Tastuntersuchung, Mammographie, Bluttests, Galaktographie (nichts für Weicheier, übrigens) alles brachte nichts weiter ein als eine vielleicht bestehende sehr kleine Veränderung, könnte aber auch normal sein oder nichts sein. Was tun? Nun, mir wurden Geschichten erzählt von Frauen, denen es ähnlich ging und dann waren sie zu sorglos und dann war es doch Krebs! Also: wir müssen operieren! Da wir aber nicht wissen, wo etwas sitzt, wird eher großflächig geschnitten, wir schneiden entlang zweier Milchgänge ganz bis zum Ende. Kosmetisch können wir hinterher sicher etwas gegen die Narben machen und stillen können Sie damit später auch noch! Beruflich änderte sich die Lage und ich war wieder Kassenpatienten, noch nicht operiert, aber mit einer gehörigen Portion Sorge ausgestattet, ängstlich habe ich in jeder unbeobachteten Minute Brust und Lymphknoten betasten. Ein Jahr später war ich wieder da: die OP, die dringend erforderlich gewesen war? Sollen wir nun doch? Ich musste es mir so lang überlegen, weil ich so Angst vor OPs habe aber auch es könnte ja doch etwas sein usw. Die Ärztin, nicht ganz so freundlich mehr: Nein, also diese OP brauchen Sie nicht, auch immer diese Strahlenbelastung bei weiterem Röntgen, das ist doch Unsinn. Hören Sie, jede zweite Frau hat undefinierbare Brustschmerzen, hören Sie auf, sich damit zu beschäftigen und ertragen Sie es. Es ist nichts, es ist nur unangenehm, aber helfen können wir Ihnen nicht. Seitdem geht es mir gut.
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